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Bradley Manning (li.)  steigt am Dienstag aus dem Wagen, um sich in die Verhandllung gegen ihn im Gerichtsgebäude von Fort Meade zu begeben.

Bis zu 136 Jahre Haft drohen

Manning entgeht der Todesstrafe

Fort Meade - Aus drei Jahren Haft könnten Jahrzehnte werden: Nach dem Schuldspruch dürfte Bradley Manning lange Zeit hinter Gitter bleiben. Im schwersten Anklagepunkt kam der Freispruch - ein Erfolg für die Verteidiger.

 Dem mutmaßlichen Wikileaks-Informant Bradley Manning droht eine Höchststrafe von 136 Jahren Gefängnis. Das US-Militärgericht in Fort Meade erklärte den 25-Jährigen in fast allen der mehr als 20 Anklagepunkte für schuldig. Ein überraschender Freispruch kam hingegen in dem am schwersten wiegenden Punkt „Unterstützung des Feindes“ (aiding the enemy), für den bei einem Schuldspruch eine lebenslange Haftstrafe gedroht hätte. Manning wurde unter anderem wegen Spionage, Geheimnisverrats, Computerbetrugs und Diebstahls für schuldig erklärt.

Am Mittwoch sollen die Beratungen über das Strafmaß beginnen, das voraussichtlich noch im August verkündet werden soll. Dass den Obergefreiten keine Todesstrafe erwartet, war schon vor Beginn des seit zwei Monaten laufenden Prozesses klar. Die Staatsanwaltschaft hatte darauf verzichtet, Mannings Hinrichtung zu fordern. Eine Entlassung Mannings aus dem Gefängnis vor Ablauf seiner Haftstrafe ist rechtlich möglich.

Verteidiger David Coombs wertete die Worte von Richterin Denise Lind trotz des umfassenden Schuldspruchs als Erfolg. „Heute ist ein guter Tag“, sagte Verteidiger David Coombs laut einem Bericht der „Washington Post“ online. „Dies ist ein riesengroßer Erfolg“, sagte Coombs, wie der TV-Sender NBC berichtete. Manning stünde aber noch weiterhin unter Beschuss, der Kampf sei noch nicht gewonnen.

Zum ersten Mal sei ein Whistleblower der Spionage schuldig gesprochen worden, teilte Wikileaks-Chef Julian Assange mit. „Dieser kurzsichtige Richterspruch darf nicht toleriert werden und muss rückgängig gemacht werden.“ Assange sitzt seit über einem Jahr in der ecuadorianischen Botschaft in London fest und fürchtet, beim Verlassen der Botschaft festgenommen und in die USA ausgeliefert zu werden.

„Brad liebte sein Land und war stolz, dessen Uniform zu tragen“, schrieb die Familie Mannings in einem vom „Guardian“ veröffentlichten Schreiben. Der Schuldspruch sei enttäuschend, doch es sei auch erfreulich, dass Manning auch nach Auffassung von Richterin Lind den Feinden der USA niemals habe helfen wollen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International reagierte mit Kritik. Im Kampf um die nationale Sicherheit habe die US-Regierung mit dem Prozess gegen Manning die falschen Prioritäten gesetzt. „Es scheint, dass er das Richtige tun wollte: rechtswidriges Verhalten der Regierung mit glaubwürdigen Beweisen aufdecken.“

Laut dem Geständnis Mannings gab er als im Irak stationierter Soldat im Jahr 2010 Hunderttausende geheime Dokumente aus Armeedatenbanken an Wikileaks weiter, will dabei aber nicht in böser Absicht gehandelt haben.

Das Verfahren in Fort Meade bei Washington ist der erste große Prozess gegen einen sogenannten Whistleblower in den USA und könnte als Präzedenzfall für weitere bekannte Enthüller dienen, darunter auch für den Geheimdienstexperten Edward Snowden.

Der Schuldspruch sei eine Warnung an alle Whistleblower und die Zukunft des investigativen Journalismus, teilte die US-Sektion des Reporter-Netzwerks „Reporter ohne Grenzen“ mit. „Wir sind immer noch besorgt über die abschreckende Wirkung für die Presse, besonders für Reporter, die über Themen zur nationalen Sicherheit berichten“, sagte der Vorsitzende des Komitees zum Schutz von Journalisten CPJ, Joel Simon, laut einer Mitteilung.

dpa

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