Woodrow Wilson, 28. Präsident der Vereinigten Staaten
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Woodrow Wilson, 28. Präsident der Vereinigten Staaten

Der 28. Präsident der Vereinigten Staaten

Woodrow Wilson: Leben und Karriere des US-Präsidenten

Alles über das Leben von Woodrow Wilson.

  • Woodrow Wilson war ein promovierter Historiker, der als Quereinsteiger die Wahl zum Gouverneur von New Jersey gewann.
  • Von 1913 bis 1921 war der demokratische Politiker der 28. Präsident der Vereinigten Staaten.
  • Während seiner Amtszeit griff der Friedensnobelpreisträger in den ersten Weltkrieg ein und war am Friedensschluss maßgeblich beteiligt.

Thomas Woodrow Wilson (28.12.1856, 1924) war ein US-amerikanischer Demokrat, der zwei Amtszeiten die Geschicke der Vereinigten Staaten von Amerika führte. Unter seiner Federführung traten die USA in den ersten Weltkrieg ein. Zugleich spielte er eine wichtige Rolle bei der anschließenden Friedenskonferenz. Im gleichen Jahr bekam Woodrow Wilson den Friedensnobelpreis. Bis heute diskutieren Wissenschaftler seine Einstellung zu Deutschland kontrovers. Bereits drei Jahre nach dem Ende seiner Präsidentschaft starb Woodrow Wilson. Seine letzte Ruhestätte ist die National Cathedral in Washington D.C.

– Die Washington National Cathedral befindet sich an der 3101 Wisconsin Avenue in Washington D.C. –

Herkunft, Familie und Studium von Woodrow Wilson

Thomas Woodrow Wilson stammt aus Staunton in Virginia und wuchs als eines von vier Kindern auf. Seine Eltern waren amerikanischer und britischer Abstammung. Seit 1851 lebten die Eltern in den Südstaaten. Dort waren sie Sympathisanten der Konföderation. Der Vater von Woodrow Wilson war ein Pfarrer der presbyterianischen Kirche und zugleich Befürworter der Sklaverei. Er hielt selbst eigene Sklaven.

Aus gutem Elternhaus stammend war er in seiner Jugend auf verschiedenen Privatschulen. An der Princeton University absolvierte er ein Studium, anschließend ging er auf die University of Virginia, um Rechtswissenschaften zu studieren. Bei einem Jura-Praktikum entschied er sich jedoch, Lehrer zu werden. Folglich wechselte er 1883 an die Johns Hopkins University (https://www.jhu.edu), um dort Geschichte und Politikwissenschaften zu studieren. Der Historiker promovierte bereits 1886 und lehrte in den folgenden Jahren an einer höheren Schule für Mädchen. Woodrow Wilson heiratete in dieser Zeit seine erste Ehefrau Ellen Wilson (15.05.1860, 1914). Bis zu ihrem Tod war diese ein Jahr als First Lady im Weißen Haus in Washington an seiner Seite. Ein Jahr nach ihrem Tod heiratete Woodrow Wilson die Witwe Edith White Bolling Galt Wilson (15.10.1872, 1961).

Politische Laufbahn und Gouverneur von New Jersey

Das politische Interesse von Woodrow Wilson begann bereits während seiner akademischen Laufbahn. Als Universitätspräsident empfahl er schwarzen Amerikanern, sich nicht für einen Studienplatz dort zu bewerben. In weiteren Büchern und wissenschaftlichen Abhandlungen äußerte sich Woodrow Wilson negativ über farbige Amerikaner und äußerte Verständnis für Rassendiskriminierung. Als Mitglied der Demokratischen Partei entschied er sich 1910 für die Kandidatur zum Gouverneur von New Jersey. Mit einem Vorsprung von circa fünfzigtausend Stimmen gewann Woodrow Wilson die Wahl und war anschließend Gouverneur.

Als politischer Quereinsteiger ohne vorheriges politisches Amt kam er bei den Wählern gut an. Er versprach im Wahlkampf, unabhängig von den parteilichen Strukturen und Machtkämpfen zu regieren. Daran hielt er sich auch während seiner Zeit als Gouverneur. Beispielsweise trieb er einige Reformen in New Jersey voran, die sich in der demokratischen Partei keiner großen Beliebtheit erfreuten. Die demokratische Parteiführung sah Woodrow Wilson zunehmend skeptisch. Dieser hielt sich nicht an die parteipolitische Räson und entschied nach eigenem Gutdünken. Dennoch erfreute sich Woodrow Wilson beim amerikanischen Wahlvolk immer größerer Beliebtheit. Somit kam er ins Gespräch für eine kommende Präsidentschaftskandidatur.

Woodrow Wilson als US-Präsident

Vor der Präsidentschaftswahl 1912 war Woodrow Wilson einer der Kandidaten der demokratischen Partei. In einem Zweikampf zwischen dem Sprecher des Repräsentantenhaus Champ Clark (07.03.1850, 1921) setzte sich Woodrow Wilson durch. Zunächst hatte Clark stets einen deutlichen Vorsprung, konnte jedoch nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit erreichen. Nach der Unterstützung durch einen einflussreichen Demokraten gewann Woodrow Wilson im 46. Wahlgang die Nominierung. Bei der Präsidentschaftswahl 1912 profitierte er von der Spaltung der Republikaner. Mit einem Stimmanteil von 41,8 % gewann er die Präsidentschaftswahl deutlich. Er bekam die Wahlmännerstimmen aus vierzig Bundesstaaten. Die anderen beiden Kandidaten hatten keine Chance gegen den Demokraten und promovierten Historiker.

Während seiner Amtszeit erlitt Woodrow Wilson 1919 einen Schlaganfall, der ihn halbseitig lähmte. Dennoch führte er seine Amtsgeschäfte fort. 1921 trat ein republikanischer Nachfolger sein Amt an. Nur wenige Jahre später starb Woodrow Wilson im Alter von 67 Jahren.

Rassenpolitik unter Woodrow Wilson

Der Historiker Woodrow Wilson äußerte sich im Zuge seiner akademischen Laufbahn oftmals abfällig gegenüber Schwarzen. Während seiner Präsidentschaft unterstützte er die Südstaaten der USA dabei, das aktuelle Wahlrecht beizubehalten. Dieses benachteiligte die schwarzen Bürger im jeweiligen Bundesstaat. Als US-Präsident bevorzugte er weiße Politiker aus den Südstaaten bei der Vergabe von politischen Ämtern.

Wilson führte in den Bundesbehörden und dem Militär die Rassentrennung erneut ein. Er entließ die meisten schwarzen Politiker in führenden Positionen, für schwarze Mitarbeiter gab es zudem Trennwände in den Büros und eigene Toiletten. Bekannt für seine rassistischen Witze über Schwarze war er Befürworter der Segregation. Rückblickend bezeichnen Historiker den ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika Woodrow Wilson sowohl als gemäßigten Politiker aus den Südstaaten als auch einen der rassistischsten US-Präsidenten aller Zeiten.

Eintritt in den ersten Weltkrieg und Haltung zu Deutschland

Zunächst setzte Woodrow Wilson im ersten Weltkrieg auf eine Politik der Neutralität. Mit der Neutralitätspolitik konnte er weite Teile der Bevölkerung für sich gewinnen und schaffte 1916 die Wiederwahl. Nachdem sich die öffentliche Meinung zum Kriegsgeschehen in Europa änderte, griffen die USA 1917 in den ersten Weltkrieg ein. Nach der Vereinbarung eines Waffenstillstands handelte Woodrow Wilson im Rat der Vier den Versailler Vertrag aus. Mittelpunkt des ausgehandelten Friedens sollte sein 14-Punkte-Programm sein. Dieses enthielt unter anderem die folgenden Punkte:

  • Öffentliche Friedensverträge ohne geheime Vereinbarungen
  • Freiheit der Schifffahrt in den internationalen Gewässern
  • Beseitigung wirtschaftlicher Schranken und Herstellung von Handelsfreiheit
  • Abrüstung auf das niedrigste Niveau
  • Räumung von Russland, Belgien und Frankreich
  • Gründung eines Nationenverbands (Völkerbund)

Woodrow Wilsons Haltung zu Deutschland ist immer noch Bestandteil wissenschaftlicher Kontroversen. Als akademischer Historiker war Woodrow Wilson Deutschland gegenüber eher positiv eingestellt. Er bewunderte insbesondere den Reichspräsidenten Otto von Bismarck. Im Laufe der Jahre änderte sich jedoch sein Deutschlandbild, auch wenn er die Entwicklung der europäischen Politik eher vernachlässigte. Ende 1914 verwies er immerhin noch darauf, dass Deutschland nicht allein am ersten Weltkrieg schuld ist. Dennoch war er Befürworter einer grundlegenden Änderung der deutschen Regierung. Im Laufe der Kriegsjahre veränderte sich die Haltung Wilsons zu Deutschland. Dieser wollte nun auch die deutsche Bevölkerung für den ersten Weltkrieg bestrafen. Dies ging soweit, dass er beim Vertrag von Versailles zum britischen Premierminister sagte, dass er Deutschland schon immer verabscheut habe.

Ehrungen für Woodrow Wilson und Friedensnobelpreis

1919 bekam Woodrow Wilson den Friedensnobelpreis. Diese Auszeichnung widmete sich seinen Verdiensten beim Ende des ersten Weltkriegs und der Gründung des Völkerbunds. Heute gibt es zahlreiche Bauwerke und Plätze, die nach dem ehemaligen US-Präsidenten Woodrow Wilson benannt sind. Sein Bild befindet sich zudem auf der 100.000 US-Dollar Banknote. Diese ist ein offizielles Zahlungsmittel in den USA, obgleich sie nie im Umlauf war. In Alabama gibt es die Wilson-Talsperre, während in Südgeorgien das Kap Wilson liegt. In ganz Amerika gibt es zudem unzählige Schulen mit dem Namen Woodrow Wilson. Regelmäßig finden jedoch Proteste gegen die Namensgebung statt, da insbesondere afroamerikanische Amerikaner an die rassistische Einstellung Woodrow Wilsons erinnern.

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