Der 27. amerikanische Präsident William Howard Taft steht während einer Wahlkampfreise auf der Plattform seines Wahlkampfzuges
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William Howard Taft während einer Rede auf einer Wahlkampfveranstaltung

Der 27. Präsident der Vereinigten Staaten

William Howard Taft: Leben und Karriere des US-Präsidenten

  • vonCarolin Schulz-Osterloh
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William H. Taft war der 27. US-Präsident und amtierte bis 1913.

  • Zunächst enger Freund von Roosevelt, zerbricht die Freundschaft an der Politik.
  • Taft setzt wirtschaftlich-außenpolitische Interessen notfalls auch militärisch durch.
  • Ein Sitz im Supreme Court war sein Lebenstraum.

Nach seiner Präsidentschaft war Taft berufener Professor an der Yale Law School

New Haven – William Howard Taft (*15.09.1857, †1930) war der 27. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Seine Amtszeit lief von 1909 bis 1913. Anschließend setzte er seine Karriere 1921 als oberster Richter des US Supreme Court fort. Dieses Amt führte er bis 1930 aus. Er ist bislang der einzige Politiker, der Zeit seines Lebens sowohl US-Präsident war als auch Richter am Obersten Gerichtshof der USA. Im Wahlkampf um seine zweite Amtszeit als US-Präsident verlor er gegen Woodrow Wilson (*28.12.1856, †1924). Zwischenzeitlich wurde er als Professor für die Yale Law School berufen und setzte sich während des ersten Weltkrieges aktiv für Frieden ein. Taft war außerdem Mitglied der Freimaurer.

William Howard Taft: Die frühen Jahre

William Howard Taft wurde 1857 in Cincinnati geboren. Er hatte vier Brüder. Sein Vater arbeitete als Richter, Botschafter, Staatsanwalt und Kriegsminister unter Präsident Ulysses S. Grant (*27.04.1822, †1885). Dennoch hatte die Familie kein großes Vermögen aufzuweisen. In seiner Kindheit fiel Taft vor allem als Mann körperlicher Arbeit auf. Nach dem Besuch an der Woodward High School in Cincinnati wechselte er zum Yale College und erntete als Sportler große Anerkennung. Auf dem College schaffte er es zum Schwergewichtschampion im Wrestling. Nachdem er als Zweitbester seines Jahrgangs 1878 das College absolvierte, wechselte er zum Jurastudium auf die Cincinnati Law School und absolvierte nach kurzer Zeit die Zulassungsprüfung.

Um 1880 traf William Howard Taft auf seine spätere Ehefrau Helen Herron (*02.06.1861, †1943). Sie vollzogen die Hochzeit 1886 auf dem Herron-Anwesen. Das Paar ließ sich in Cincinnati nieder und Helen unterstützte ihren Mann sowohl in seiner politischen als auch in seiner beruflichen Karriere. Sie verstand sich als Kosmopolitin und versuchte stets, enge diplomatische Beziehungen zu anderen Nationen aufzubauen. Das Paar hatte drei Kinder.

William Howard Taft: Politische Karriere

Nach seiner Zulassung zum Anwalt arbeitete William Howard Taft zunächst als Staatsanwaltsgehilfe und stieg 1887 zum obersten Richter des Bundesstaates auf. Um einen Sitz im US Supreme Court bewarb er sich 1889 im Alter von 32 Jahren. Laut eigener Aussage war diese Position von Anfang an das Ziel seiner Karriere gewesen. Allerdings wurde er stattdessen zum Generalstaatsanwalt ernannt, eine Rolle, die er sehr erfolgreich ausführte: Er gewann fast all seine Fälle. Dennoch zog er sich 1892 aus dem Amt zurück und wechselte in die Position eines Bundesrichters in der Hoffnung, auf diesem Weg langfristig einen Sitz im US Supreme Court zu erhalten.

Gleichzeitig berief ihn die Cincinnati Law School zum Professor für Vermögensrecht. Vor allem sein Amt als Bundesrichter verhinderte eine politische Karriere. Als überzeugter Republikaner blieb William Howard Taft jedoch Unterstützer seiner Partei. 1900 zog er sich auf Bitten von Präsident William McKinley (*29.01.1843, †1901) vom Amt des Bundesrichters zurück, der ihn für einen diplomatischen Ausgleich mit den Philippinen einsetzen wollte. Tafts Zustimmung erfolgte unter dem Versprechen, ihn für den nächsten vakanten Sitz im US Supreme Court vorzuschlagen. Im Rahmen seiner Mission stieg Taft zum Gouverneur der Philippinen auf, ein Amt, das ihm derart am Herzen lag, dass er sogar ein Angebot von Theodore Roosevelt (*27.10.1858, †1919) ausschlug, ihn für einen Sitz im US Supreme Court vorzusehen.

William Howard Taft: Die Präsidentschaftswahl

Stattdessen ernannte der Präsident ihn 1903 zum Kriegsminister, denn dessen Jurisdiktion erstreckte sich ebenfalls auf die Administration der Philippinen. Die Koordination der Armee wollte Roosevelt selbst übernehmen. Trotz vereinzelter Konflikte zwischen Roosevelt und Taft garantierte der Präsident dem Kriegsminister 1904 die anstehende Präsidentschaftskandidatur. Tafts Ehefrau und Verbündete waren weitaus motivierter, William Howard Taft ins Präsidentenamt zu befördern als er selbst. Taft gewann die Wahl letztendlich tatsächlich und wurde am 04. März 1909 vereidigt. In seiner Amtszeit versuchte er, die Politik seines Vorgängers fortzusetzen, und betrachtete sich nicht nur als Präsident, sondern als Roosevelts geistigen Nachfolger.

William Howard Taft: Politische Schwerpunkte während der Präsidentschaft

Taft engagierte sich besonders stark in der Außenpolitik. Unter seiner Führung waren die Vereinigten Staaten stark in den politischen Belangen der südamerikanischen Staaten involviert, häufig gegen deren Willen. Er unterstützte den mexikanischen Diktator Porfirio Díaz (*15.09.1830, †1915) in seinem Kampf um die Regierung seines Landes und ermöglichte so einen Revolutionskrieg, der Mexiko zehn Jahre lang erschüttern sollte. 1911 begann die amerikanische Besetzung Nicaraguas aufgrund wirtschaftlicher Interessen. 

Wirtschaftliche Interessen führten zum Versuch einer politischen Annäherung an China. Briten und Amerikaner kämpften um Bauaufträge für Eisenbahnstrecken. Sämtliche Bemühungen wurden durch die chinesische Revolution 1911 zunichte gemacht. Das grundsätzliche Verhältnis zu Europa blieb dabei kühl und wurde von Taft als wirtschaftlich irrelevant betrachtet.

Im Bereich der Bürgerrechte wich William Howard Taft von Roosevelt ab und weigerte sich, Afro-Amerikaner im öffentlichen Sektor anzustellen, etwa als Postamtsleiter. Diese Entscheidung begründete er mit Angst vor rassistischen Konflikten. Nach und nach entfernte die Taft-Administration die Mehrheit afro-amerikanischer Angestellter aus dem öffentlichen Dienst, besonders in den Südstaaten. Taft teilte die Ansichten des afro-amerikanischen Bürgerrechtlers Booker T. Washington (*18.04.1856, †1915), dass Schwarze nur im Ausnahmefall eine höhere Bildung anstreben sollten und eher für einfache Fabrikarbeit geeignet seien. Tafts rassistisch begründete Politik sorgte für eine Hinwendung der schwarzen Wählerschaft zu den Demokraten.

William Howard Taft: Oberster Richter des US Supreme Court

Die immer stärker werdende anti-progressive Rolle Tafts sorgte für viel Kritik innerhalb der republikanischen Partei und für einen endgültigen Bruch mit Roosevelt, der für die Wahl 1912 einen republikanischen Gegenkandidaten zu Taft aufstellte. Zwar konnte sich William Howard Taft gegen seinen republikanischen Kontrahenten im innerparteilichen Nominierungswahlkampf durchsetzen, er unterlag aber in der Präsidentschaftswahl seinem demokratischen Mitbewerber Woodrow Wilson. Nach der Wahlniederlage widmete sich Taft ab 1913 erneut der Rechtslehre und erhielt an der Yale Law School eine Professur für Rechtsgeschichte. 1915 war er Mitbegründet der League to Enforce Peace, die eine Antwort auf den Ausbruch des ersten Weltkrieges darstellte und sich als globale Friedensbewegung betrachtete. Sie erhielt kurzzeitig Unterstützung durch Präsident Wilson auf Betreiben Tafts.

William Howard Taft hegte weiterhin Ambitionen, einen Sitz im US Supreme Court zu erhalten. 1921 erhielt er die Chance auf eine Nominierung als Dank für seine aktive Unterstützung der republikanischen Wahlkampagne von 1920. Bis 1930 übernahm er den Posten des obersten Richters und ist bis heute die einzige Person, der sowohl diese Rolle als auch die des Präsidenten der Vereinigten Staaten ausgeführt hat. Seinen Rückzug 1930 erklärte er mit der Verschlechterung seiner Gesundheit. Nur 33 Tage nach seinem Rückzug starb er am 8. März 1930 in seinem Anwesen in Washington D.C..

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