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Da freut sich einer: Das Plakat „Christian Ude hält Wort“ entwickelt sich überraschend zum Renner im Netz.

Renner im Netz

Wirbel um Ude-Plakat: Viel Gerede um ein Wort

München - Der Wahlkampf hat noch nicht richtig begonnen, da sorgt ein Plakat für Wirbel: Christian Ude hält Wort. Die anderen Parteien spotten – doch was für die Straße gedacht war, wird im Internet zum Renner.

Die Geschäftsführerin der Bundes-Grünen sprach aus, was viele dachten. „Das ist nicht echt?!“, twitterte Steffi Lemke entgeistert, als sie das Plakat von Christian Ude zum ersten Mal sah. „Ein Ministerpräsident hält Wort“, steht darauf. Und darunter zu sehen ist ein, nun ja: Ministerpräsidentenkandidat, der das Wort „Wort“ hält.

Doch das Wortspiel entwickelt im Internet inzwischen ein kurioses Eigenleben. Zahlreiche Menschen, die offenbar über ausreichend Freizeit verfügen, haben das Plakat mit Photoshop abgewandelt und unter dem Motto „ude holding things“ hochgeladen. Ein Ministerpräsident, der sich bedeckt hält. Ein Ministerpräsident, der die Fäden in der Hand hält. Ein Ministerpräsident der den Mund hält. Stets mit passender Optik dazu. Und einen freut das am allermeisten: „Die Resonanz auf dieses Motiv im Netz ist einfach fantastisch“, findet Ude.

Nicht alle teilen seine Meinung. Florian Haller beispielsweise. „Das Plakat ist kein Erfolg – und auch keine gute Idee“, findet der Chef der renommierten Münchner Werbeagentur Serviceplan. Klar, man habe im Netz enorme Aufmerksamkeit erzeugt. „Aber Christian Ude hat kein Bekanntheitsproblem, er muss nicht auf sich aufmerksam machen. Er bräuchte eine glaubwürdige Kompetenzkampagne mit inhaltlichen Punkten“, sagt der Werbefachmann. „Aber dieses Plakat und die darauf folgenden Persiflagen sind albern und einfach lächerlich.“

Die Aufregung kommt zu einem frühen Zeitpunkt: In den meisten Gemeinden steht bislang kein einziges Plakat. Jede Kommune entscheidet selbst, wann und wo vor Wahlen Plakate stehen dürfen. In München erlaubt die entsprechende Verordnung den Parteien, bereits drei Monate vor dem Wahltag zu plakatieren – also seit einer Woche. In Miesbach und Fürstenfeldbruck beträgt die Frist dagegen lediglich sechs Wochen, in Garmisch ist es ein knapper Monat, in Murnau sind es sogar nur 23 Tage.

Dementsprechend haben andere Parteien noch keine Eile. Die CSU plakatiert erst im August – bei der Frage nach Motiven wird Generalsekretär Alexander Dobrindt ungewohnt wortkarg. Die Grünen arbeiten in München mit einem Übergangsplakat („Grün ist das neue Weiß-Blau“), ihre übrigen Motive stellen sie am 8. Juli vor. „Entscheidend ist nicht der frühe Start, sondern dass man am Schluss noch Luft hat“, sagt Pressesprecher Alex Burger. Und es ist auch eine Frage des Geldes: 60 bis 70 Cent müssen Kreisverbände und Kandidaten pro Exemplar berappen. Und nicht nur das: Nicht selten kleistern die Kandidaten selbst an freien Abenden am Straßenrand ihr Konterfei auf die Ständer. Nur wenige Kreisverbände leisten sich professionelle Hilfe.

Und was bringt das alles? Wenig. „Wegen ihrer guten Sichtbarkeit im Straßenverkehr werden Plakate gerne überschätzt“, sagt Serviceplan-Chef Haller. „Aber das Ziel moderner politischer Kampagnen muss es sein, in den Dialog mit Menschen zu treten. Das funktioniert vor allem im Netz.“ Der Grüne Alex Burger stimmt im Prinzip zu. „Man überzeugt sicher nicht massenhaft Leute. Aber man muss Präsenz zeigen und auf sich aufmerksam machen.“

Genau das will auch Ude. Nur: Nicht immer bringt viel Aufmerksamkeit gute Ergebnisse: In Wien warb die ÖVP mit dem Gesicht des SPÖ-Bürgermeisters. „Frischer Wind für Wien“ stand darunter – die Haare des Konkurrenten waren vom Sturm zerzaust. Die öffentliche Wirkung war maximal, half aber nichts. Die ÖVP fuhr ein verheerendes Ergebnis ein (13,3%).

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In der CSU-Spitze feixt man im kleinen Kreis schon, ob man nach der Wahl die Ude-Idee kopieren solle. Auf dem Plakat halte ein Ministerpräsident Seehofer dann ein anderes Wort in den Händen: „Danke“.

Von Mike Schier

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