+
Zeremonie anlässlich des 90. Geburtstags der chinesischen Volksbefreiungsarmee vor der Großen Halle des Volkes in Peking. Foto: Andy Wong

Feier der Volksbefreiungsarmee

Chinas Präsident Xi Jinping will "Armee von Weltklasse"

Peking lässt zum 90. Geburtstag seiner Armee die Muskeln spielen. Nach einer gewaltigen Militärparade am Wochenende sendet der Präsident erneut eine deutliche Botschaft an die Nachbarn.

Peking (dpa) - Chinas Präsident Xi Jinping hat zu einer raschen Modernisierung der Streitkräfte des Landes aufgerufen. Reformen müssten beschleunigt und eine "Armee von Weltklasse" aufgebaut werden, sagte der Staatschef heute anlässlich des 90. Gründungstages der Volksbefreiungsarmee.

Stagnation solle "um jeden Preis" verhindert werden. Das Militär müsse in der Lage sein, einen Krieg zu führen, wenn "Partei und Volk es braucht".

Um die zunehmende militärische Stärke der zweitgrößten Volkswirtschaft zu demonstrieren, hatte Xi Jinping bereits am Wochenende im Tarnanzug eine gewaltige Militärparade mit 12 000 Soldaten und Hunderten gepanzerten Fahrzeugen und Kampfflugzeugen abgenommen. Es war das erste Mal, dass China eine Parade anlässlich des Gründungstages der Volksbefreiungsarmee am 1. August ausrichtete.

Experten sahen in den markigen Worten des Präsidenten rund um den Armee-Geburtstag auch eine Machtdemonstration gegenüber den USA und Nachbarstaaten, mit denen China im Ost- und Südchinesischen Meer um Inseln und Territorien streitet. Wegen neu entfachter Grenzstreitigkeiten ist auch das Verhältnis zwischen China und Indien seit Wochen angespannt.

Das chinesische Volk schätze den Frieden, jedoch werde es China "niemals erlauben, dass irgendjemand einen Teil des chinesischen Territoriums aus dem Land trennt", sagte Xi Jinping während seiner etwa einstündigen Rede in der Großen Halle des Volkes in Peking. China sei in der Lage, jeden Eindringling zu bezwingen. Auch rief der Präsident die Armee zu bedingungsloser Loyalität auf.

"Mit der überraschend angesetzten Militärparade am Wochenende wollte Xi Jinping eine Botschaft an das einheimische und das ausländische Publikum senden", sagte Nabil Alsabah vom China-Instiut Merics in Berlin. Den Chinesen sollte demnach demonstriert werden, dass ihre Armee auch über die Grenzen Chinas hinaus Macht ausstrahlt. Außenpolitisch sollten Pekings regionale Widersacher zu mehr Vorsicht im Umgang mit einem erstarkten China gemahnt werden. "Die territorialen Streitigkeiten im Ost- und Südchinesischen Meer spielen bei Pekings strategischem Kalkül eine immense Rolle."

Die Marine des Landes ist bislang der sichtbarste Beweis, wie die Modernisierung voranschreitet. Im April verließ Chinas zweiter Flugzeugträger erstmals das Dock. Auch Chinas erste Militärbasis im Ausland im ostafrikanische Dschibuti soll bald einsatzbereit sein. "Der Schritt zeigt deutlich Chinas Willen, sowohl international auch als militärische Kraft wahrgenommen zu werden." Es sei zu erwarten, dass China in den nächsten Jahren weitere Stützpunkte eröffnen werde.

Zwar sehen Beobachter China mittlerweile als dominierende Militärmacht in Asien. Obwohl das Land seine Machtstellung konsequent ausbaue, würden die USA aber "auf absehbare Zeit" die stärkste Militärmacht der Welt bleiben, glaubt Alsabah. 

Bei den Rüstungsausgaben liegen die USA mit einem Militärbudget von umgerechnet 516 Milliarden Euro im vergangenen Jahr noch mit weitem Abstand an der Weltspitze. Mit umgerechnet 142 Milliarden Euro hatte China während des Volkskongresses im März den höchsten Militäretat seiner Geschichte angekündigt. Die Erhöhung der Ausgaben um sieben Prozent ist jedoch der geringste Anstieg seit zwei Jahrzehnten.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Merz gibt seine Bewerbung ab: Traue mir ein Ministeramt zu
Ganz knapp ist Friedrich Merz Annegret Kramp-Karrenbauer im Kampf um den CDU-Vorsitz unterlegen. Nun macht der 63-Jährige klar, dass er die politischen Ambitionen auf …
Merz gibt seine Bewerbung ab: Traue mir ein Ministeramt zu
Dramatische Prognose der „New York Times“: Nach Merkel ist „Deutschland am Ende“
Der Soziologe Prof. Dr. Oliver Nachtwey sorgt mit einem Artikel in der „New York Times“ für Aufsehen: Deutschland sei nach der Ära Merkel am Ende.
Dramatische Prognose der „New York Times“: Nach Merkel ist „Deutschland am Ende“
Abrechnung mit Söder: Guttenberg lästert über den designierten CSU-Chef
Knallharte Abrechnung unter „Parteifreunden“: Aus Sicht des Freiherrn zu Guttenberg fehlt es Ministerpräsident Markus Söder an Format für das Amt des CSU-Chefs. 
Abrechnung mit Söder: Guttenberg lästert über den designierten CSU-Chef
Strafverkündung gegen Flynn verschoben
Washington (dpa) - Ein Bundesgericht hat die Verkündung des Strafmaßes gegen den früheren Nationalen Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump verschoben.
Strafverkündung gegen Flynn verschoben

Kommentare