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In der CSU gärt es. Alexander Dobrindt, Andreas Scheuer und Horst Seehofer in der CSU-Zentrale. 

Debatte im Parteivorstand

Wut in der CSU: „Problem ist das alte Gesicht Merkels“

Horst Seehofer sieht zumindest nach außen die Stimmung innerhalb der CSU gelassen. Doch die Zusicherung, dass die CSU hinter Merkel als Kanzlerkandidatin stehe, lässt die Gefühle an der Basis gefährlich hochkochen.

München – Am Wochenende hatte Horst Seehofer mal Zeit für einen Spaziergang mit seiner Frau. Man sollte das nicht als Freizeit missverstehen, eher als politischen Stimmungstest.„Da treffen Sie Leute nach dem Zufallsprinzip“, erklärt er. Und keiner habe ihm, so schildert er das, große Vorbehalte gegenüber Angela Merkel geschildert.

Die Geschichte des lustwandelnden Regierungschefs ist ein Teil in Seehofers großer Erklärung am Montag vor der Sitzung des CSU-Vorstands. Er will zeigen: So schlimm ist die Stimmung an der Basis gar nicht. Dis CSU stehe hinter der Kanzlerin. Die Entscheidung, sie zu stützen, sei gut begründet gefallen. Kleines Problem dabei: In der Führung seiner Partei gibt es eine ganze Reihe von Politikern, die das irgendwie anders sehen als die Spaziergänger in Seehofers Heimat.

Debatte schaukelt sich hoch - schlechte Stimmung im Parteivorstand

Im Parteivorstand schaukelt sich die Debatte über Merkel und den Wahlkampf nämlich recht hoch, berichten mehrere Teilnehmer. Das Gremium ist gespalten: Mehrere Redner ergreifen Partei für die Merkel-Versöhnung, andere hadern seit der Flüchtlingskrise massiv mit der Kanzlerin. Zu letzteren zählt der Bundestagsabgeordnete Florian Hahn (42). In scharfen Worten macht er klar, dass er Sorgen habe nicht wegen des SPD-Kandidaten Schulz, sondern wegen der eigenen Bewerberin. „Es ist weniger der Erfolg eines neuen Gesichts sondern vielmehr das Problem eines alten“, wird Hahn zitiert. Die CDU müsse sich neu erfinden.

Andere berichten von einer schlechten Stimmung vor Ort, darunter sogar der enge Seehofer-Vertraute Alfred Sauter. „Das ist noch nicht durch, das Ganze“, sagt auch Finanzminister Markus Söder zu Journalisten. Es gehe darum, die Herzen der Menschen zu erreichen, da müsse aus Berlin mehr kommen.

Seehofer: „Müssen uns am Riemen reißen“

Seehofer reagiert auf die Einwürfe wütend, heißt es. Er verlangt Disziplin von den Parteioberen. „Das strategische Unvermögen mancher entsetzt mich. Wir müssen uns jetzt endlich am Riemen reißen.“ Bundesminister Alexander Dobrindt, obwohl erwiesenermaßen kein Merkel-Fan, unterstützt das mit strategischen Gedanken: Es gehe jetzt um Mobilisierung und Polarisierung. „Wir werden eine höhere Wahlbeteiligung haben, der Wettbewerb geht auch um die bisherigen Nichtwähler. Die kann man nur überzeugen, wenn man nicht selbst sein eigener stärkster Kritiker ist.“

Die kernige Aussprache schließt inhaltlich an eine Fraktionssitzung an, bei der mehrere Landtagsabgeordnete ihrem Groll Luft gemacht hatten. Für Seehofer ist die Lage unbequem: Eine andere Kandidatin als Merkel gibt es nicht. Wenn ein Teil seiner Basis aber bei der Bundestagswahl im September der CSU die Stimme versagt, bleibt das politisch am Ende an ihm hängen. Ihn könne man dann dafür „köpfen“, sagte er vor den Abgeordneten – die sich das merkten.

Nächster Stimmungstest: Der politische Aschermittwoch in Passau

Der nächste Stimmungstest wird der Aschermittwoch in Passau. Dort versammeln sich ja die kantigsten CSUler. Vor einem Jahr, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, war die Kundgebung ausgefallen. Heuer will Seehofer mit einer Neuorganisation die Gäste bei Laune halten und vom Merkel-Groll ablenken. Sechs Redner sind eingeplant: der örtliche Abgeordnete Gerhard Waschler, Europapolitiker Manfred Weber, Dobrindt, Innenminister Joachim Herrmann, Seehofer und Generalsekretär Andreas Scheuer. Dazwischen soll es sogar Musik und Statements aus dem Publikum geben, auch Filme auf Videoleinwänden. Ob das für Seehofer ein Spaziergang wird, ist ungewiss.

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