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„Es gibt keinen Parteichef, der so viele aktive Vorgänger hat wie ich und keinen, der so viele potenzielle Nachfolger hat“, witzelt Horst Seehofer seit Wochen bei jeder Gelegenheit. Er meint unter anderem Vorgänger Edmund Stoiber (links) und als Vielleicht-Nachfolgerin Ilse Aigner (oben). Der Wechsel der Agrarministerin aus Berlin nach Bayern im Herbst soll auch ein deutliches Signal an den ländlichen Raum in Oberbayern sein.

CSU Oberbayern

„Wir haben da was aufzuholen“

München - Politisch ist die Einbürgerung der Ex-Berlinerin nun vollzogen. Die CSU Oberbayern setzt Hoffnungsträgerin Ilse Aigner weit vorne auf die Landtagsliste.

Sie verlässt die Hauptstadt im Herbst. Platz eins aber gibt der Parteichef nicht her.

Die Ilse soll es also richten. CSU-Chef Horst Seehofer redet über sie fast immer mit Vornamen, meist lobt er „die Ilse“ dann in den höchsten Tönen. Beim Empfang für die Faschingsvereine heuer begrüßte er die Bundesagrarministerin namens Aigner in der Staatskanzlei gar als Thronfolgerin. Der Ministerpräsident amüsierte sich köstlich, als die 48-Jährige für die Fotografen heftig an seiner Krawatte zog. „Sie sehen die geheimen Wünsche der Ilse“, scherzte Seehofer, „sie will mir die Luft abdrücken.“

Für Nachfolge-Spekulationen war das ein wunderbarer Moment. Die Wahrheit ist allerdings: Sollte Seehofer am 15. September befreit aufatmen können, liegt’s an der hochgewachsenen Frau mit den großen Augen. „Die Ilse“ ist seine Geheimwaffe, um die CSU in ihrem Kernland Oberbayern zu reanimieren. Die Bezirksvorsitzende gibt ihre Berliner Karriere auf, tauscht ihr sicheres Bundes- gegen ein geringer dotiertes Landtagsmandat. Sie stelle sich in den Dienst der Partei, lobt Seehofer, ohne Zusage für Ämter in Bayern.

Jenseits der Jubel-Rhetorik ist allen Beteiligten klar, dass Aigners Platz im Landtag nicht die letzte Reihe sein wird. Ministerin oder Fraktionschefin dürfte sie im Fall einer CSU-Regierung werden. Für ihre Laufbahn wird aber das genaue Ergebnis in Oberbayern entscheidend. Desaströse 39 Prozent waren es bei der Huber/Beckstein-Wahl 2008. „Wir haben da was aufzuholen“, sagte Aigner den Delegierten aus München und Oberbayern bei der Listenversammlung vage.

Auf der Liste landete die 48-Jährige absprachegemäß auf Platz 2. Hinter ihr reihen sich die Minister Ludwig Spaenle, Christine Haderthauer, Marcel Huber, Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet und später die Promis Leslie Mandoki (11) sowie Thomas Goppel (13), die keinen eigenen Stimmkreis haben. Entscheidend sind die Plätze nicht, die Reihung kann vom Wähler durcheinandergewürfelt werden. Ganz vorne, so viel aber zur Hackordnung, steht Seehofer.

Die Delegierten stimmten diesem Personalpaket mit 99 Prozent zu. Eine Formalie, viel weniger umkämpft als die Bundestagsliste eine Woche zuvor. Aber noch nicht die letzte Personalentscheidung vor dem Wahlherbst: In zwei Wochen soll Seehofer offiziell zum bayernweiten Ministerpräsidenten-Kandidaten der CSU ausgerufen werden. Zum Vergleich: Die SPD hat Christian Ude bereits zum Listenführer in Oberbayern gewählt und als Spitzenkandidaten benannt, die Grünen ebenso Margarete Bause.

Seehofer ging in seiner Rede auf den Konkurrenten Ude kaum ein, gab aber einen scharfen Kurs gegen die Freien Wähler vor. „Wer denen die Stimme gibt, wählt in Wahrheit SPD und Grüne.“ Die angebliche Unabhängigkeit der Freien im Landtag sei „ein falsches Spiel“.

Seehofer umriss auch die Themen für das Wahlprogramm: Mehr Bayern-Eigenständigkeit bei Steuern und Gesundheitspolitik, Pkw-Maut und ein fünfjähriges Moratorium für Verwaltungsvorschriften. Ehe ein Minister eine neue Vorschrift erlasse, müsse er eine alte streichen. Den Ton verschärfte der CSU-Chef gegenüber der EU-Kommission. Sie solle sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren: „Europa soll sich um Freihandelsabkommen mit Amerika kümmern, aber die sollen uns beim Trinkwasser und der Bildungspolitik in Ruhe lassen.“

Pikantes Detail: Der Niederbayer Erwin Huber, Ex-CSU-Chef, hatte den Oberbayern per Interview vor der Sitzung als Messlatte 55 Prozent genannt, ein mit München kaum erreichbares Ergebnis. Indirekt antwortete darauf sein Vorgänger Edmund Stoiber, den Aigner sehr nachdrücklich zu einer Gastrede gedrängt hatte. Ohne Huber zu nennen, sagte Stoiber, andere CSU-Bezirke dürften sich nicht zurücklehnen und die Oberbayern arbeiten lassen. „Ihr entscheidet“, rief der den Delegierten zu, „ob die CSU aus dem Tal von 2008 wieder herauskommt“. Damals, ein Jahr nach seinem Sturz, hatte sich Stoiber im Wahlkampf zurückgehalten: „Vor fünf Jahren war ich nicht da. Heute bin ich da.“

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER / PAUL WINTERER

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