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„Offenes Eurasien“ bis Lissabon? Putin-Vertrauter Medwedew alarmiert mit russischen Machtfantasien

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Von: Linus Prien

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Wladimir Putin, Präsident von Russland (Archivbild)
Wladimir Putin, Präsident von Russland (Archivbild) © Mikhail Klimentyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew hat von einem „Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok“ gesprochen und schwor auf länger anhaltende Kämpfe in der Ukraine ein.

Moskau - Der frühere russische Staatschef Dmitri Medwedew hat sein Land auf länger anhaltende Kämpfe im eskalierten Ukraine-Konflikt eingestimmt. Präsident Wladimir Putin habe als Ziel die „Demilitarisierung und Entnazifizierung“ der Ukraine ausgegeben, schrieb Medwedew am Dienstag auf seinem Telegram-Kanal. „Diese schwierigen Aufgaben sind nicht auf die Schnelle zu erfüllen.“

Wesentlich stärker hallten jedoch andere Äußerungen Medwedews nach: Er fantasierte öffentlich von einem gigantischen russischen Reich mitten durch West-Europa.

Ukraine-Krieg: Medwedew spricht vom „Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok“

Der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew
Dmitri Medwedew © IMAGO/Yekaterina Shtukina

Russland hatte die Invasion der Ukraine am 24. Februar unter anderem mit einer „Entnazifizierung“ des Landes begründet. Dabei handelt es sich nur um eine der Erzählungen, mit deren Hilfe der Kreml seien Krieg rechtfertigen möchte. Noch schärfer als Putin setzte Medwedew die Ukraine mit Nazi-Deutschland gleich.

Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Ukraine das gleiche Schicksal erleiden würde wie das Dritte Reich, schrieb er: „Das ist der Weg für so eine Ukraine.“ Aber der Zusammenbruch könne den Weg für „ein offenes Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok“ bereiten.

Russische Großmachtfantasien im Ukraine-Krieg: „Freies Eurasien bis Lissabon“?

„Medwedew ist der Auffassung, Russland mache in der Ukraine den ersten Schritt zur Schaffung eines freien Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok“, kommentierte der Bonner Osteuropahistoriker Martin Aust auf Twitter. „Wir müssen alles tun, damit der Ukraine und Europa dies erspart bleibt.“

Ähnlich wie Medwedew stellte am Sonntag ein Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti das Existenzrecht der Ukraine und Ukrainer als Volk infrage. Unter der Überschrift „Was Russland mit der Ukraine machen sollte“ forderte der Autor eine auf Generationen angelegte Umerziehung unter russischer Kontrolle. „Entnazifizierung wird unweigerlich auch Entukrainisierung bedeuten“, hieß es. Die russischen Staatsmedien sind unter weitgehender Kontrolle des Kremls und unterstützten den Krieg in der Ukraine von Beginn an. (dpa/lp)

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