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Joachim Herrmann.

Äußerungen Herrmanns

Wirbel um "Berufsverbot" für Depressive

München - Die Äußerungen des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) bezüglich eines Berufsverbotes für Depressive sorgen für Wirbel.

Auch knapp drei Wochen nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen treibt Politik und Mediziner die Frage nach möglichen Konsequenzen um. Jetzt sorgen Äußerungen des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) im „Focus“ für Wirbel. Nach „sorgfältiger medizinischer Begutachtung“ sollten Konsequenzen möglich sein. Wenn ein Pilot, ein Busfahrer oder ein Taxifahrer „dauerhaft nicht mehr geeignet“ seien, Menschen zu transportieren, „ohne dass Gefahr für Leib und Leben anderer besteht“, müsse auch der Entzug von Führerschein oder Lizenz möglich sein.

Die Vorabmeldung des Magazins löste am Freitag einigen Wirbel aus. Deshalb sah sich das Innenministerium genötigt, zur Klarstellung das ganze Statement Herrmanns herauszugeben. Darin heißt es auch: „Dafür neue Bestimmungen einzuführen, halte ich aber nicht für erforderlich. Ein solches Verbot kann auch auf der Grundlage der bereits geltenden Bestimmungen ausgesprochen werden.“

Er warne „eindringlich vor einer Stigmatisierung psychisch Kranker“, sagte Professor Florian Holsboer, Depressionsexperte und langjähriger Leiter des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München, unserer Redaktion. „Wir riskieren dadurch, dass sich viele Patienten mit Depressionen gar nicht mehr in ärztliche Behandlung begeben und damit die ohnehin bereits hohe Suizidrate weiter anwächst.“ Die Möglichkeit, Piloten oder Lokführer in begründeten Fällen für berufsuntauglich zu erklären, gebe es bereits. Das betreffe aber nicht nur psychische Erkrankungen, sondern zum Beispiel auch Krampfleiden oder Erblinden.

„Etwa 90 Prozent der jährlich circa 10 000 Suizide in Deutschland erfolgen vor dem Hintergrund einer oft nicht erkannten oder nicht optimal behandelten psychischen Erkrankung“, hatte Iris Hauth, Vorstand der Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, jüngst erklärt. Dabei würden die Suizide fast immer alleine durchgeführt. Sehr selten komme es zu einem erweiterten Suizid mit der Tötung anderer. „Dabei handelt es sich zumeist um nahe Bezugspersonen, welche der Erkrankte nicht in der von ihm als ausweglos erlebten Situation zurück lassen möchte.“ Der Fall von Andreas Lubitz passe nicht in dieses Profil.

„Kein Mensch weiß, ob die Tat etwas mit der Depression zu tun hatte“, sagt auch Holsboer. „Nur weil er irgendwann mal eine Depression hatte, heißt das nicht, dass die Tat auch aus einer Depression heraus verübt worden ist.“ mik/ae

Auch knapp drei Wochen nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen treibt Politik und Mediziner die Frage nach möglichen Konsequenzen um. Jetzt sorgen Äußerungen des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) im „Focus“ für Wirbel. Nach „sorgfältiger medizinischer Begutachtung“ sollten Konsequenzen möglich sein. Wenn ein Pilot, ein Busfahrer oder ein Taxifahrer „dauerhaft nicht mehr geeignet“ seien, Menschen zu transportieren, „ohne dass Gefahr für Leib und Leben anderer besteht“, müsse auch der Entzug von Führerschein oder Lizenz möglich sein.

Die Vorabmeldung des Magazins löste am Freitag einigen Wirbel aus. Deshalb sah sich das Innenministerium genötigt, zur Klarstellung das ganze Statement Herrmanns herauszugeben. Darin heißt es auch: „Dafür neue Bestimmungen einzuführen, halte ich aber nicht für erforderlich. Ein solches Verbot kann auch auf der Grundlage der bereits geltenden Bestimmungen ausgesprochen werden.“

Er warne „eindringlich vor einer Stigmatisierung psychisch Kranker“, sagte Professor Florian Holsboer, Depressionsexperte und langjähriger Leiter des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München, unserer Redaktion. „Wir riskieren dadurch, dass sich viele Patienten mit Depressionen gar nicht mehr in ärztliche Behandlung begeben und damit die ohnehin bereits hohe Suizidrate weiter anwächst.“ Die Möglichkeit, Piloten oder Lokführer in begründeten Fällen für berufsuntauglich zu erklären, gebe es bereits. Das betreffe aber nicht nur psychische Erkrankungen, sondern zum Beispiel auch Krampfleiden oder Erblinden.

„Etwa 90 Prozent der jährlich circa 10 000 Suizide in Deutschland erfolgen vor dem Hintergrund einer oft nicht erkannten oder nicht optimal behandelten psychischen Erkrankung“, hatte Iris Hauth, Vorstand der Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, jüngst erklärt. Dabei würden die Suizide fast immer alleine durchgeführt. Sehr selten komme es zu einem erweiterten Suizid mit der Tötung anderer. „Dabei handelt es sich zumeist um nahe Bezugspersonen, welche der Erkrankte nicht in der von ihm als ausweglos erlebten Situation zurück lassen möchte.“ Der Fall von Andreas Lubitz passe nicht in dieses Profil.

„Kein Mensch weiß, ob die Tat etwas mit der Depression zu tun hatte“, sagt auch Holsboer. „Nur weil er irgendwann mal eine Depression hatte, heißt das nicht, dass die Tat auch aus einer Depression heraus verübt worden ist.“

mik/ae

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