+
Der Rest eines Schlauchboots an der griechischen Küste: Erneut sind Flüchtlinge in Seenot. Foto: Manolis Lagoutaris/Archiv

Wieder werden Dutzende Flüchtlinge im Mittelmeer vermisst

Nur wenige Tage ist das letzte Flüchtlingsdrama her, da folgen die nächsten Schreckensmeldungen: Wieder kentert ein Boot, wieder gibt es Vermisste. Zwei Migranten werden nach Stunden im Mittelmeer gerettet.

Rom (dpa) - Nur eine Woche nach dem letzten folgenschweren Flüchtlingsdrama sind möglicherweise erneut Dutzende Menschen im Mittelmeer ertrunken. Etwa 60 Migranten wurden nach Angaben von Hilfsorganisationen am Mittwoch vermisst, nachdem ihr Schiff vor der libyschen Küste gekentert war.

Die italienische Marine hatte mindestens 54 Menschen von dem Schlauchboot gerettet, das anschließend kenterte. Sie kamen am Mittwoch auf der italienischen Insel Lampedusa an und berichteten von etwa 60 weiteren Insassen ihres Bootes.

Bereits am Dienstag hatte ein Hubschrauber der Marine das Schlauchboot entdeckt, das kurz vor dem Kentern stand. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR waren insgesamt etwa 120 Menschen an Bord, die meisten davon aus Mali, dem Senegal, Nigeria und Gambia. Sie waren demnach bereits am Montag mit dem kaum seetüchtigen Boot von Libyen aus aufgebrochen und schon nach wenigen Stunden in Seenot geraten. Sie versuchten zwar noch, nach Libyen zurückzukehren, doch diese Versuche scheiterten.

Laut UNHCR wurden am Mittwoch noch 66 Menschen vermisst. Die Einsatzkräfte der Marine hatten zunächst Rettungsinseln abgeworfen, nachdem sie das Boot entdeckt hatten. Wenig später eilte ein Schiff der Marine den Menschen zu Hilfe und nahm sie auf.

Unterdessen sorgten die Bilder einer weiteren spektakulären Rettungsaktion in Italien für Aufsehen. Ein Helikopter der Marine hatte in der Nacht zwei Flüchtlinge im Mittelmeer entdeckt, die sich stundenlang an einem Kanister festgehalten hatten und so über Wasser blieben und überlebten. Sie wurden völlig entkräftet aus dem Meer geborgen und von den Helfern ebenfalls nach Italien gebracht.

Erst vergangene Woche waren bei einem Schiffsunglück im Mittelmeer vermutlich Hunderte Menschen ertrunken. Etwa 200 Migranten wurden am Mittwoch noch immer vermisst, nachdem ihr völlig überladenes Boot vor einer Woche vor der libyschen Küste gekentert war. 373 Menschen hatten die Retter in Sicherheit bringen können.

Nach früheren Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) waren bis Anfang August in diesem Jahr bereits 2000 Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen. Die Route von Libyen nach Italien ist dabei die mit Abstand tödlichste.

Marine auf Twitter

Flavio di Giacomo auf Twitter

Twitter-Liste zu Flüchtlingen im Mittelmeer

Melissa Fleming auf Twitter

Fotos und Videos Rettungsaktion

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Chile: Lockerung des Abtreibungsverbots genehmigt
Santiago de Chile (dpa) - Chiles Verfassungsgericht hat für die Legalisierung von Abtreibungen in bestimmten Fällen grünes Licht gegeben.
Chile: Lockerung des Abtreibungsverbots genehmigt
Rakete schlägt vor Trump-Erklärung in Kabuler Diplomatenviertel ein
Wenige Stunden vor der Erklärung von US-Präsident Donald Trump über die künftige Afghanistan-Strategie ist in Kabuls streng gesichertem Diplomatenviertel eine Rakete …
Rakete schlägt vor Trump-Erklärung in Kabuler Diplomatenviertel ein
Schulz attackiert Merkel - „Deutschland kann mehr“
Mit einer verbalen Attacke und einigen Vorwürfen gegen Kanzlerin Angela Merkel hat Herausforderer Martin Schulz seine bundesweite Wahlkampftour begonnen. 
Schulz attackiert Merkel - „Deutschland kann mehr“
Tödliche Transporter-Fahrt in Marseille
An der Bushaltestelle in den Tod gerissen: In kurzem Abstand fährt ein Transporter in Marseille in zwei Wartehäuschen, eine Frau stirbt. Noch sind die Hintergründe nicht …
Tödliche Transporter-Fahrt in Marseille

Kommentare