Wolf streunt durch Oberbayern

Die Ängste (ernst) nehmen

Der Wolf kehrt nach Bayern zurück. Das schürt wieder alte Ängste.

In den Landkreisen Rosenheim und Erding wurde ein Wolf nachgewiesen beziehungsweise gesehen. Tierhalter müssen jetzt damit rechnen, dass der Wolf ihr Vieh reißt. Zwar ersetzt der „Ausgleichsfonds Große Beutegreifer“ die materiellen Verluste durch Wolf, Luchs oder Bär. Doch ob das die Akzeptanz für die Raubtiere erhöht, ist fraglich. Die Sorge der Bauern um ihre Tiere ist ja nicht rein finanzieller, sondern auch emotionaler Art. Wie soll sich ein Hirte auf der Alm verhalten, wenn er auf einen Wolf stößt, der sich gerade über seine Herde hermacht? Auch auf diese Frage müssen Tierhalter passende Antworten bekommen. Mit Geld allein ist es nicht getan. Das allein kann die Angst um die ihnen anvertrauten Tiere nicht nehmen. Auch andere Ängste, die – obwohl unbegründet – dennoch bei vielen Menschen vorhanden sind, sollten von offizieller Seite ernst genommen werden. Die nämlich, dass der Wolf einen Menschen anfällt. Hier ist offensichtlich noch einige Aufklärung nötig. Eine dritte Sorge gilt den Wildtieren selbst: Obwohl sie durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders und streng geschützt sind, werden sie immer wieder erschossen und vergiftet wie die Luchse im Bayerischen Wald oder verschwinden spurlos wie 2011 der Wolf von Bayrischzell. Dem hatte zuvor auch ein örtlicher Amtsträger das Lebensrecht in den Alpen abgesprochen. Den Wolf „entnehmen“ ist eine hässliche Beschönigung für töten. „Knallt ihn ab!“ ist die Aufforderung zu einer Straftat.

Christian Vordemann

Sie erreichen den Autor unter Christian.Vordemann@merkur.de

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