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„Ich bin die Front National", wettert der französische Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen nach seinem Ausschluss aus der Partei.

Vor Gericht gegen Front National

Le Pen will Parteiausschluss nicht hinnehmen

Paris - Die französische Rechtspartei Front National will ihren zum Ballast gewordenen Gründer Jean-Marie Le Pen loswerden. Nach Einschätzung von Experten eine bewusste Strategie von Parteichefin Marine Le Pen, um konservative Wähler zu umwerben.

Der französische Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen wehrt sich erbittert gegen den Rauswurf aus der von ihm gegründeten Partei Front National. „Ich bin die Front National“, empörte er sich am Freitag im Radiosender RTL. Am Vorabend hatte das Exekutivbüro dem 87-Jährigen die Mitgliedschaft entzogen. Es ist der nächste Schritt in einem monatelangen Familienkrach: Die Parteispitze um seine Tochter Marine Le Pen will den Ex-Vorsitzenden loswerden und nun endgültig die Verbindung kappen.

Mit seinen polemischen Ausfällen war Jean-Marie Le Pen zunehmend zur Belastung für die Partei geworden, die unter Führung seiner Erbin auf gemäßigtere Parolen setzt und so auch bürgerliche Wähler erreichen will. Auslöser für die Machtprobe war, dass Le Pen erneut die Gaskammern der Nazis als „Detail der Geschichte“ verharmlost hatte.

Der Ausschluss sei logisch, weil Le Pen von Provokation zu Provokation schreite, sagte Vize-Parteichef Florian Philippot dem Sender BFMTV. Die FN habe nicht akzeptieren können, „dass Jean-Marie Le Pen dieses Werk der Zerstörung fortsetzt“.

Doch der streiterprobte Polit-Haudegen lässt sich nicht so einfach aufs Abstellgleis schieben. Mehrfach durchkreuzte er die Pläne seiner Tochter vor Gericht, wehrte sich erfolgreich gegen die bereits im Mai verhängte Suspendierung seiner Mitgliedschaft. Dabei könnte er sich nun verspekuliert haben. Anlässlich seiner Anhörung vor dem Exekutivbüro bekannte er selbst, in der Partei weitgehend allein auf zu stehen, und äußerte sogar die Hoffnung auf Versöhnung.

Die Partei aber blieb hart und chasste den Mann, der die FN 1972 gegründet und in fast vier Jahrzehnten als Parteichef von einer Splittergruppe zu einer wichtigen politischen Stimme geformt hatte. Ausgestanden ist der Konflikt für Marine Le Pen damit aber noch nicht: Le Pen kündigte eine Klage an, sein Anwalt zog die Rechtmäßigkeit der Entscheidung in Zweifel.

Nach Einschätzungs des französischen Politikwissenschaftlers und Rechtsextremismusforschers Jean-Yves Camus hat Marine Le Pen eine bewusste Entscheidung getroffen: Sie wolle konservative Wähler gewinnen, die von den Republikanern (ehemals UMP) enttäuscht sind, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Sie nehme dazu in Kauf, dass sie traditionelle Anhänger am rechten Rand verliert. Camus betonte, die Front National habe vor allem die Wortwahl verändert. „Aber in der Sache bleibt die Ideologie die gleiche“, sagte er unter Verweis auf die Kritik an Europa oder der Einwanderung.

Auch im Europaparlament ändert sich durch den Ausschluss etwas: Jean-Marie Le Pen spricht dort künftig nicht mehr für die Front National. Allerdings war er auch schon bei der Gründung der neuen Rechts-Fraktion unter Führung seiner Tochter außen vor geblieben - noch so ein Schritt im Abnabelungsprozess.

Für die Partei ist die Familienfehde vor allem mit Blick auf die französischen Regionalwahlen im Dezember unangenehm. Der Streit steht seit Monaten im Mittelpunkt der öffentlichen Wahnehmung. „Das wird in der Tat den Wahlkalender kapern“, sagte Camus. Französiche Medien stellten nun sogar die Frage, ob Jean-Marie Le Pen nach dem Rauswurf nicht seiner eigenen Partei Konkurrenz machen könnte. Er selbst hielt sich bedeckt und will zunächst über seine nächsten Schritte nachdenken.

dpa

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