Ein Screenshot des Videos von Katharina Schulze (Grüne)
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Ein Screenshot des Videos von Katharina Schulze (Grüne)

„Kampagnen gefahren“

Terror in Wien: Wirbel um Katharina Schulzes gut gelauntes Islamisten-Video

  • Mike Schier
    VonMike Schier
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Katharina Schulze (Grüne) spricht auf Instagram über Islamismus - und hat dabei erstaunlich gute Laune. In den sozialen Netzwerken gibt es Entrüstung. Sie selbst sieht sich als Opfer einer Kampagne.

München – Tausende verfolgten am Montagabend via Twitter ebenso gebannt wie betroffen die Entwicklungen in Wien – da tauchte plötzlich ein Video der bayerischen Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze auf. Erstaunlich gut gelaunt referierte sie da über ihre Arbeit als innenpolitische Sprecherin und ein entsprechendes Antragspaket gegen Islamismus von 2015. Nach den jüngsten Anschlägen in Frankreich habe sie sich dieses noch mal angeschaut, erzählt die 35-Jährige strahlend. „Ich dachte mir, hey, da standen echt kluge Sachen drin.“

Das Video ging viral, die Aufregung über Schulzes gute Laune war groß. Auch bei Kollegen: „Mit lächelndem Gesicht erläutert die infantilisierende Grüne Katja Schulze ihr Mitleid für Terroropfer“, schrieb der FDP-Bundestagsabgeordnete Thomas Sattelberger, offenbar so echauffiert, dass er Schulze den falschen Vornamen gab. Und Florian Streibl, Fraktionschef der Freien Wähler im Landtag, sagt: „Das Video von Frau Schulze wird dem Ernst der Lage in unseren Nachbarländern in keiner Weise gerecht.“ Selbst in der eigenen Partei sind nicht alle glücklich mit dem Auftritt – manche fürchten, dass das Video eine Weile an der Fraktionschefin haften bleibe.

 „Auf verschiedenen Kanälen ansprechbar und nahbar zu sein und über Politik zu informieren, verstehe ich als Teil meines Jobs.“

Katharina Schulze

Die Episode zeigt, wie gefährlich soziale Netzwerke für Politiker sein können – und dass dort mit harten Methoden gearbeitet wird. Denn die Aufnahme ist schon ein paar Tage alt und stammt aus einer Live-Schaltung von Instagram, wo vor allem jüngere Menschen mit Politikern in Kontakt treten können. Sie habe auf ihrer Couch zuhause gesessen und eine Vielzahl höchst unterschiedlicher Fragen beantwortet, erzählt Schulze. „Auf verschiedenen Kanälen ansprechbar und nahbar zu sein und über Politik zu informieren, verstehe ich als Teil meines Jobs“, sagt sie. „Leider werden immer wieder auch meine Streams von Hass und Hetze geflutet. Es wird deutlich, dass kein Interesse an einer inhaltlichen Auseinandersetzung besteht, sondern vielmehr Kampagnen gefahren und Desinformationen betrieben werden.“

Auch in diesem Fall wollte man Schulze wohl schaden: Denn eigentlich wird Instagram-Live nicht archiviert – die Aufnahme wurde also vermutlich gezielt angefertigt und dann zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt ins Netz gestellt. Gepostet hatte sie ein halb-anonymer User, der sich als konservativ bezeichnet und im Sommer mal seinen Mitarbeiter-Ausweis der Unionsfraktion im Bundestag postete. In der CSU-Landesgruppe wollte man sich gestern nicht zu dem Vorgang äußern.

Was bleibt? Eine Menge Aufregung. Ein Video, das noch länger durchs Netz geistern dürfte – und Katharina Schulzes sehr ernste Klarstellung: „Ich kämpfe gegen jeden Feind der Demokratie, egal ob es sich um Rassisten, Antisemiten oder Islamisten handelt.“

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