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Im Einsatz: Journalistin Judith Grohmann war mit Polizei-Spezialeinheiten aus Europa unterwegs. Das Foto zeigt sie mit Mitgliedern der österreichischen „Cobra“.

Interview mit Judith Grohmann

"Wie im Thriller"

München - Die Journalistin und Autorin Judith Grohmann hat geschafft, was niemand vor ihr schaffte: Sie durfte die Mitglieder von 16 internationalen Polizei-Spezialeinheiten, wie die deutsche GSG9, bei Einsätzen begleiten und interviewen.

Sie sprach mit Kommandanten, die stundenlang mit Kidnappern verhandelten. Sie unterhielt sich mit Menschen, die andere Menschen erschießen mussten. Und sie hörte Frauen und Männern zu, die „wirklich alles tun, um den Terrorwahnsinn zu stoppen“. Ihr Buch In geheimer Mission (Riva; 19,99 Euro) liest sich streckenweise wie ein Krimi. Und wirft erneut die Frage auf: Wie viel Überwachung ist nötig? Judith Grohmann sagt: „Mehr als uns lieb ist.“ Und sie weiß, wovon sie spricht. Sie hat zugestimmt, ausspioniert zu werden – andernfalls hätte sie keinen Kontakt zu den Spezialeinheiten bekommen.

Wie fühlt es sich an, durchleuchtet zu werden?

Wie in einem Thriller! Wenn ich am Computer saß, konnte ich plötzlich nicht mehr tippen. Oft ging keine E-Mail durch – für mindestens eine halbe Stunde. Oder die Programme bewegten sich wie von Geisterhand gesteuert. Beim Telefonieren hörte ich das Echo des gesamten Gesprächs, und beim Skypen hallte es in der gesamten Wohnung. Das ist schon ein seltsames Gefühl: Du weißt, physisch ist niemand anwesend. Aber Du wirst trotzdem beobachtet.

Hatten Sie Angst?

Nein, das nicht. Ich hatte ja auch nichts zu verbergen. Und ich wusste, worauf ich mich eingelassen habe – wer mit Polizei-Spezialeinheiten in Kontakt steht, der muss überprüft werden. Ich hätte genauso gut eine Terroristin sein können, die an brisante Informationen kommen will – und keine Journalistin.

Die Dimension der Überwachung kennen Sie nun also besser als andere Menschen ...

In der Praxis schon. Aber in der Theorie war mir diese Dimension längst bewusst. Das Internet wurde einst vom US-amerikanischen Militär entwickelt. Den Rest kann man sich dann denken.

Eine Legitimation fürs Überwachen ist das nicht.

Aber eine logische Konsequenz. Natürlich will niemand durchleuchtet werden. Und die wenigsten müssen das auch fürchten, weil sie schließlich nichts angestellt haben.

Wissen Sie zufällig, was die Bundeskanzlerin angestellt hat? Sie steht angeblich seit Jahren auf einer US-Abhörliste.

(Lacht.) Auch wenn ich jetzt wirklich gute Kontakte zu Polizei-Spezialeinheiten habe – das weiß ich leider nicht. Um es aber mal ganz salopp zu formulieren: Jedes Land ist neugierig. Und es fragt sich immer wieder: Was macht eigentlich das andere Land? Und da Frau Merkel keine unbekannte Person ist ...

Verstehe – da sind die US-Geheimdienste sofort zur Stelle.

Das haben Sie jetzt gesagt. Ich würde sagen: Wir sollten nicht zu paranoid werden. Grundsätzlich sind Überwachungen geboten. Sie können einen Terroristen oder Schwerkriminellen doch nur dann fassen, indem Sie ihn ausspionieren – und dafür muss die zur Verfügung stehende Technik perfektioniert werden. Durch die Arbeit an meinem Buch habe ich mitbekommen, wie viele kleine und größere Attentate vereitelt wurden, ohne dass die Bevölkerung davon überhaupt Wind bekam. Das ist auch gut so. Viele Menschen würden sofort in Panik geraten, sobald mehr Details nach außen dringen.

Haben Sie jetzt ein besseres Gespür für die Gefahr, die uns umgibt?

Ich denke schon, mein Blick ist tatsächlich geschärft. Nur ein Beispiel: Ich kam von Luxemburg aus mit dem Zug, ich stieg in Paris um – und dort, am Bahnhof, sah ich plötzlich eine Truppe von Männern mit Maschinengewehren – die Männer mindestens 1,90 Meter groß. Mir war sofort klar, dass es eine Bedrohung gab. Und zwar eine Bedrohung terroristischer Natur. Denn wenn der sogenannte Plan Vigipirate ausgerufen wird – was damals der Fall war –, ist die Bedrohung terroristisch. Natürlich weiß ich bis heute nicht, was konkret passiert ist. Aber ich weiß, dass solche Dinge regelmäßig passieren können. Und Überwachungen erhöhen in diesen Situationen die Chance, Menschen vor Attentaten schützen zu können.

Fühlen Sie sich überhaupt noch sicher?

Ja – in Deutschland und in Österreich auf alle Fälle. Aber in den USA? Also ganz ehrlich: Ich glaube, da lebt es sich deutlich gefährlicher.

Könnten Sie selbst in einer Polizei-Spezialeinheit arbeiten?

Ich? Nein! Viel zu gefährlich! Es mag pathetisch klingen: Aber all diese Frauen und Männer sind jeden Tag bereit zu sterben – wenn sie andere durch ihren Tod beschützen können. Das hat mich zutiefst beeindruckt.

Das Gespräch führte Barbara Nazarewska.

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