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Daniel Föst will Listenplatz 1 der bayerischen FDP.

Bundestagsmandate umkämpft wie nie

Wettlauf um die besten Plätze in Bayerns FDP

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In wenigen Tagen regelt Bayerns FDP die Bundestagskandidaturen. Die Zahl der Kampfkandidaturen ist hoch: Weil die Liberalen heuer wieder Hoffnung schöpfen, sind die Mandate umkämpft wie nie.

München – Durch die Halle schwebten „zauberhafte Wesen“, es gab Führungen durch die Katakomben. So weit das Eröffnungsprogramm der eben fertig gebauten Stadthalle Bad Neustadt von diesem Wochenende. Vom Programm fürs kommende Wochenende unterscheidet es sich dabei vielleicht nur um Nuancen: In sechs Tagen regelt in der gleichen Halle Bayerns FDP ihre Bundestagskandidaturen. Ein paar Liberale werden nachher verzaubert durch die Halle schweben – und ein paar in den Katakomben verschwinden.

Im Ernst: Der Parteitag der FDP muss in einer ungewöhnlichen Zahl an Kampfkandidaturen regeln, wer eine Chance auf ein Bundestagsmandat erhält. Kaum ein Bewerber wird ohne Stichwahl einen Listenplatz bekommen. Von dieser Reihung hängt für die Liberalen, die nirgendwo Aussicht auf Direktmandate haben, alles ab. Deshalb – und weil die FDP dank guter Umfragen eine echte Aussicht auf Mandate hat – ist das Gedränge so groß. „Es wird ein Fest der Stichwahlen“, sagt ein Altgedienter und meldet erheitert: „Die Telefone glühen, die Hinterzimmer sind belegt.“ Von Rivalitäten, im Einzelfall harten Feindschaften, berichten Delegierte. Mehrere klagen, ein früherer Aufstellungstermin wäre besser gewesen.

Spannend wird, wie die FDP nun mit dem Generationswechsel umgeht. 2013 flog die FDP binnen weniger Wochen aus Landtag und Bundestag, dutzende Abgeordnete, Staatssekretäre und Minister landeten auf der Straße. Sie müssen sich jetzt auf Augenhöhe mit aufstrebenden Neulingen messen; einen Amtsbonus hat keiner mehr.

Daniel Föst will Listenplatz 1 der bayerischen FDP.

Einigermaßen sicher kann sich nur Daniel Föst (40) fühlen, der Generalsekretär der Bayern-FDP. Der Münchner soll Listenplatz 1 bekommen. Auf Platz 2 könnte der Unterfranke Karsten Klein (39) landen, der sich in seiner Zeit im Landtag bis 2013 einen Namen als Haushaltspolitiker machte. Er muss aber schon mit einer Welle von Gegenkandidaturen aus Franken rechnen: Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Sebastian Körber (36) tritt an, die Unternehmerin Britta Dassler (50) und vielleicht auch Ex-Staatssekretärin Katja Hessel (44).

Auf den folgenden Plätzen geht das Gedränge munter weiter. Die Verlierer des Kampfes um Platz 2 treffen dort unter anderem auf Neuling Britta Hundesrügge (50) aus Gauting, die Ex-Abgeordneten Stephan Thomae (48, Allgäu) und Jimmy Schulz (48, Oberbayern), Ex-Telekom-Manager Thomas Sattelberger (66, München), Juli-Chef Lukas Köhler (30, München) und viele weitere.

Acht Prozent gibt Föst als Wahlziel aus, irgendwo auf Platz 7 bis 9 enden demnach die realistischen Chancen auf den Bundestags-Einzug. „Es gibt kein Hauen und Stechen, sondern einen offenen Wettbewerb“, sagt der Generalsekretär tapfer. Offizielle Wahlempfehlungen hat der Vorstand nicht. Allerdings soll sich Landeschef Albert Duin persönlich für Sebastian Körber stark machen.

Ein einmaliges Erlebnis soll die FDP-Feldschlacht nicht bleiben. 2018 steht für die Landtagswahl Ähnliches an, vor allem in Oberbayern. Hier will Duin den ersten Platz. Vorausgesetzt, er ist dann noch Chef, denn sollte die Bundestagswahl für Bayerns FDP schlecht laufen, dürfte er im November selbst gestürzt werden, orakeln Parteifreunde. Außerdem drängen Ex-Abgeordnete, darunter der frühere Vize-Ministerpräsident Martin Zeil und vielleicht auch der ehemalige Minister Wolfgang Heubisch, auf die Landtagsliste.

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