Ein Polizist patrouilliert vor der Synagoge in der Seitenstettengasse in Wien
+
Der Stadttempel in Wien wird seit Terroranschlängen in der Vergangenheit durchgängig von der Polizei gesichert

Angriff in der Innenstadt?

Terroranschlag auf Wiener Synagoge? Sie war schon in der Vergangenheit Ziel von Anschlägen

  • Christoph Stadtler
    vonChristoph Stadtler
    schließen

Der Stadttempel im Zentrum Wiens ist ein wichtiger Anlaufpunkt der örtlichen jüdischen Gemeinde. Schon in der Vergangenheit gab es Terroranschläge auf die Synagoge.

  • Der Stadttempel liegt in der Seitenstettengasse zentral in der Wiener Innenstadt.
  • Seit dem 19. Jahrhundert zählt die Synagoge zu einer der wichtigsten jüdischen Einrichtungen.
  • Schon 1979 und 1981 gab es terroristische Angriffe auf das Gebetshaus.

Wien - Der Stadttempel zählt zu den wichtigsten Anlaufstellen jüdischer Einwohner in Wien. Gerade auch wegen seiner zentralen Lage mitten im 1. Bezirk der österreichischen Hauptstadt. Früher war es durchaus üblich, dass es viele Synagogen und Gebetsräume in naher Umgebung gab, daher wurden die Einrichtungen vor 1938 nach den Straßen beziehungsweise Gassen benannt. Der Stadttempel liegt seit dem 19. Jahrhundert in der Seitenstettengasse, daher wird er auch „Seitenstettentempel“ genannt.

Der jüdische Stadttempel wurde in den Jahren 1825 und 1826 von Josef Kornhausel erbaut. Er galt damals als bedeutendster Architekt des Wiener Biedermeiers und entwarf auch die Inneneinrichtung und Kulturgeräte. Die Synagoge, die auch heute noch zwischen Wohnhäusern liegt, wurde damals in einen Wohnblock eingepasst, da nur katholische Gotteshäuser direkt ersichtlich an der Straße stehen durften. Durch diese Lage konnte der Seitenstettentempel als einzige von Wiens 94 jüdischen Synagogen und Bethäusern die Novemberprogrome der Nazis 1938 unversehrt überstehen.

Terroranschlag in Wien: Besondere Lage von Synagoge in Innenstadt

Im Stadttempel erinnert seit 2002 eine Gedenkstätte von Architekt Thomas Feiger an die Zeit des Nationalsozialismus. Sie soll die 65.000 ermordeten österreichischen Juden, deren Name auf drehbaren Schiefertafeln eingraviert sind, vor dem Vergessen bewahren. Eine abgebrochene Granitsäule symbolisiert das von den Nazis 1938 vernichtete jüdische Gemeinwesen Wiens.

Blick in das Innere des Stadttempels in der Seitenstettengasse in Wien

In der Vergangenheit war die Synagoge in der Seitenstettengasse bereits Ziel terroristischer Angriffe. Am 22. April 1979 explodierte im Hof ein halbes Kilogramm Plastiksprengstoff. Es entstand zum Glück „nur“ ein großer Sachschaden, verletzt wurde damals niemand. Auch im August 1981 verübte eine palästinensischen Extremistengruppe einen Anschlag auf die Synagoge. Zwei Tote und 21 teils Schwerverletzte war die die traurige Bilanz. Die Attentäter drangen während eines Gottesdienstes in die Synagoge ein, warfen Handgranaten und feuerten in die Menge. Als Reaktion wird der Stadttempel bis heute von der Polizei rund um die Uhr gesichert und beschützt.

Synagoge in Wiener Innenstadt: Schon in der Vergangenheit Ziel von Terroranschlägen

Die Geschichte der Stadt Wien ist untrennbar mit dem Judentum verbunden. Bis 1938 hatte die Hauptstadt Österreichs eine blühende jüdische Gemeinde mit Dutzenden Synagogen und Bethäusern. Darunter auch der Stadttempel in der Seitenstettengasse. Die Situation änderte sich grundlegend nach der Besetzung Österreichs durch die deutsche Wehrmacht im März 1938. Insgesamt 140.000 Österreicherinnen und Österreicher mussten „aus rassistischen Gründen“ aus ihrer Heimat flüchten. Darunter Sigmund Freud, der nach England emigrierte. 65.000 Menschen, die das Land nicht verlassen konnten, wurden von den Nazis ermordet.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare