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Putins Schattenarmee: Ex-Wagner-Söldner packt über berüchtigte Truppe aus

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Das Logo des russischen paramilitärischen Organisation Wagner Gruppe. © IMAGO/imageBROKER/Siegra Asmoel

Marat Gabidullin ist der erste Söldner von Putins Schattenarmee „Gruppe Wagner“, der offen über die paramilitärische Organisation berichtet und einen Einblick hinter die Kulissen der Auftragskiller gewährt.

Moskau - Selbst der Kreml leugnet nicht mehr, dass es eine russische Söldnertruppe namens „Gruppe Wanger“ gibt - bestreitet aber weiterhin, das Kommando zu haben. Die Wagner-Kämpfer kommen auch im Ukraine-Krieg zum Einsatz. Erstmals erzählt nun ein ehemaliger Kämpfer in Putins Schattenarmee von seinem Dienst und gibt Einblicke hinter die Kulissen der paramilitärischen Organisation. Eine Dokumentation belegt zudem die enge Verflechtung von Putins Söldnern mit Moskau.

Ukraine-Krieg: Insider kritisiert Putins Krieg und „brutales Vorgehen völlig verrohter Wagner-Leute“

Offiziell ist die Gruppe-Wagner ein privates russisches Sicherheits- und Militärunternehmen, doch die Kämpfer gelten als geheime Krieger des Kremls. Seit 2014 sind sie offenbar dort im Einsatz, wo es dem russischen Staatschef Wladimir Putin von Nutzen ist. Bisherige Kampfeinsätze sollen die Gruppe nach Armenien, in die Ukraine, Zentralafrikanische Republik, Syrien, in den Sudan, Mali und zahlreiche weitere Länder gebracht haben. Von etwa 5000 aktiven Kämpfern in der „Gruppe Wagner“ ist die Rede. Nun berichtet erstmals ein Kämpfer der Schattenarmee, wie Russlands Unterstützung für Syriens Machthaber Baschar al-Assad oder für die Separatisten im Osten der Ukraine konkret aussieht.

Der russische Söldner Marat Gabidullin tötete jahrelang im Dienst der berüchtigten Schattenarmee Putins. Er war in Kriegsgebieten in Syrien und in der Ukraine im Einsatz, erhielt monatlich eine Bezahlung von bis zu 3.000 Euro und arbeitete bis 2019 für die Truppe. Doch die blutigen Kampfeinsätze im Auftrag von Russlands Mächtigen für das private Militär- und Sicherheitsunternehmen Wagner haben ihn offenbar auch nachdenklich gemacht. In seinem Buch „Wagner. Putins geheime Armee“ gibt er Einblicke hinter die Kulissen.

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Marat Gabidullin, als er noch als Söldner für die berüchtigte "Wagner"-Truppe tätig war. © dpa

„Die Rettung des Regimes von Baschar al-Assad hat es Russland ermöglicht, sich weltweit mit Nachdruck als Beschützer und Retter von Kriminellen aller Art zu empfehlen“, schreibt Gabidullin etwa. Er kritisiert unter anderem die schlechte Bewaffnung, Fehler bei der Gefechtsführung und ein teils extrem brutales Vorgehen völlig verrohter Wagner-Leute. Seinen Gang an die Öffentlichkeit begründet Gabidullin damit, dass er Putins Krieg in der Ukraine für einen Fehler hält. Statt Reue finden Leser in seinem Buch jedoch die Forderung, die paramilitärische Organisation offiziell anzuerkennen. Er spricht von einer „Organisation aus echten Profis - den Arbeitern des Krieges.“

Ukraine-Krieg: Russland leugnet Verflechtung mit Gruppe-Wagner - Dokumentation belegt sie

Auch in der Dokumentation „Wagner, Putins Schattenarmee“ von Ksenia Bolchakova und Alexandra Jousset kommt Marat Gabidullin zu Wort. Die Filmemacherinnen belegen darin eine enge Verflechtung der Wagner-Gruppe mit dem Kreml. Bolchakova und Jousset zufolge sind die Wagner-Kämpfer Putins Joker auf dem geopolitischen Schlachtfeld. Der Westen weiche in Afrika bereits zurück und Russland gewinne an Einfluss - mit Hilfe von Putins Schattenarmee. Die Dokumentation beleuchtet auch das brutale Vorgehen der Wagner-Gruppe: „Nachdem eine Stadt eingenommen wird, durchsuchen die Wagner-Leute alles, jedes letzte Haus“, erklärt in der Dokumentation ein weiterer Insider. „Wenn du bei jemandem Waffen findest, kannst du ihn gleich eliminieren“, so „Wassili“, ein Rekrutierer der Gruppe-Wagner, der im Gegensatz zu Gabidullin anonym bleiben will.

Wagner sei vielerorts exklusiv im Dienst des Kreml unterwegs, heißt es in der Dokumentation. „Durch die Entsendung von Söldnern spart der Staat bei den Rentenansprüchen und Gehältern, die er den Soldaten der regulären Armee zahlen muss. Und es ermöglicht auch, Tote verschwinden zu lassen.“ Der russische Präsident Wladimir Putin sagte hingegen im Februar: „Was Wagner angeht, habe ich schon gesagt, dass der russische Staat damit nichts zu tun hat.“ Solche Firmen verfolgten kommerzielle Interessen. „Sie verhandeln dort selbst, die örtlichen Machthaber laden sie auf staatlicher Ebene ein und danken ihnen für die geleistete Arbeit“, so Putin mit Blick auf Mali.

Ukraine-Krieg: Das sind die Machthaber in Putins Schattenarmee

Die Köpfe der Organisation, die auf ihren Propagandavideos ein Porträt des deutschen Komponisten Richard Wagner zeigt, sind demnach der russische Geschäftsmann Jewgeni Prigoschin und der Oberstleutnant Dmitri Utkin. Als Zeichen seiner Bewunderung für die Musik trage Utkin den Kampfnamen „Wagner“. Er soll nach seiner Karriere im russischen Militärgeheimdienst GRU von 2014 an aus Veteranen von Spezialeinheiten eine schnelle Eingreiftruppe unter seinem Kampfnamen gegründet haben. „Dmitri Utkin ist ein großer Bewunderer des Dritten Reichs und Adolf Hitlers“, so die Dokumentarfilmer Bolchakowa und Jousset.

Als direkter Verbindungsmann in den Kreml gilt aber Prigoschin. Der 62-Jährige, der von den USA gesucht wird, stammt wie Putin aus St. Petersburg. „Der ehemalige Verbrecher, der zu einem der mächtigsten Männer Russlands wurde, ist das reine Produkt einer Unterwelt aus Sicherheitsmilizen, Spionen, Geheimdienstlern, Mafiabossen und Ex-Häftlingen.“ Der Oligarch Prigoschin habe Putin, der einst in der Stadtverwaltung von St. Petersburg arbeitete, oft in seinem Restaurant bewirtet - weshalb er den Beinamen „Putins Koch“ trägt. Er soll Finanzier der Gruppe-Wagner sein, wie Bolchakova und Jousset berichten.

Ukraine-Krieg: Nato will gegen wachsenden Einfluss Russlands in Afrika und Nahost vorgehen

Die Darstellung der Dokumentation wird auch von aktuellen Äußerungen des Nato-Generalsekretärs Jens Stoltenberg getragen. Ein wichtiges Thema des Nato-Gipfels in Madrid sei gewesen, „wie Russland und China weiterhin versuchen, politische, wirtschaftliche und militärische Vorteile in unserer südlichen Nachbarschaft zu erlangen“, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Donnerstag im Hinblick auf das Vorgehen in Nahost und Afrika.

„Sowohl Moskau als auch Peking nutzen wirtschaftliche Druckmittel, Zwang und hybride Ansätze, um ihre Interessen in der Region durchzusetzen“, sagte Stoltenberg weiter. Deshalb sei beim Nato-Gipfel unter anderem „noch mehr Unterstützung für die Partner in der Region“ beschlossen worden. Zu den hybriden Ansätzen könnte unter anderem die Söldnertruppe Wagner zählen.

Der Chef der Gruppe Wagner äußert sich zu einem veröffentlichten Video in bemerkenswerter Weise. (dpa/bme).

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