Karl-Theodor zu Guttenberg
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Karl-Theodor zu Guttenberg steht in der Kritik.

Nach Anhörung im Dezember

Internes Wirecard-Dokument: „Guttenberg hat im Untersuchungsausschuss gelogen“

  • Andreas Schmid
    vonAndreas Schmid
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Karl-Theodor zu Guttenberg steht aufgrund seiner Beziehungen zu Wirecard in der Kritik. Er habe „den Untersuchungsausschuss belogen“ heißt es, nachdem interne Dokumente öffentlich wurden.

  • Das Unternehmen Wirecard sorgte für den wohl größten Bilanzskandal in der Geschichte der Bundesrepublik.
  • Während gegen den mittlerweile insolventen Konzern weiter ermittelt wird, gerät nun Karl-Theodor zu Guttenberg in den Fokus.
  • Der frühere Politiker hatte Wirecard beraten - und bei seiner Anhörung im Untersuchungsausschuss offenbar nicht die Wahrheit gesagt.

Berlin - Karl-Theodor zu Guttenberg geriet im Dezember in die Bredouille. Aufgrund seiner Arbeit als Wirecard-Berater musste der ehemalige Wirtschafts- und Verteidigungsminister im Untersuchungsausschuss vorstellig werden. Damals erklärte der gebürtige Münchner, nichts vom Bilanzskandal gewusst zu haben.

Wirecard: Guttenberg im Untersuchungsausschuss - „Betrug konnte man nicht erahnen“

Warum hat er für das deutsche Fin-Tech lobbyiert? Wie viel Geld bekam er für seine Beratungsleistungen? Und was genau besprach er mit der Kanzlerin? Das wollten die Abgeordneten wissen. Von Guttenberg bekamen sie vor allem eines: eine ziemlich empörte Rechtfertigung.

Guttenberg sieht sich im Fall Wirecard vor allem als Opfer. „Einen derartigen Betrug konnte man als Geschäftspartner - trotz gewisser Mutmaßungen in der britischen Financial Times - nicht erahnen“, betonte er. „Hätten wir gewusst, dass das Geschäftsmodell von Wirecard offenbar auf Betrug basiert, hätten wir dieses Dax-Unternehmen niemals beraten.“ Die Vorwürfe gegen ihn und sein Team entbehrten jeder Grundlage. „Schließlich trage ich Verantwortung für ein Beratungsunternehmen und nicht für die Bafin oder eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft“, hieß es.

Wirecard: Guttenberg als Berater des früheren DAX-Unternehmens

Tatsächlich war Guttenberg mit seiner Beratungs- und Beteiligungsfirma Spitzberg Partners vor der Insolvenz für Wirecard tätig. Sie unterstützten den Markteintritt des Fin-Techs in den USA und Kanada, vermittelten Partnerschaften in der Industrie. Als Wirecard seine Fühler nach China ausstrecken wollte, wies Guttenberg im September 2019 Bundeskanzlerin Angela Merkel auf das Unternehmen hin.

Der Eintritt in den chinesischen Markt gelinge selten ohne politische Begleitung, sagte Guttenberg. Hätte er Wirecard nicht voll vertraut, hätte er das Unternehmen bei dem Treffen aber nie angesprochen. Generell konnte der 49-Jährige kritische Fragen im Ausschuss stets souverän abblocken. Seine jahrelange politische Erfahrung half ihm dabei gewiss. Rund drei Wochen nach der Befragung im Untersuchungsausschuss sind aber immer noch nicht alle Ungereimtheiten geklärt. Ein Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wirft Fragen auf.

Karl-Theodor zu Guttenberg vor dem Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages.

Wirecard: Wirbel um Leerverkaufsverbot - Guttenberg-Artikel im Fokus

In dem Artikel machte sich Guttenberg für ein Leerverkaufsverbot für Zahlungsdienstleister wie Wirecard stark. Unter Leerverkäufen versteht man den Verkauf eines Vermögenswertes, den man zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht besitzt. Aktionäre spekulieren darauf, dass er an Wert verliert und der Handel mit einem Gewinn abgeschlossen werden kann. Wie nun klar ist, profitierte Wirecard unmittelbar von einem Leerverkaufsverbot für ihre Aktie, da das mittlerweile insolvente Unternehmen damals ins Visier von Händlern, die auf fallende Kurse wetteten, geraten war.

Hat Guttenberg Wirecard durch den Gastbeitrag also geholfen? Im Untersuchungsausschuss bestritt der Ex-Minister noch jede Verbindung mit dem Artikel und seiner Arbeit für Wirecard. Er wollte lediglich ein Thema ansprechen, „das mich zu dem Zeitpunkt umgetrieben hat“ und sei „mit Sicherheit nicht der Auffassung von Wirecard bei meinem Artikel gefolgt.“ Doch ein nun aufgetauchtes internes Dokument legt genau dies nahe.

Wirecard: Interner „Aktionsplan Leerverkäufe“ - Warb Guttenberg als Lobbyist für Leerverkaufsverbot?

Der Spiegel sowie das ARD-Hauptstadtstudio berichten über einen sogenannten „Aktionsplan Leerverkäufe“. Das Papier soll von Rüdiger Assion, Leiter der Finanzkommunikation bei der PR-Agentur Edelman, am 20. März 2020 an den damaligen Vorstandschef von Wirecard , Markus Braun, geschickt worden sein. In dem Schreiben sollen Personen genannt werden, die für ein Leerverkaufsverbot werben könnten.

Unter der „Zielgruppe Medien“ steht demnach geschrieben: „Gastkommentar Karl-Theodor zu Guttenberg, FAZ oder Die Welt.“ Brisant ist vor allem die kurze Zeitspanne zwischen dem Senden des „Aktionsplan Leerverkäufe“ und dem Erscheinen des FAZ-Berichts. Weniger als eine Woche später erschien Guttenbergs Kommentar „Ein Virus namens Leerverkäufe.“ Darüber hinaus sollen auch deutliche Ähnlichkeiten in der Argumentationsführung erkennbar sein. Guttenberg habe sich demnach stark an der Linie des Papiers orientiert.

Wirecard: SPD-Mann schimpft auf Guttenberg - „er hat den Ausschuss belogen“

Die neuen Enthüllungen lassen Zweifel aufkommen, ob Guttenberg im Zeugenstand die Wahrheit gesagt hat. Diese Zweifel hat auch der Untersuchungsausschuss. Jens Zimmermann, SPD-Obmann im Wirecard-Ausschuss, sagte dem ARD-Hauptstudio: „Er (Guttenberg, d. Red.) hat den Untersuchungsausschuss belogen und versucht, falsche Fährten zu legen, als er abgestritten hat im Interesse von Wirecard für Leerverkaufsverbot zu argumentieren. Eine wirkliche Überraschung ist diese fehlende Aufrichtigkeit bei ihm nicht.“

Wirecard: Guttenberg wird gerüffelt - CDU verteidigt Ex-Minister

Nun müsse geklärt werden, ob der frühere Politiker den Untersuchungsausschuss bewusst habe täuschen wollen. Die Linke will Guttenberg daher erneut vorladen, wie Obmann Fabio de Masi erklärte. Und auch die Grünen, die schon im Dezember Zweifel an den Ausführungen Guttenbergs hatten, wollen den Ex-Minister erneut auf den Zahn fühlen.

Während es also durchaus Kritik gibt, wird Guttenberg von der CDU verteidigt. Der Abgeordnete Matthias Hauer meinte, die SPD solle sich vor allem damit beschäftigen, wieso die von Finanzminister Olaf Scholz beaufsichtigte BaFin das Leerverkaufsverbot zu Wirecard verhängt habe. „Dies dürfte sicherlich mehr zur Wirecard-Aufklärung beitragen als ein Namensartikel eines Ex-Politikers zu dem Thema in der FAZ.“ Aktuell deutet dennoch einiges daraufhin, dass Karl-Theodor zu Guttenberg binnen kürzester Zeit erneut im politischen Berlin vorstellig werden muss. Zuvor war dies fast zehn Jahre nicht der Fall. (as)

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