Wolfgang Schäuble zieht in seinem neuen Buch Lehren aus der Corona-Krise.
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Wolfgang Schäuble zieht in seinem neuen Buch Lehren aus der Corona-Krise. (Archivbild)

„So wie bisher geht es nicht weiter“

Pandemie war vorhersehbar: Schäuble-Klartext zu Corona-Krise und Klimawandel

  • vonTanja Kipke
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Wolfgang Schäuble diskutierte mit Alena Buyx über die Wechselwirkung zwischen Politik und Wissenschaft und die Lehren, die wir aus der Pandemie ziehen können.

München - Wolfgang Schäuble (CDU) hat sein Buch „Grenzerfahrung. Wie wir an Krisen wachsen“ vorgestellt. Im Fokus stehen die politischen und gesellschaftlichen Grenzerfahrungen unserer Zeit. In seinem Buch geht es um Fragen wie zum Beispiel: „Welchen Preis hat der Schutz des Lebens, wenn dafür unsere Grundrechte eingeschränkt werden?“ oder „Was heißt europäische Solidarität im Lockdown?“ nach. Im Literaturhaus München diskutierte er mit Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, über die Lehren, die man aus der Krise ziehen könne.

Wolfgang Schäuble spricht über die Corona-Pandemie und warnt vor dem Klimawandel

Eine elementare Erkenntnis Schäubles lautet: „So wie bisher kann es nicht weitergehen“. Dies berichtet der Focus. Viele Menschen in Deutschland seien der Ansicht gewesen, dass alles immer einfach so weiterlaufe wie gehabt. Die Corona-Krise hat Schäuble die Augen geöffnet. Er habe zunächst gedacht, die Pandemie sei nicht vorhersehbar gewesen. Aber das stimme so nicht. Es gäbe Berichte der Bundesregierung über verschiedene Krisenszenarien, die sie dem Parlament und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt haben. Außerdem gäbe es Bücher über die Spanische Grippe. Der allgemeine Glaube sei jedoch gewesen: So weit wird es schon nicht kommen.

Man sei einfach viel stärker als wir das möchten mit der Tatsache konfrontiert, dass Entwicklungen in allen Teilen der Welt unser tägliches Leben auf vielen Gebieten beeinflusse, urteilt Schäuble. Der Klimawandel würde ebenfalls viel schneller kommen, als selbst diejenigen früher glaubten, die schon seit langer Zeit davor gewarnt haben. „Wir müssen Krisen daher als Chancen sehen, auch wenn ich gerne auf die Pandemie verzichtet hätte. Wir müssen darüber nachdenken, was wir daraus lernen und wie wir besser werden“, so der CDU-Politiker.

Der Mensch verschließt die Augen vor dem Klimawandel - „Wir müssen handeln“

Warum ist der Mensch so schlecht darin, auf absehbare Krisen früh zu reagieren? Alena Buyx erklärt, Menschen würden negative Szenarien und schlechte Nachrichten gerne ausblenden, das sei ein in der Psychologie gut beschriebenes Phänomen. Vorhersehbare Katastrophen wie der Klimawandel würden daher im Alltag ausgeblendet, zitiert sie der Focus. Eine weitere Lehre, die aus den Erfahrungen der Pandemie gezogen werden kann: „Wir brauchen bessere Mechanismen, die uns als Gesellschaft zwingen, regelmäßig bestimmte Szenarien zu antizipieren.“

Das „Vordenken für die nächste Krise“ gelte wohl vor allem für den Klimawandel. Wir müssten akzeptieren, dass die Klimakrise stattfinde und nicht darüber streiten, ob sie kommen werde, sondern was wir dagegen tun können, so Schäuble. „Wir müssen handeln, obwohl wir die richtige Lösung nicht kennen.“ In der Pandemie müssten Politik und Wissenschaft auch öfters unbekannte Wege gehen.

Schäuble ist der Meinung, ohne Optimismus des Menschen gehe es nicht: „Ohne Zuversicht und Hoffnung kann der Mensch nicht leben und er kann auch nicht alle Worst-Case-Szenarien verinnerlichen, sonst ist er bald depressiv, wenn nicht sogar verrückt.“ Ethikrätin Buyx sieht das ähnlich. Eine von ihr durchgeführte Studie habe ergeben, dass die Solidarität unter den Menschen während der ersten Corona-Welle sehr groß gewesen sei. Und das würde auch in vieler Hinsicht so bleiben. (tkip)

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