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Merkur-Autor Mike Schier

Wer folgt auf den Bundespräsidenten?

Kommentar zur Gauck-Nachfolge: Spiel auf Zeit

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München - Der Abschied des Bundespräsidenten bringt die Bundestagsparteien in Nöte. Doch am schwierigsten wird die Kandidatensuche für die Kanzlerin, meint Mike Schier.

Mehr als 470 Tage vor der Bundestagswahl 2017 hat der Wahlkampf begonnen. Die Ankündigung Joachim Gaucks stellt nicht nur Angela Merkel vor ein Problem, die mit ihren ersten beiden Kandidaten (Horst Köhler und Christian Wulff) gewaltigen Schiffbruch erlitt und vor der Wahl Gaucks vom eigenen Koalitionspartner verraten wurde (was der FDP bekanntlich nicht gut bekam). Der Abschied des Bundespräsidenten bringt auch die übrigen Bundestagsparteien in Nöte: Sie müssen schon bald politische Richtungsentscheidungen vornehmen, die sie eigentlich noch gerne ins Frühjahr hinausgeschoben hätten.

Sigmar Gabriel zum Beispiel. Der SPD-Chef, der sich gerade vorsichtig bemüht, seine umfragengebeutelte Partei wieder nach links zu rücken, muss plötzlich offenlegen, wie weit er sich der Linkspartei wirklich annähern will. Oder die Grünen, die so gerne offen mit der Merkel-CDU flirten, jetzt aber womöglich doch in ein linkes Bündnis gepresst werden.

Für Merkel ist die Lage kompliziert 

Beide Parteien müssten eigentlich an einem Kandidaten Interesse haben, der möglichst nicht der Berliner Polit-Kaste entstammt. Am schwierigsten aber wird die Kandidatensuche für die geschwächte Kanzlerin: Sie braucht jemanden, der CDU und CSU hinter sich vereint, sich gleichzeitig jedoch so von der AfD absetzt, dass er am Ende nicht mit deren Stimmen gewählt wird. Letzteres wäre fast ebenso fatal wie eine Niederlage.

Weil die Lage so kompliziert ist, spielen jetzt erst einmal alle auf Zeit – offiziell weil Gauck noch eine Weile im Amt ist und im Herbst Landtagswahlen anstehen. Tatsächlich fürchten sie ganz banal: Wer sich zuerst bewegt, verliert.

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