+
Anti-Merkel-Plakat auf einer AfD-Demo in Freilassing (Bayern).

Bericht

Wut auf Merkel: Jedes zehnte AfD-Mitglied war vorher in der CDU

Berlin - Ein Bericht zeigt: Es gibt aus allen etablierten Parteien einen massive Wähler-Wanderung hin zur AfD. Die meisten Abwanderer kommen aber von der CDU. Schuld ist vor allem Kanzlerin Merkels Flüchtlingspolitik.

Diese Untersuchung dürfte allen Fraktionen im Bundestag Kopfzerbrechen bereiten: Aus allen Parteien wandern Wähler zur AfD ab. Die meisten Mitglieder haben einem Zeitungsbericht zufolge die GroKo-Parteien verloren. In erster Linie gingen offenbar Christdemokraten von der Fahne. Bis Ende Mai seien allein 2300 CDU- und 354 CSU-Mitglieder zur Alternative für Deutschland gewechselt, berichtet die „Bild“-Zeitung (Samstag) unter Berufung auf eine interne Statistik der AfD-Bundesgeschäftsstelle. Außerdem hätten von den aktuell 23.400 AfD-Mitgliedern 1212 vorher ein SPD-Parteibuch gehabt.

Auch die Opposition im Bundestag hat dem Bericht zufolge einen erheblichen Aderlass zugunsten der Rechtspopulisten zu verzeichnen: So würden sich 1122 frühere Linke-Mitglieder inzwischen in der AfD engagieren, hinzu kämen 345 ehemals Grüne. Aus den Reihen der FDP seien 950 Mitglieder abtrünnig geworden. Die weitaus meisten Parteiwechsel zur AfD ergaben sich demnach erst ab September 2015, also nach Beginn der Flüchtlingskrise.

Wählerwanderung zur AfD massiv durch Merkels Flüchtlingspolitik befeuert

Laut "Bild" liefen 1.812 der insgesamt 2300 abtrünnigen CDUler erst zur AfD über, nachdem die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel am 5. September entschied, das Weiterreiseverbot außer Kraft zu setzen und die ungehinderte Einreise von Flüchtlingen zu ermöglichen.

Auch aus der SPD kam ein Großteil nach diesem „D-Day“ in der Flüchtlingskrise: nämlich 980 von 1212. Ähnlich ist die Lage bei FDP (900 Wechsler ab September 2015), CSU (234) und Linken (956). Nur bei den Grünen ist der Anteil mit 122 Überläufern ab September vergleichsweise klein.

Keine Mitglieder kamen der Statistik zufolge von der rechtsextremen NPD. Der Grund: Die AfD hat einen Unvereinbarkeitsbeschluss mit der NPD gefällt.

Die Wählerwanderung hin zur AfD wird so schnell wohl auch kein Ende nehmen. Nach Informationen der "Bild" stapeln sich in der AfD-Zentrale zur Zeit 2500 unbearbeitete Eintritts-Anträge.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber trotz der Abwanderungswelle gelassen. Tauber sagte zu "Bild": „Es ist immer schade, wenn Menschen unsere Überzeugungen als Christdemokraten nicht mehr teilen und deswegen austreten. Umso schöner, dass jeden Monat 1000 Menschen neu zur CDU kommen.“

Grenzen auf, Grenzen zu, Deal mit der Türkei: Die Chronologie der Flüchtlingskrise

Grenzen auf, Grenzen zu, Deal mit der Türkei: Die Chronologie der Flüchtlingskrise

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Israel stoppt Lieferungen von Treibstoff nach Gaza
Tel Aviv (dpa) - Israel hat die Lieferungen von Treibstoff in den Gazastreifen gestoppt. Hintergrund seien die anhaltenden Attacken der radikalislamischen Hamas, …
Israel stoppt Lieferungen von Treibstoff nach Gaza
So will die neue Bayerische Grenzpolizei ab Mittwoch vorgehen 
Stoppen, aber nicht zurückweisen: Die Befugnisse der neuen bayerischen Grenzpolizei sind klar definiert. Ab Mittwoch suchen die Landespolizisten im Grenzgebiet in …
So will die neue Bayerische Grenzpolizei ab Mittwoch vorgehen 
„Rechtsstaat ausgeschaltet“? Staatsrechtler schlägt im Fall Sami A. Alarm
Am Freitag wurde der frühere Bin-Laden-Leibwächter Sami A. abgeschoben - trotz gerichtlichen Verbots. Jetzt muss er nach Deutschland zurückgeholt werden. Doch das ist …
„Rechtsstaat ausgeschaltet“? Staatsrechtler schlägt im Fall Sami A. Alarm
Trotz 48.000 Unterschriften: Gericht stoppt Volksbegehren gegen Flächenfraß
Die Zahl der notwendigen Unterschriften hatte das Volksbegehren „Betonflut eindämmen“ locker überschritten. Trotzdem wird es den Sprung in den Landtag nicht schaffen.
Trotz 48.000 Unterschriften: Gericht stoppt Volksbegehren gegen Flächenfraß

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.