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Ein gefragter Mann im Wahlkampf: Donald Trump jun., der älteste Sohn des damaligen Kandidaten und jetzigen US-Präsidenten. 

War die Plattform parteiisch?

Brisante Enthüllung: Wikileaks umwarb Trumps Sohn im US-Wahlkampf 

Die Plattform Wikileaks suchte im US-Wahlkampf intensiv Kontakt zu Trumps ältesten Sohn. Das enthüllte dieser nun selbst über Twitter. 

Washington - In der Russland-Affäre um US-Präsident Donald Trump ist bekannt geworden, dass dessen ältester Sohn während des Wahlkampfs Kontakt mit der Enthüllungsplattform Wikileaks hatte. Donald Trump Jr. veröffentlichte am Montagabend Nachrichten, die eine Kommunikation zwischen ihm und dem Twitterkonto von Wikileaks zeigen. Zuvor hatte das Magazin „The Atlantic“ über den Austausch berichtet.

Wikileaks hatte im Wahlkampf mehrfach interne Emails der US-Demokraten veröffentlicht, die offenbar aus einem Hackerangriff stammten. Für die Kandidatin Clinton war dies eine große Belastung. Woher Wikileaks die Dokumente hatte, ist nicht bekannt. Es besteht der Verdacht, dass sie möglicherweise aus russischen Quellen kamen. Russische Manipulationsversuche im US-Wahlkampf sind derzeit Gegenstand mehrerer Untersuchungen in den USA.

Dem Protokoll ist zu entnehmen, dass Wikileaks Trump junior rund ein Dutzend mal kontaktierte; von Trump junior liegen drei kurze Antworten vor. Die Dokumente zeigen eine eher einseitige Kommunikation: Trump ignorierte die meisten Anfragen von Wikileaks. Allerdings verwahrte er sich nicht grundsätzlich gegen Kontakte mit der Plattform.

Unter anderem bat die Plattform um die Steuererklärung seines Vaters: „Hey Don. Wir haben eine ungewöhnliche Idee. Spiel uns eine oder mehrere Steuererklärungen deines Vaters zu." Mit der Veröffentlichung würde die Plattform wieder als unparteiischer wahrgenommen werden, da sie viele zuvor dem Pro-Trump bzw. Pro-Russland-Lager im Wahlkampf zugeschrieben hatten. Dadurch würde man wieder mehr Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn man weitere Dokumente über Clinton enthüllt. 

In einer weiteren Nachricht bat Wikileaks Trumps Sohn, einen Bericht über Clinton öffentlich zu kommentieren. Trump jun. entgegnete, er habe dies bereits getan. Dann fügte er hinzu: „Es ist erstaunlich, womit sie durchkommt.“ In der dritten Nachricht fragte er Wikileaks, was hinter einer Enthüllung stecke, von der er gelesen habe. Die Plattform bat ihn weiter darum, einen Link zu verbreiten. Dies tat er zwei Tage später.

Die Plattform von Wikileaks-Gründer Julian Assange umwarb Trumps ältesten Sohn regelrecht: „Hey Donald, es ist großartig, dass du und dein Vater über unsere Veröffentlichungen sprecht. Empfehle ausdrücklich, dass dein Vater diesen Link twittert, wenn er uns erwähnt." In einer anderen Nachricht wurde er auf den Start einer neuen Anti-Trump-Seite im Internet hingewiesen.

Besonders brisant ist eine Nachricht kurz vor der Wahl: „Hi Don, falls dein Vater verliert, ist es unserer Meinung nach viel interessanter, wenn er das NICHT eingesteht." Stattdessen solle er einen möglichen Betrug thematisieren.

Im Dezember 2016 wandte sich die Plattform erneut an Trumps jun. und man schlug vor, den aufgrund eines europäischen Haftbefehls aus Schweden in die Londoner Botschaft Ecuadors geflüchteten Assange als US-Botschafter in Australien zu berufen. 

Assange schrieb zunächst auf Twitter, er könne die Nachrichten nicht bestätigen. Nachdem Trumps Sohn sie jedoch veröffentlichte, verbreitete er sie über den Kurznachrichtendienst weiter.

mag/dpa/AFP

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