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Unter Druck: Wikileaks hat den US-amerikanischen Geheimdienst CIA bloßgestellt.

Experte warnt vor Wikileaks

CIA-Leck: Darum ist es eine Gefahr für und alle

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München - Wikileaks hat sich spektakulär zurückgemeldet. Diesmal ist die CIA das Opfer der Enthüllungsplattform. Wir erklären, warum so Terroristen in die Karten gespielt wird.

Die jüngsten Enthüllungen von Wiki­leaks bedrohen nicht nur die US-Geheimdienste - sie bedrohen normale Bürger weltweit! Die tz erklärt, warum die Enthüllung so brandgefährlich ist. Und wir beleuchten, wer hinter der Enthüllungsplattform steht.

Was steht in den jetzt öffentlich gemachten CIA-Daten?

Wikileaks hatte am Dienstag 8761 Dokumente veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass die CIA eine eigene Programmiertruppe aufgebaut hatte, um systematisch Sicherheitslücken und Schwachstellen in Smartphones, Computern sowie auch Fernsehgeräten, und Telefonanlagen auszunutzen und auf diese Weise Verdächtige gezielt auszuspähen. Unter anderem wurde die Software QNX von Blackberry vom CIA ausspioniert, die in Millionen Autos eingebettet ist.

Warum sind die Daten brisanter, als das, was Edward Snowden 2013 enthüllte?

Der Direktor des Digital Society Institute in Berlin, Sandro Gycken, nennt die Dokumente in der FAZ eine „gigantische Waffensammlung“: „Es enthüllt nicht weniger als alle Angriffstechnologien, fertige Hacks, Software-Schwachstellen, Angriffsmethoden und Ziele der CIA der vergangenen vier Jahren.“ Das heißt: Kriminelle oder Terroristen könnten mit dieser Anleitung Flugzeuge Autos oder Kraftwerke angreifen - was „hohe Potenziale für Machtdemonstrationen und Erpressungen“ biete, so der Experte. Die Dokumente enthalten detaillierte Anweisungen dazu, „wie man offen verfügbare Hackerwerkzeuge nutzt, wie man Waffentwicklungssysteme aufbaut, viele strukturelle Schwachstellen in Sicherheitstechnologien und Betriebssystemen, welche Windows-, Linux- und Solaris-Systeme besonders angreifbar sind und attraktiv sind, welche Mechanismen in iPhones und Android-Telefonen für Angriffe nutzbar sind“.

Gayckens düsteres Fazit: „Das Material versetzt Militärs, Nachrichtendienste und Kriminelle auf der ganzen Welt in die Lage, ihre Angriffe auf das Niveau der CIA zu heben und viele neue Attacken zu bauen, die nicht abgewehrt werden können. Jeder kann dann NSA. Die Angriffe können genutzt werden, um Infrastrukturen anzugreifen, um Handys massenhaft abzuhören, um Einzelrechner unerkennbar auszuhorchen oder zu sabotieren, um Banken und Börsen zu bestehlen, um Menschen zu töten.“

Hacker-Angriffe können ganze Unternehmen ins Chaos stürzen.

Wie wehrt sich Assange gegen die Vorwürfe?

Via Internet erklärte Wikileaks-Gründer Julian Assange, die Enthüllungsplattform werde Geräteherstellern ausführliche Informationen zu den Hacker-Werkzeugen der CIA geben. Es gehe ihm darum, zu verhindern, dass die Kunden von Google oder Apple gehackt werden können.

Warum veröffentlicht Wiki­leaks so brisantes Material?

Assange beteuert, die Plattform sei unabhängig und allein an der Veröffentlichung der Wahrheit interessiert. Doch inwiefern sich die Wikileaks-Aktivisten zum Spielball von Geheimdiensten machen lassen, wird nicht erst seit den Enthüllungen in der Hochphase des US-Präsidentschafts-Wahlkampfs diskutiert: Die damals veröffentlichten E-Mails der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton wurden laut US-Behörden Wiki­leaks von Hackern mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst zugespielt.

Steckt Moskau hinter den Enthüllungen?

Nach Ansicht der US-Ermittler: Nein. Die US-Bundespolizei FBI geht von einem „frustrierten Insider“ aus. FBI-Beamte verhören jetzt einige hundert CIA-Mitarbeiter und externe Auftragnehmer.

Wie finanziert sich Wiki­leaks?

Die Internet-Enthüller betonen, dass sie sich allein über Spenden finanzieren, die über die dem Chaos-Computer-Club nahestehende Wau-Holland-Stiftung und die Freedom of the Press Foundation eingesammelt werden. Nach spektakulären Enthüllungen steigen die Spenden in der Regel stark an. Assange selbst erklärte vor einigen Jahren, die Fixkosten seiner Organisation würden bei 150.000 Euro jährlich liegen. Davon könnten fünf feste Mitarbeiter finanziert werden - die meisten der etwa 900 Gelegenheitsmitarbeiter arbeiten umsonst.

Wie reagieren die CIA-Opfer?

Google und Apple erklären, viele Sicherheitslücken aus den CIA-Unterlagen seien schon gestopft. Der Verschlüsselungs-Spezialist Open Whisper Systems, der die technische Basis für die Sicherheit von Kommunikations-Apps wie WhatsApp und Signal liefert, sieht seine Verschlüsselung nicht von der CIA geknackt.

KR


Umstrittene Enthüller

Wikileaks-Gründer Julian Assange (45) war bereits als 20-Jähriger in einer australischen Hacker-Gruppe aktiv und knackte den zentralen Computer des kanadischen Telefonunternehmens Nortel. Der Sohn einer Wanderzirkus-Familie gründete 2006 Wikileaks. Erstmals für Aufsehen sorgte die Enthüllungsplattform dann 2010, als sie geheime US-Dokumente über den Afghanistan-Krieg ins Internet stellte. Im selben Jahr stellte die Veröffentlichung von mehr als 250.000 vertraulichen Botschatsdokumenten die US-Diplomatie bloß. 2010 ist auch das Jahr, in dem die Vergewaltigungs-Vorwürfe aus Schweden gegen Assange aufkommen. Um einer Auslieferung zu entgehen, sucht Assange Zuflucht in der Botschaft in Ecuador, wo er Asyl bekam und seit Juli 2012 eingesperrt lebt. Mit dem deutschen Ex-Wikileaks-Aktivisten Daniel Domscheit-Berg hat sich Assange zerstritten. Wikileaks half dem NSA-Enthüller Edward Snowden, Asyl in Russland zu bekommen, nachdem er auf der Flucht in Moskau gestrandet war.

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