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Deutschlands Wirtschaft boomt - doch wie lange noch? 

Nach der Party droht der Kater

Wie weit wächst Deutschlands Wirtschaft noch?

Die deutsche Wirtschaft wächst und wächst und wächst. Geht das jetzt ewig so weiter? Volkswirte gießen Wasser in den Wein.

Frankfurt – Wirtschaftsaufschwung, Rekordbeschäftigung, Exportboom – es läuft in Deutschland. Mit 2,2 Prozent Wachstum legte die Wirtschaftsleistung im abgelaufenen Jahr so stark zu wie seit 2011 nicht mehr. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist mit gut 2,5 Millionen Arbeitslosen so gut wie nie seit der Wiedervereinigung. Deutschlands Exporteure steuern auf das vierte Rekordjahr in Folge zu. Der Staat darf sich über einen Rekordüberschuss freuen.

„Dieser Aufschwung ist kein Spurt, sondern ein Dauerlauf“, stellte Dekabank-Chefökonom Ulrich Kater jüngst fest. Einmütig prognostizieren Wirtschaftsforscher eine Fortsetzung des seit nunmehr acht Jahren anhaltenden Aufschwungs 2018.

Doch ausruhen, da sind sich die Experten ebenfalls einig, sollte sich Europas größte Volkswirtschaft auf dem Erfolg nicht. „Nun muss es darum gehen, den volkswirtschaftlichen Glanz in die Zukunft zu tragen“, sagt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Investitionen seien notwendig: in Straßen, Bildung, schnelles Internet.

Klare Ansage aus der Wirtschaft an die Politik

„2018 muss das Jahr der Taten werden. Die Startposition für eine Regierung könnte kaum besser sein“, bekräftigt BDI-Chef Dieter Kempf. Die künftige Regierung sollte die „Chance für neue Strukturreformen und Investitionen“ nutzen, rät ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. „Andernfalls könnte Deutschland bald erkennen, dass die jüngste starke Wachstumsphase nur das letzte Hurra war.“

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Die Forderungen, dreieinhalb Monate nach der Bundestagswahl endlich klare Verhältnisse zu schaffen, werden lauter. „Die Hängepartie in Berlin muss bald ein Ende haben“, mahnte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann. „Immer mehr Länder suchen die Lösung für globale Herausforderungen in nationalen Rezepten und einem ,Mein Land zuerst‘. Für eine internationale Volkswirtschaft wie die unsere, die auf Exporte wie Importe angewiesen ist, ist das brandgefährlich“, warnte er.

Deutschland als Wirtschaftsstandort nur Mittelmaß

Beispiel Steuern: Während US-Präsident Donald Trump der heimischen Wirtschaft zu Weihnachten ein Milliarden-Geschenk in Form massiver Steuersenkungen bescherte, fordert die deutsche Industrie bisher vergeblich Entlastung. „Wir brauchen vor allem weniger Bürokratie, einen größeren Freiraum für Unternehmen sowie mehr Investitionen in Bildung und Infrastruktur“, fordert DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. „In keinem Fall jedoch Steuererhöhungen.“

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Europas größte Volkswirtschaft sei „ein kostspieliges Land“ – gleich, welchen Maßstab man anlege, analysiert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Darunter leide das Image als Wirtschaftsstandort, in der EU sei Deutschland „nur noch Mittelmaß“.

Zunehmend zu kämpfen hat das alternde Deutschland auch mit dem Mangel an qualifiziertem Personal. Zwar sind die Chancen für Arbeitslose, einen Job zu finden, so günstig wie lange nicht. Doch können freie Stellen oft über Monate nicht besetzt werden, weil Firmen keine geeigneten Bewerber finden.

Fachkräftemangel nimmt immer mehr zu

Eine Analyse der Bundesagentur für Arbeit offenbart das Ausmaß des Fachkräftemangels. 156 Tage dauert es im Schnitt, bis ein Handwerksbetrieb einen Heizungstechniker gefunden hat. Alten- und Pflegeheime benötigten gar 167 Tage, bis eine Stelle besetzt war. Über alle Berufe hinweg lag die Vakanzzeit 2017 bei 100 Tagen – zehn mehr als im Jahr 2016.

„Die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften wird weiter hoch bleiben“, erklärt Commerzbank-Ökonom Krämer. Sein Fazit: „In Deutschland herrscht Hochkonjunktur. Ein Beschäftigungsrekord jagt den nächsten. Aber unter dieser glänzenden Oberfläche erodiert die Wettbewerbsfähigkeit auf breiter Front.“

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Zudem wächst das Risiko, dass sich die globale Konjunktur überhitzen könnte – auch weil wichtige Notenbanken nach der letzten Finanzkrise 2007/2008 Billionen billiges Geld in die Märkte gepumpt haben – und es wie die Europäische Zentralbank weiterhin tun. Beobachter befürchten, dass sich Preisblasen an Aktien-, Anleihen- oder Immobilienmärkten bilden – und sich die Preise über ein gesundes Maß hinaus aufblähen. Das kann Volkswirtschaften in Turbulenzen stürzen.

Noch geht die Party weiter, die beste Phase habe gerade begonnen, meint Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding. Er warnt zugleich: „Keine Party dauert ewig, nach der Feier droht der Kater.“

dpa

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