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„Sturmfest und erdverwachsen“? Die Bundespolitik beäugt neugierig Yasmin Fahimi.

Yasmin Fahimi

Sie ist die Generalin aus dem Nichts

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Berlin - Sie ist weiblich, für die Politik noch jung und Gewerkschaftssekretärin: Yasmin Fahimi aus Hannover wird neue SPD-Generalsekretärin. Sogar die eigene Partei rätselt: Wer ist das? Und was qualifiziert sie?

Von der Frau aus dem Nichts existieren nur vage Spuren. Einmal, es muss bald ein Jahrzehnt her sein, beschrieb Yasmin Fahimi auf der Internet-Plattform „Xing“ ihre Interessen. „Ich biete: Politikberatung“ und „strategische Kommunikation“, tippte sie. „Ich suche: Politik“. Gut, die hat sie jetzt gefunden. Und zwar ganz oben: Fahimi wird neue SPD-Generalsekretärin. Die Republik staunt und versucht, sich aus Schnipseln wie diesem ein Bild zusammenzufügen.

Diplom-Chemikerin, 46 Jahre alt, das weiß man inzwischen. Sie wurde in Hannover als Tochter eines Iraners und einer Deutschen geboren. Mit 17 trat sie in die SPD ein, engagierte sich in ihrer Heimatstadt bei den Jusos, durchlief die Führungsakademie der SPD. Fahimi wollte Politik als Beruf, scheiterte aber mit einer Kandidatur für Niedersachsens Landtag.

Für viele SPD-Aktive greift dann Plan B: die Gewerkschaft. Fahimi legte eine gute Karriere bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie hin. 2005 stieg sie in die Vorstandsetage auf. Als Leiterin der Grundsatzabteilung ist sie zuständig für politische Planung, für Modernisierung der IG  BCE und für die Kampagne „Gute Arbeit“. Auch ihr Privatleben ist vom Gewerkschaftsalltag geprägt: Ihr Lebensgefährte ist Michael Vassiliadis – IG BCE-Chef.

Sie wäre dort geblieben, hätte SPD-Chef Sigmar Gabriel nicht den Tipp bekommen, an die flüchtige Bekannte zu denken. Gabriel suchte seit Dezember eine Generalin. Eine Frau – das war die Proporz-Vorgabe, seit er seinen Kandidaten, den Parteilinken Ralf Stegner, nicht durchgebracht hatte. Der Name Fahimi wurde fortan ab und zu leise durch Berlin geraunt. Beobachter zweifelten aber, weil ein Generalsekretär doch politische Erfahrung mitbringen müsste, Stallgeruch. Vorgängerin Andrea Nahles ging schon Jahre vor ihrer Generalszeit in der Parteizentrale ein und aus.

All das fehlt Fahimi, die am 26. Januar offiziell ins Amt gewählt werden soll. „Sie kennt die Partei kaum“, sagt ein Genosse. Im Willy-Brandt-Haus warteten Fettnäpfchen und Fallstricke. Auch die Medien zögern. Die „FAZ“ etwa trauert Stegner nach: „Das Leid der Volksparteien hat auch damit zu tun, dass aus ihren ,Generälen‘ doch recht fade Feldwebel geworden sind.“

Zudem rätselt die SPD, wo Fahimi politisch steht. Sie machte im rot-grünen Projekt „Denkwerk Demokratie“ mit, das nach der Finanzkrise über eine soziale, ökologische und demokratische Zukunft grübeln wollte. Die Organisation, in deren Vorstand auch Nahles und die Grüne Steffi Lemke sitzen, gilt als linke Denkfabrik. Andere zählen Fahimi zur pragmatischen niedersächsischen SPD-Connection. Ja, was denn nun?

Fehlender Stallgeruch, diffuse politische Einordnung – Fahimi werde das durch ihre Eigenschaften wettmachen, sagt ein Bekannter. Sie wird als intelligent, äußerst angriffslustig und gut organisiert beschrieben. „Ein blitzgescheiter Kopf, sie kann strategisch denken“, sagt Bayerns SPD-Chef Florian Pronold, der sie aus Juso-Zeiten wenigstens ein bisschen kennt.

Für die SPD ist die Berufung dennoch ein Risiko. Fahimi kriegt keine Schonzeit und einen Haufen Arbeit. Gabriel hat als Vizekanzler für Parteisachen weniger Zeit als bisher, ganz befriedet ist die SPD-Basis aber längst nicht. Ein unerfahrener General kann ausrutschen auf der Bühne Berlin, wo jedes falsche Wort einen Sturm auslösen kann. CSU und CDU, die sich auch neue Generale suchen mussten, wählten deshalb bewusst Abgeordnete, die viel in Berlin präsent sind und die Abläufe kennen.

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Fahimi sei, so hofft CSU-Mann Andreas Scheuer unter Berufung auf das Lied der Niedersachsen, „sicher sturmfest und erdverwachsen“. Die GroKo-Generale hätten viel zu tun. Immerhin: Er bietet ihr „ein kollegiales und vertrauensvolles Miteinander an“.

In Bayern gibt es sogar ein kleines Vorbild für Fahimis Raketenstart: Bayerns SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen war zuvor gerade mal Ortsvorsitzende, bis sie ins Parteiamt aufstieg. „Einfach ist die Aufgabe nicht“, sagt Kohnen über Fahimi. Der Quereinstieg ohne Mandat könne aber „frischen Wind reinbringen. Das macht Dich manchmal ein bisschen frei.“

Von Christian Deutschländer, Georg Ismar und Tim Braune

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