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Guido Westerwelle fordert eine unabhängige europäische Rating-Agentur.

Westerwelle: unabhängige europäische Ratinagentur

Frankfurt/Main - Außenminister Guido Westerwelle hat gefordert, schnellstmöglich Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen. Dazu gehöre auch eine unabhängige europäische Ratingagentur, sagte er.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat sich für die Einrichtung einer unabhängigen europäischen Rating-Agentur ausgesprochen. Aus der Finanz- und Wirtschaftskrise müsse schnellstens die Lehre gezogen werden, dass die Europäische Union “der Tätigkeit von Rating-Agenturen eigene Bemühungen entgegensetzt“, sagte der FDP-Politiker den Zeitungen der “WAZ“-Mediengruppe (Donnerstagausgaben). “Rating-Agenturen dürfen nicht gleichzeitig Finanzprodukte entwickeln, vertreiben und bewerten. Solche Interessenkonflikte sind in Zukunft auszuschließen“, sagte Westerwelle.

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Am Mittwoch stufte die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Spaniens von AA+ auf AA herab. Zuvor hatte die Agentur die Bonität Griechenlands und Portugals herabgestuft und damit Schockwellen auf den Weltmärkten ausgelöst. Mehrere Ökonomen kritisierten Standard & Poors heftig für die Abwertung Griechenlands und Portugals. “Wir sollten das Wohl Europas nicht von den Ratingagenturen abhängig machen“, sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger der Tageszeitung “Die Welt“ (Donnerstagausgabe). “Die Ratingagenturen haben von Beginn der Finanzkrise an versagt warum sollte sich die Europäische Zentralbank (EZB) in dieser kritischen Phase überhaupt noch auf ihr Urteil verlassen?“, sagte Bofinger. Der Wirtschaftsweise plädierte nun für ein pragmatisches Vorgehen der Währungshüter: “Die EZB sollte sich von dem Urteil der Ratingagenturen frei machen und die griechischen Staatsanleihen trotz des Ramsch-Status akzeptieren.“ Tue sie das nicht, werde innerhalb kürzester Zeit das gesamte griechische Bankensystem zusammenbrechen, mit schwer wiegenden Folgen auch für deutsche Institute.

“Wir hängen zu sehr am Tropf der Ratingagenturen“

“Wir hängen zu sehr am Tropf der Ratingagenturen“, sagte auch der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirates des Bundesfinanzministeriums, Clemens Fuest, der Zeitung. Das Urteil der Ratingagenturen werde an den Märkten überbewertet. Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, sagte: “Es kann nicht sein, dass Ratingagenturen, die die Finanzkrise zu einem großen Teil mitzuverantworten haben, weil sie wertlosen Papieren Bestnoten verliehen haben, immer noch solch eine herausragende Rolle spielen.“ Zudem sei deren Methodik nach wie vor intransparent. Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln), Michael Hüther, geht mit den Ratingagenturen hart ins Gericht: “Die Ratingagenturen haben wieder einmal geschlafen“, wird er zitiert. Statt nach und nach Griechenland und Portugal herabzustufen, hätten sie mehrere Schritte auf einmal vollzogen und damit Nervosität auf den Märkten ausgelöst.

DAPD

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