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Lisa (4) stirbt im Ukraine-Krieg: Ihre Mutter filmte noch, kurz bevor die Raketen einschlugen

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Von: Kathrin Reikowski

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Umgekippter Kinderwagen, Blut, Schuhe einer Erwachsenen
Winnyzja, Ukraine: Der Kinderwagen der getöteten vierjährigen Lisa kurz nach dem russischen Raketenangriff am Donnerstag. © SERGII VOLSKYI/AFP

Die Ukraine bewegt das Schicksal eines vierjährigen Mädchens, das am Donnerstag bei einem Raketenangriff getötet wurde. Auch Selenskyjs Frau kannte die kleine Lisa.

Winnyzja (Ukraine) -Triggerwarnung: In diesem Artikel geht es um den Tod eines Kindes im eskalierten Ukraine-Konflikt. Wenn Sie sich dem emotional nicht gewachsen fühlen, lesen Sie bitte nicht weiter.

Die Truppen des russischen Machthabers Wladimir Putin nahmen am Donnerstag (14. Juli) die ukrainische Stadt Winnyzja mit Raketen ins Visier. Der Angriff auf ein Gebiet voller Zivilisten schockierte die Welt. Nun wurde ein weiteres Detail bekannt: Bei dem Angriff ist auch ein vierjähriges Mädchen, Lisa, verstorben. Offenbar war das kleine Mädchen der First Lady der Ukraine, Olena Selenska, bekannt, die sich jetzt auf Twitter zum Vorfall äußerte.

„Heute waren wir alle entsetzt über ein Foto eines umgestürzten Kinderwagens aus Winnyzja. Und dann, als ich die Nachrichten las, wurde mir klar, dass ich dieses Mädchen kenne“, schrieb Wolodymyr Selenskyjs Ehefrau auf Twitter. „Wir haben uns kennengelernt, als wir ein Video für die Weihnachtsferien aufgenommen haben. Die kleine Sängerin hat es geschafft, nicht nur sich selbst, ihr Festtagskleid, sondern auch alle anderen Kinder, mich, die Kameraleute und den Regisseur in einer halben Stunde mit Farben zu bemalen“, sagte Selenska und postete dann ein Video des Mädchens. „Seht sie euch bitte lebend an. Wir weinen mit ihren Lieben.“

Im Video ist Lisa gemeinsam mit anderen Kindern und der First Lady der Ukraine zu sehen:

Ukraine-News: Lisa war in der Ukraine über Instagram bekannt

Lisa war in der Ukraine aus den sozialen Medien bekannt. Ihre Mutter teilte das Leben ihrer Tochter auf Instagram - schrieb zuletzt über die Trotzanfälle einer Dreijährigen. „Lisa ist stur. Jetzt ist sie erwachsen und entscheidet, was sie anzieht“, meinte die Mutter in einem der jüngsten Posts. „Wo ist nur mein kleiner Engel hin?“ Dazu teilte sie erst vor wenigen Tagen Bilder von sich und Lisa in einem Lavendelfeld. „Jedes Jahr wollte ich aufs Lavendelfeld, und heute ist es mir gelungen“, verkündete sie dazu.

Aber es ging auch um gesellschaftspolitische Themen: Lisa hatte das Down-Syndrom, und ihre Mutter engagierte sich auch für einen besseren gesellschaftlichen Umgang damit. Auch in diesem Kontext entstand wohl das Video mit Olena Selenska.

Ukraine-News: Raketen auf Winnyzja - Die Mutter filmte die letzten Minuten von Lisa

Winnyzja liegt rund 250 Kilometer südwestlich von Kiew. Am Samstag bestätigte Russland den Angriff auf die Großstadt Winnyzja. Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums sagte, der Anschlag habe einer Besprechung von „Militärs und Waffenlieferanten“ gegolten. Selenskyj bezeichnete Russland nach dem Angriff als Terrorstaat.

Im Stadtzentrum unterwegs waren aber auch Lisa und ihre Mutter. Ein Video zeigt, wie das Mädchen ihren Kinderwagen schiebt. Offenbar waren die beiden um 9.38 Uhr unterwegs zu einem Termin beim Logopäden. Gegen 11 Uhr sollen laut dem britischen Sender BBC die Raketen eingeschlagen haben. Das Video wurde vom ukrainischen Verteidigungsministerium geteilt:

Das ukrainische Verteidigungsministerium teilte mit, Lisas Mutter Iryna habe bei dem russischen Raketenangriff ihr Bein verloren habe und sei ins Krankenhaus eingeliefert worden. Lisas Logopädin Valeriia Korol sagte gegenüber der BBC: „Lisa war ein wundervolles Kind. Sie liebte es, zu uns zu kommen. Für ihre Mutter bedeutete sie alles im Leben.“

Nach BBC-Informationen verloren im 23 Menschen am Donnerstag ihr Leben bei Russlands Angriff auf Winnyzja, darunter zwei weitere Kinder. Lisa und ihre Mutter seien erst kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs aus Kiew in den Süden gezogen, weil sie es für sicherer hielten. (kat)

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