Eine Videowand in Kashgar zeigt den chinesischen Präsidenten Xi Jinping
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Präsident Xi blickt auf Xinjiang: Videowand an einem zentralen Platz in der Oasenstadt Kashgar (Archivbild)

Verschiedene Religionen und Nationalitäten

Xinjiang: Autonome Region der Uiguren in China

Die Region Xinjiang ist das größte autonome Gebiet Chinas. Dort leben verschiedene muslimische Minderheiten mit zentralasiatischen Wurzeln. Immer wieder kam es dort zu Unruhen.

  • Xinjiang im Nordwesten Chinas ist die größte autonome Region der Volksrepublik.
  • Hier leben viele ethnische Gruppen und Religionen zusammen, was immer wieder für Konflikte sorgt.
  • Vor allem die Minderheit der Uigur:innen hat mit vielen Diskriminierungen zu kämpfen.

Die Autonome Region Xinjiang gehört seit 1950 der Volksrepublik China an. Seit Jahrhunderten leben dort verschiedene zumeist muslimische ethnische Gruppen mit zentralasiatischen Wurzeln. Diese werden heute als nationale Minderheiten bezeichnet. Die größte Volksgruppe in Xinjiang sind die Uiguren. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahrzehnten religiöse Konflikte zwischen den Minderheiten und der Mehrheit der Han-Chinesen - von denen über die Jahre immer mehr nach Xinjiang gezogen sind. Gelegentlich brachen Unruhen aus - was Peking zuletzt zu einer harten Reaktion veranlasst hat. Daher sind vor allem die Uiguren derzeit Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierung ausgesetzt. Bis zu einer Million von ihnen sollen mit Stand 2021 in Umerziehungslagern interniert sein. Peking gibt die Existenz der Lager zu, bezeichnet diese aber als Ausbildungszentren.

Xinjiang: Geografische Fakten

Xinjiang ist eine von fünf offiziell autonomen Regionen Chinas, die nach dem Gesetz von den dort lebenden nationalen Minderheiten selbst verwaltet werden.

Die autonome Region Xinjiang nimmt als größtes dieser autonomen Gebiete ein Sechstel der Fläche Chinas China ein. Durch diese riesige Fläche von 1,66 Millionen Quadratkilometern grenzt Xinjiang an sieben Staaten. Seine Außengrenze zu diesen Staaten sowie anderen Provinzen und Regionen Chinas ist 5600 Kilometer lang.

Der größte Teil der Fläche Xinjiangs besteht aus kargem Wüstengebiet. Die größte Wüste der Region ist die Taklamakan-Wüste. Im Norden sowie im Süden der Region grenzen hohe Gebirgszüge und das tibetische Hochplateau an. Die Menschen der Region leben traditionell in Oasen, wo sie bis heute unter anderem Melonen oder Weintrauben anbauen. In den Bergen werden unter anderem Schafe gezüchtet. Im Flachland gibt es Baumwollanbau. Auch ist die Region reich an Bodenschätzen, darunter Erdgas.

Die sieben an Xinjiang angrenzenden Staaten sind:

  • Afghanistan
  • Kasachstan
  • Kirgisistan
  • Mongolei
  • Pakistan
  • Russland
  • Tadschikistan

Xinjiang: Eine Region verschiedenster Nationalitäten

In der Vielvölkerregion Xinjiang leben rund 24 Millionen Menschen. Die Gesamtbevölkerung, darunter vor allem die ethnischen Minderheiten, hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Bevölkerung der Uiguren hat sich seit 1978 fast verdoppelt. Diese Zunahme ist unter anderem der Tatsache zu verdanken, dass die Minderheiten von der kürzlich abgeschafften strikten Ein-Kind-Politik ausgenommen waren - und die Familien deshalb zumeist mehrere Kinder hatten.

Neben den Uiguren leben auch Kasachen, Kirgisen und die Hui in Xinjiang - letztere sind eine traditionell muslimische Gruppe, die seit jeher nur in Westchina lebt. Außerdem sind in den veergangenen Jahrzehnten schrittweise immer mehr Han-Chinesen in die Region gezogen. Diese leben zumeist in den großen städtischen Zentren des Nordens - während viele Einheimische, darunter die Uiguren, eher auf dem Land und im Süden der Region wohnen. Kasachen und Krigisen leben vielfach in den Grenzregionen zu Kasachstan und Kirgisistan.

Xinjiang: Geschichte

Die Gebiete nördlich und südlich des Tianshan-Gebirges waren seit der Han-Dynastie - die für 400 Jahre rund um die Zeit Christi Geburt in China herrschte - waren sie offiziell ein Teil Chinas. Bis zum 19. Jahrhundert wurde die abgelegene Region noch als Xiyu bezeichnet, was soviel heißt wie „westliche Gebiete“. Die Region war damals vor allem wichtig als Teil des alten Handelsweges der Seidenstraße. Karawanen machten auf ihrer Reise durch die Wüstengebiete Zentralasiens Rast in den Oasen von Xiyu.

Im zehnten Jahrhundert begann die Islamisierung der Region. Die Gegend war zudem immer wieder einmal - je nach Stärke der jeweiligen Kaiserdynastie und des Zentralstaats unabghängig und wurde von den dort lebenden Völkern selbst verwaltet. Oder sie wechselte den Besitzer. Zur Zeit der letzten Kaiserdynastie der Qing herrschte die Dsungar-Mongolendynastie über Xiyu. Um die ungeliebten Herrscher loszuwerden, wandten sich die Turkvölker Xinjiangs an den Qing-Hof. Dieser schickte Krieger, die die Mongolen nach langen brutalen Kämpfen besiegten. Die Einwohner Xinjiangs wurden danach als Vasallen des chinesischen Qing-Reichs regiert.

Im Jahr 1884 wurde die Region dann in Xinjiang umbenannt, was „Neue Grenze“ bedeutet. Auch gegen die Qing gab es immer wieder Aufstände der Uiguren und anderer Völker der Region. In den Wirren des Endes der letzten Kaiserdynastie der Qing war Xinjiang phasenweise sich selbst überlassen, 1933 gründeten Aufständische in Kashgar das kurzlebige „Ostturkestan“, dem bereits nach einem Jahr chinesische Warlords ein Ende bereiteten. Nach dem Bürgerkrieg zu Anfang des 20. Jahrhunderts und der Machtübernahme der Kommunistischen Partei Chinas unter Mao Zedong im Jahr 1949 fiel Xinjiang auch formal wieder unter die Kontrolle Pekings. Sechs Jahre später gründete die Volksrepublik China das heutige uigurische autonome Gebiet Xinjiang mit Ürümqi als Hauptstadt.

Seither ziehen immer mehr Han-Chinesen nach Xinjiang - manche freiwillig, andere auf Geheiß der Partei. Dadurch verschiebt sich allmählich trotz des Kinderreichtums der Uiguren die Balance der Bevölkerung. Die verbreitetste Religion ist allerdings immer noch der Islam, dem vor allem die Uiguren und die Hui diesem Glauben folgen. Etwa 60 Prozent der Bewohner Xinjiangs sind Muslime. Die Han-Chinesen sind entweder kommunistisch-atheistisch und hängen dem Buddhismus oder Volksreligionen wie dem Daoismus an.

Xinjiang: Wirtschaft

Die Wirtschaft in Xinjiang ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Vor allem die Produktion von Baumwolle spielt in der Region eine große Rolle. Ungefähr 85 Prozent der Baumwolle Chinas wird dort angebaut. Das sind zugleich mehr als ein Fünftel der weltweiten Produktion. Das Pflücken geschieht in den meisten Fällen per Hand und ist eine sehr schwere körperliche Arbeit, die zumeist von uigurischen Arbeiter:innne erledigt wird. Zuletzt kamen Vorwürfe auf Basis seriöser Forschungsberichte auf, dass Uiguren zur Zwangsarbeit unter anderem im Baumwollsektor verpflichtet werden. China weist die Vorwürfe zurück.

Unter der Erde Xinjiangs lagern zudem viele Rohstoffe, vor allem unter der Taklamakan-Wüste. Die autonome Region besitzt eine der höchsten Konzentrationen von fossilen Energievorräten in China. Daher ist dort der Öl-, Gas- und Kohlesektor ebenfalls sehr ausgeprägt. Der Abbau und die Produktion dieser Bodenschätze trägt einen wesentlichen Teil zur Wirtschaftsleistung bei, so dass Xinjiang trotz seines relativ niedrigeren Entwicklungsstand andere Provinzen beim Pro-Kopf-Einkommen überholt hat. Von diesem Aufschwung profitieren allerdings vorwiegend die in diesen Sektoren beschäftigten Han-Chinesen.

Xinjiang ist seit jeher Chinas Tor zum Westen. Die historische Seidenstraße führte durch das Gebiet - und nun soll sich auch Chinas Infrastrukturpogramm Neue Seidenstraße durch Xinjiang ziehen.

Seit 2016 ließ Peking den Sicherheitsapparat Xinjiangs massiv ausbauen. In diesem Zusammenhang wurden zwar auch neue Arbeitsplätze für Uiguren geschaffen - doch zugleich auch die umstrittenen Lager, die Peking als Ausbildungszentren beschreibt. Außerdem werden die privatwirtschaftlichen Aktivitäten der Uiguren, aber auch der Han-Chinesen, durch die vielen Kontrollen stark beeinträchtigt.

Xinjiang: Die aktuelle Lage der Uiguren

Da in der Region Xinjiang viele verschiedene Religionen und Nationalitäten zusammenwohnen, kam es dort in der Vergangenheit nicht selten zu politischen und ethnischen Konflikten. Immer wieder gab es mehr oder weniger intensive Autonomiebestrebungen unter den Uiguren; auch nahm ihre Religiosität in der Zeit nach 2001 zu. Problematisch ist, dass die Uiguren einen schlechteren Zugang zu Bildung und Kapital besitzen als die Han-Chinesen und unter Diskriminierung und Misstrauen leiden. Gründe dafür sind neben der Religion auch Sprachbarrieren und unterschiedliche politische Loyalitäten.

Die chinesische Regierung hat daher von Anfang an darauf gesetzt, Unruhen unter den Minderheiten zu unterbinden. Schon im Jahr 1954 sollten kommunistische Produktionsbrigaden die Kontrolle über die Uiguren gewährleisten. Xinjiang wird trotz des Status als Autonome Region weitgehend von Peking aus gesteuert. Auch uigurische Funktionäre sind Mitglieder der KP und unterstützen deren Kurs in ihrer Heimatregion. Die uigurische Flagge ist verboten, die Ausübung der Religion wird streng überwacht.

Immer wieder gab es Unruhen unter der uighurischen Bevölkerung sowie einzelne Anschläge kleiner islamistischer Gruppen in China. Im Jahr 2009 entluden sich die Spannungen in anti-chinesischen Unruhen in Ürümqi mit vielen Verletzten. In der Folge zog China die Daumenschrauben immer mehr an. Das Internet wird stärker kontrolliert; an öffentlichen Plätzen wurden Kameras installiert. Seit einigen Jahren gibt es seriöse Berichte, dass Hunderttausende Uiguren in Umerziehungslagern interniert seien. Auch werden manche von ihnen demnach zur Zwangsarbeit etwa bei der Baumwollernte verpflichtet. China weist diese Vorwürfe zurück und bezeichnet die Lager als Ausbildungszentren und Anti-Terror-Maßnahme. Forderungen nach Zugang etwa für die Vereinten Nationen lehnte China bisher ab.

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