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Unterwegs, wo alles begann: Bundespräsidentenkandidat Steinmeier besucht Hannover

Bundespräsidenten-Kandidat

Wo alles begann: Steinmeier beginnt Länder-Tour in Hannover

Hannover - Auf einer Charme-Tour durch die Bundesländer will sich der Kandidat fürs höchste Amt der Republik den Wahlleuten vorstellen. Ein Trip in die eigene Vergangenheit.

In der Dachkammer der niedersächsischen Staatskanzlei hat für Frank-Walter Steinmeier alles begonnen. „Hier, ganz oben, haben wir den ersten Erfolg dadurch erfochten, dass wir uns einen Ventilator erstritten haben“, erinnert sich der amtierende SPD-Außenminister am Montag in Hannover. Hier lernte der damals noch junge Jurist sein politisches Handwerk - und kehrt nun als Kandidat für das höchste Amt der Republik zurück. „Da sehen Sie, wie weit man es in der niedersächsischen Staatskanzlei bringen kann“, flachst Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Steinmeier hat seine Charme-Tour durch die Länder begonnen. Er will sich und seine Ideen für das künftige Amt den Wahlleuten aus den Landtagen präsentieren: „Ich stelle mich vor als Kandidat für das Bundespräsidentenamt - eine Vorstellung, die hier in Niedersachsen weit weniger nötig ist als in anderen Bundesländern.“ Steinmeier ist von Union und SPD vorgeschlagen, seine Wahl zum Nachfolger Joachim Gaucks am 12. Februar in der Bundesversammlung gilt als sicher.

Diese Prominenten wählen den Bundespräsidenten mit

Schon bei Station Eins läuft es nicht, wie geplant

In Brandenburg, wo seit 2009 sein Bundestags-Wahlkreis liegt, hatte er am Morgen zum Auftakt des ersten Länderbesuchs das Protokoll durcheinander gewirbelt: Als der 61-Jährige eine Viertelstunde zu früh vor dem Landtag vorfuhr, standen weder Parlamentspräsidentin Britta Stark noch der amtierende SPD-Fraktionschef Björn Lüttmann zur Begrüßung bereit. Steinmeier stürmte unverdrossen in Begleitung von Journalisten die Stufen des wieder errichteten Landtagsschlosses hinauf.

Leichte Verspätung gibt es dagegen in Hannover, wo er unter Beifall früherer Kollegen und Mitarbeiter an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt. „Das hat fast schon was von einer Betriebsfeier“, bringt es Jutta Kremer auf den Punkt, die nur kurz nach Steinmeier in der Staatskanzlei angefangen hatte. Niedersachsen, das macht der Außenminister klar, bedeute ihm viel. Die Staatskanzlei auch: „Jeder Quadratmeter dieses Gebäudes ist mir in guter Erinnerung.“

Eigentlich hatte Steinmeier eine Wissenschaftler-Karriere geplant

Eigentlich hatte der im nordrhein-westfälischen Detmold geborene Jurist zunächst eine wissenschaftliche Zukunft an der Universität Gießen geplant. Eine Studien- und Parteifreundin - die heutige parlamentarische Staatssekretärin Brigitte Zypries - hatte ihm dann den Job als Medienreferent in Niedersachsens Staatskanzlei schmackhaft gemacht. In der kleinen Dachkammer, wo Mario Bekeschus heute als einer seiner Nachfolger arbeitet. „Na, das ist ja jetzt offenbar alles besser isoliert?“, fragt Steinmeier. „Nein, das ist es nicht“, kommt die Antwort. Im Sommer sei es weiter sehr heiß.

Im Juli 1991 hat Steinmeier dort mit der Arbeit begonnen - zwei Jahre später holte ihn der damalige Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD) dann aus der Kammer und legte so die Grundlage für seine politische Karriere. Er beförderte ihn zunächst zum Büroleiter, dann zum Chef der Staatskanzlei, bevor Steinmeier ihm 1998, nach dem SPD-Sieg bei der Bundestagswahl, ins Kanzleramt nach Berlin folgte.

War also Niedersachsen gewissermaßen das Sprungbrett für die politische Karriere Steinmeiers? „Nein“, sagt sein früherer Wohn-Nachbar im Stadtteil List, der emeritierte Sozialphilosoph Oskar Negt, mit dem er oft im Supermarkt diskutiert hat. „Das klingt mir zu sehr nach geplantem Karriereaufbau - und Steinmeier ist kein Karrieremensch.“

dpa

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