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Für ihn ist am 11. Dezember als Regierender Schluss: Morgen gibt die Berliner SPD das Ergebnis der Mitgliederbefragung über den Nachfolger bekannt.

Wer folgt auf Klaus Wowereit in Berlin?

Wettstreit der Musketierchen

Berlin - Müller, Stöß oder Saleh – wer kann Berlin? Mit dem Rückzug von Klaus Wowereit sucht die SPD einen Chef für die Hauptstadt. Die Kandidaten lassen die Muskeln spielen. Am Samstag könnte der Neue feststehen.

Kritiker nennen es respektlos ein „Duell der Zwerge“. Das hören die drei Kandidaten für die Nachfolge von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) natürlich nicht so gern. SPD-Landeschef Jan Stöß baut sich dann zu seinen vollen 1,96 Metern auf („Klein hat mich noch keiner genannt“). Stadtentwicklungssenator Michael Müller tauscht das verschmitzte Lächeln gegen einen entschlossenen Blick. Fraktionschef Raed Saleh blickt finster.

Die Berliner SPD sucht ihren nächsten Superstar – und tut sich damit schwer. Die 17 200 Mitglieder dürfen entscheiden, wen die Partei als künftigen Regierenden Bürgermeister nominiert, der sich dann auch mit dem neuen Pannenflughafen herumschlagen darf. Am Samstag gibt es ein Ergebnis, Stichwahl nicht ausgeschlossen. Doch außerhalb der Hauptstadt sind diese drei Kandidaten „No-Names“, selbst viele Berliner kennen sie nicht. Keiner, so kritisiert mancher, habe das Niveau des „Riesen“ Wowereit. Deutschlands dienstältester Länderchef will am 11. Dezember knapp zwei Jahre vor Ablauf seiner dritten Amtszeit zurücktreten.

Statt als Zwerge wollen sich die potenziellen Nachfolger viel lieber so sehen, wie sie in der SPD inzwischen ironisch getauft wurden: Als „drei Musketiere“. Von deren legendären Schlachtruf „Einer für alle – Alle für Einen“ ist im SPD-internen Wahlkampf aber wenig zu spüren.

Seit Wochen lieferten sich Stöß (41), Müller (49) und Saleh (37) Rededuelle in Foren und auf Versammlungen, teils mehrmals am Abend. Inzwischen überlappen sich die Formulierungen immer mehr. Arbeitsplätze, bezahlbare Mieten, Bürgerbeteiligung, Bildung, eine soziale Stadt beschwören alle drei. Die Abgrenzung fällt ihnen schwer, vertreten sie doch als eingefleischte Sozialdemokraten ein ähnliches Programm. Hat einer einen prägnanten Slogan gefunden, „leiht“ der andere diesen für die eigene Rede aus. Bald, so könnte man meinen, sagen sie alle das Gleiche.

Angesichts der inhaltlichen Übereinstimmungen versuchen die drei, mit ihren Lebensläufen zu punkten. Parteichef Stöß inszeniert sich als Intellektueller, ein wenig schon jetzt als Regierungschef. Leitsatz: „Mut zur Veränderung“. Wowereits ehemaliger Kronprinz Müller will an die Arbeit des Noch-Regierenden anknüpfen. „Ich lasse mir unsere Erfolge nicht kleinreden“, sagt er. Oft wurde ihm Blässe nachgesagt – das münzt Müller jetzt in Verlässlichkeit um. „Regieren muss man auch können“, sagte er leicht süffisant. Selbstkritisch gibt er zu, beim Glamourfaktor „noch Luft nach oben“ zu haben.

Saleh spielt die Migrantenkarte und setzt auf Emotionen. Er sei ein „waschechter Berliner“, versichert der gebürtige Palästinenser, der als Fünfjähriger in die Stadt kam. Saleh will der erste deutsche Ministerpräsident mit ausländischen Wurzeln werden und Wowereits Erfolgsgeschichte von der weltoffenen Metropole weiterschreiben. Sein Vater habe ihm immer gepredigt: „Arbeite hart und achte die deutschen Gesetze!“   Geht es nach den Mächtigen in Wirtschaft und Gewerkschaften, ist der Senator klarer Favorit: „Alles andere als Müller wäre eine Katastrophe“, zitiert der „Tagesspiegel“ einen Insider im Berliner Unternehmensverband.

Vor der heutigen Entscheidung gibt es bereits eine weitere personelle Veränderung: Der mächtige Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für die SPD) kündigte am Freitag seinen Rückzug an. Er werde sein Amt zeitgleich mit Wowereit „aus persönlichen Gründen“ zur Verfügung stellen. Er geht wohl lieber freiwillig – sein Verhältnis zumindest zu Müller und Stöß gilt als zerrüttet.

Kirsten Baukhage und Theresa Münch

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