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Kyrill I.: Wladimir Putins mysteriöser Kirchen-Mann - Vier Milliarden Euro Vermögen?

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Von: Patrick Mayer

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Verbündete: Russland Machthaber Wladimir Putin (li.) und der Geistliche Kyrill I..
Verbündete: Russland Machthaber Wladimir Putin (li.) und der Geistliche Kyrill I.. © IMAGO / ZUMA Wire

Der international umstrittene Geistliche Kyrill I. gilt als einer der engsten Vertrauten von Moskau-Machthaber Wladimir Putin. Im Ukraine-Krieg rechtfertigt er Russlands Haltung. Er selbst soll in Saus und Braus leben.

München/Moskau - Laut „heute journal“ des ZDF lässt er schon mal seine teure Armbanduhr auf Fotos wegretuschieren. Immer wieder gerät Kyrill I. im Russland-Ukraine-Krieg in den Fokus. So zum Beispiel, als sich Ungarns Viktor Orban innerhalb der Europäischen Union (EU) gegen Sanktionen gegen den Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche stemmte.

Kyrill I: Wladimir Putins Mann der russisch-orthodoxen Kirche wirbt für den Ukraine-Krieg

Und das, obwohl der russische Geistliche als enger Verbündeter von Moskau-Machthaber Wladimir Putin gilt. Die Laufbahn von Wladimir Michailowitsch Gundjajew, wie er im bürgerlichen Namen heißt, ist ebenso spektakulär wie seine Verflechtungen mit dem Kreml. Man könnte sagen, er ist Putins Lobbyist in der Kirche. Diese braucht der russische Präsident, um für seine kriegerische Expansionspolitik in der Ukraine zu werben. Schließlich bekennen sich nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung in einer Umfrage drei Viertel der Russen zum russisch-orthodoxen Glauben.

Und so wettert Kyrill I. gegen die Ukraine. Gegen den Westen. Gegen das Nato-Bündnis. Und für den Angriffskrieg Russlands gegen den westlichen Nachbarn, der am 24. Februar heimtückisch überfallen wurde. Wenn es darum geht, die Bevölkerung loyal zu halten, kommt Kyrill I. ins Spiel. Er und Putin haben Verbindungen, die das Leben beider unabhängig voneinander prägten. So wurden beide in Leningrad geboren und wuchsen dort, im späteren St. Petersburg, auf.

Im Video: Kompakt - Das Wichtigste zum Russland-Ukraine-Krieg

In der zweitgrößten russischen Stadt, die heute knapp fünf Millionen Einwohner zählt, begann jeweils ihr politischer Aufstieg. Putin war bekanntermaßen Spion für den KGB, auch Kyrill I. soll als Geistlicher für den sowjetischen Geheimdienst gearbeitet haben. Gerüchte dazu gibt es schier zahllose.

Bis 1991 stieg Kyrill I. vom Bischof der Diözese Smolensk zum Metropolit auf, einer Art Oberbischof, der einen ganzen Verbund an Bistümern unter sich hat. Seit dem 1. Februar 2009 ist er Patriarch von Moskau sowie der ganzen Rus und damit der Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK). Und er ist einer der größten Werber für den politischen Kurs Putins, mit dem sich der heute 75-Jährige immer wieder in der Öffentlichkeit zeigt.

So war es zum Beispiel am 8. April 2022 bei der mit viel Aufwand betriebenen Beerdigung des rechtspopulistischen und nationalkonservativen Politikers Wladimir Wolfowitsch Schirinowski in Moskau. 2012 hatte er die Regentschaft Putins nach dessen Wiederwahl sogar als „Wunder Gottes“ bezeichnet.

In den ersten zwanzig (Minuten) hat er mir mit einem Zettel in der Hand die Rechtfertigungen für den Krieg vorgelesen.

Papst Franziskus über den russischen Geistlichen Kyrill I.

Kyrill I: Wladimir Putins Mann der Kirche will im Russland-Ukraine-Krieg nicht vermitteln

Im Krieg ist er derweil voll auf Linie des Kreml. Einen Vermittlungswunsch im Ukraine-Konflikt schlug er aus, attackierte stattdessen den Westen verbal. In einem Brief beschuldigte er „Kräfte, die Russland offen als ihren Feind betrachten“, für den Konflikt verantwortlich zu sein. Er warf der Nato weiter vor, ihre militärische Präsenz an Russlands Grenzen ausgebaut und Russlands Sorgen vor einem Angriff ignoriert zu haben.

Er selbst irritierte dagegen Papst Franziskus. Ende April/Anfang Mai erzählte der Souverän des Vatikanstaats von einem gescheiterten Vermittlungsversuch. Er halte Patriarch Kyrill nicht für den Richtigen, um Putin umzustimmen. „Ich habe 40 Minuten mit Kyrill über Zoom gesprochen. In den ersten zwanzig hat er mir mit einem Zettel in der Hand die Rechtfertigungen für den Krieg vorgelesen“, schilderte Franziskus. Ein Mitte Juni geplanter Besuch zwischen den beiden Kirchenmännern wurde unlängst abgesagt.

Kyrill I. bei einer Messe für den verstorbenen rechtspopulistischen Politiker Wladimir Wolfowitsch Schirinowski.
Kyrill I. bei einer Messe für den verstorbenen rechtspopulistischen Politiker Wladimir Wolfowitsch Schirinowski. © IMAGO / SNA

Kyrill I: Wladimir Putins Mann der Kirche lebt offenbar im Luxus

Die Grenzen sind auch hier verhärtet: Jüngst bezeichnete Kyrill I. den russischen Überfall auf die Ukraine als Verteidigung „traditioneller christlicher Werte“ sowie als „metaphysischen Kampf“. Auch als Privatmann ist das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche indes umstritten. Konkret: Ihm wird ein verschwenderischer Lebensstil nachgesagt.

So entdeckten russische Blogger im Jahr 2012 ein Foto, auf dem offenbar die eingangs beschriebene (30.000 US-Dollar teure) Armbanduhr vom Handgelenk Kyrills wegretuschiert worden war. Die Spiegelung der Uhr war aber auf dem Tisch sichtbar. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) schrieb zuletzt, dass sich sein Vermögen laut russischen Investigativ-Journalisten auf vier Milliarden Dollar belaufen soll. Neben einer Penthouse-Wohnung und einer „Datscha“ (russisch für Ferienhaus) soll er eine Mercedes-Maybach-Luxuslimousine besitzen. Alles dafür, dass der Geistliche Hass predigt, anstatt für Frieden zu werben. Im Namen Wladimir Putins. (pm)

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