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AfD-Chef Jörg Meuthen am Sonntagabend in der „Berliner Runde“

Hierher kommen die Stimmen

Fast 13 Prozent bei der Bundestagswahl: Wer hat die AfD gewählt?

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Die AfD hat bei der Bundestagswahl Millionen Wähler hinzugewonnen und 12,6 Prozent der Stimmen eingeheimst. Die Daten der Meinungsforscher zeigen schon jetzt, wo und bei wem die Partei ihre Stimmen gesammelt hat.

Berlin - Die Bundestagswahl hat so einige Überraschungen gebracht. Das Hauptthema ist aber die AfD: Knapp 13 Prozent der Wählerstimmen hat die rechtspopulistische Partei eingefahren. Sehr zur Bestürzung der etablierten Parteien.

Fast 13 Prozent für die AfD, das bedeutet auch: Die Partei hat in den vergangenen vier Jahren fast neun Prozentpunkte hinzugewonnen. Und so bleibt am Wahlabend eine große Frage - woher kommen die vielen neuen AfD-Wähler? Wo im Land leben sie, wie sieht ihr Leben aus und wovor haben sie Angst? Die Daten, die die Meinungsforscher am Wahltag gesammelt haben, geben einigen Aufschluss:

Wer hat die AfD gewählt? - In diesen Regionen hat die Partei ihre Stimmen gesammelt

Frappierend sind die regionalen Unterschiede im AfD-Ergebnis: Laut infratest dimap ist die AfD im Osten der Republik sogar zweitstärkste Partei geworden - hinter der Union. 21,5 Prozent der Stimmen erreichte die Partei demnach in den neuen Bundesländern und im Osten Berlins. Die CDU sammelte gerademal 5 Prozentpunkte mehr ein. In Sachsen erhielten die Rechtspopulisten mit 27 Prozent sogar die meisten aller Zweitstimmen, noch vor der CDU (Endergebnisse: So wählten die einzelnen Länder bei der Bundestagswahl).

Beliebt ist die Partei vor allem unter den Männern auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. „Im Osten konkurriert sie bei allen unter 60-jährigen Männern sogar mit der CDU, die hier in dieser Gruppe zweistellig einbricht“, konstatiert die Forschungsgruppe Wahlen.

Wer hat die AfD gewählt - Männer oder Frauen?

Dieses Phänomen beschränkt sich allerdings nicht nur auf die älteren Männer - und nicht nur auf Ostdeutschland: Besonders viele Stimmen sammelte die AfD durch die Bank bei der männlichen Bevölkerung.

26 Prozent der ostdeutschen Männer votierten für die AfD, hingegen nur 17 Prozent der ostdeutschen Frauen. In den alten Bundesländern zeigt sich das gleiche Phänomen: Hier stimmten 13 Prozent der Männer für die Partei - verglichen mit 8 Prozent der Frauen wiederum ein frappierender Unterschied.

Bundesweit wählten 16 Prozent der Männer und 9 Prozent der Frauen die AfD.

Wer hat die AfD gewählt? - In diesen Berufsgruppen war die Partei am stärksten

In einer vom ZDF veröffentlichten Befragung hat die Forschungsgruppe Wahlen auch die sozialen Gruppen mit der höchsten AfD-Affinität erhoben. Bundesweit erfolgreich war die AfD demnach vor allem unter den „Arbeitern“: 19 Prozent dieser Gruppe wählten die Partei.

Ansonsten neigen aber offenbar alle Bevölkerungsschichten jeweils in vergleichbarem Maße zur Alternative für Deutschland zu: 11 Prozent der Angestellten, 10 Prozent der Beamten und 12 Prozent der Selbstständigen weist die Statistik als AfD-Wähler aus. Es sind also offenbar - anders als zunächst lange angenommen - nicht nur die sozial Schwächeren, für die die AfD attraktiv ist.

Allerdings zeigt sich ein kleines Bildungsgefälle: Laut ZDF und Forschungsgruppe Wahlen wählten 14 Prozent der Menschen mit Hauptschulabschluss und 17% der Menschen mit Mittlerer Reife die AfD. Unter den Wählern mit Abitur (11 Prozent) und mit Hochschulabschluss (7 Prozent) fiel ihr Wähleranteil signifikant niedriger aus.

Wer hat die AfD gewählt? - In diesen Altersgruppen war die AfD besonders erfolgreich

Interessant ist ein Blick auf die Altersverteilung der AfD-Wähler: Besonders großen Zuspruch erhielt die Partei bei der Bundestagswahl in der Altersgruppe der 30- bis 59-Jährigen. Nach Angaben der Forschungsgruppe Wahlen wählten satte 16 Prozent der 30- bis 44-Jährigen und immer noch 15 Prozent der 45- bis 59-Jährigen in Deutschland die AfD. 

Weniger Anhänger hat die AfD bei den Jüngeren und Älteren. 11 Prozent der Unter-30-Jährigen und nur 10 Prozent der Über-60-Jährigen machten ihre Kreuz bei der Partei Alexander Gaulands, wie zdf.de schreibt. Unter den Ältesten in der Gesellschaft gibt es offenbar sogar noch ein weiteres Gefälle: Besonders skeptisch war nach Daten von „ARD Aktuell“ die Generation, die noch den Zweiten Weltkrieg erlebt haben könnte. Lediglich 7 Prozent der Menschen im Alter von über 70 Jahren votierten für die AfD.

Von welchen anderen Parteien strömten die Wähler zur AfD?

Auch die „Wählerwanderung“ ist eine etablierte Kategorie der Wahlforschung. Die Umfragen vor den Wahllokalen zeigten dabei 2017: Eigentlich alle etablierten Parteien verloren Wähler an die AfD.

So hat die Union nach einer von der ARD veröffentlichten Erhebung von infratest dimap rund eine Millionen Wähler in Richtung AfD verloren - eine enorme Zahl. Auch die SPD büßte 500.000 Wähler ein; nur unwesentlich mehr als die Linke mit 430.000 zur AfD abgewanderten Wählern.

Kleiner fielen die Verluste bei FDP und Grünen aus. Sie verloren 50.000 beziehungsweise 40.000 Stimmen an die AfD. Hinzu kommen den Meinungsforschern zufolge 1,2 Millionen Nichtwähler - auch das ist eine riesige Zahl.

Welche Sorgen treiben die AfD-Wähler um?

Allem Anschein nach hat die AfD vor allem von Ängsten vor Zuwanderung und fremden Kulturen profitiert. Die Forschungsgruppe Wahlen teilte am Sonntagabend mit, 86 Prozent der AfD-Wähler bezweifelten in einer Befragung, dass Deutschland den Flüchtlingszustrom „verkraften“ kann. Im Rest der Gesellschaft scheint diese Frage lange nicht so virulent: Nur 37 Prozent aller Befragten äußerten solche Sorgen.

Besonders aussagekräftig ist eine von ARD Aktuell publizierte Zahl: So haben angeblich 95 Prozent der Wähler der AfD die Sorge, dass die „deutsche Kultur und Sprache in den Hintergrund geraten“.

Ausführliche Analysen werden nur wohl auch die Parteien selbst anstellen: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat schon unmittelbar nach der ersten Hochrechnung angekündigt, sie wolle nun AfD-Wähler „zurückgewinnen“.

Über alle Entwicklungen vom Wahlabend und den Tag danach halten wir Sie in unserem Live-Ticker auf dem Laufenden.

fn

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