Yoshihide Suga, Japans designierter neuer Regierungschef, nimmt an einer Pressekonferenz teil
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Yoshihide Suga ist seit September 2020 der japanische Premierminister und Vorsitzender der Liberaldemokratischen Partei (LDP)

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Yoshihide Suga: Leben und Karriere des Premierministers von Japan

Als Sohn eines Farmer-Paares hatte Yoshihide Suga schon immer das Gefühl, dass er für Größeres bestimmt war. Damit sollte er Recht behalten. 

  • Yoshihide Suga ist seit September 2020 der japanische Premierminister und Vorsitzender der Liberaldemokratischen Partei (LDP).
  • Damit trat er die Nachfolge von Shinzō Abe, für den er davor jahrelang als Chefkabinettssekretär arbeitete.
  • Der Politiker wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und arbeitete in einer Pappkarton-Fabrik, um sich seine Studiengebühren leisten zu können.

Der japanische Premierminister Yoshihide Suga wurde am 6. Dezember 1948 als ältester Sohn des Landwirts Saburō Suga im Dorf Akinomiya im Landkreis Ogachi der Präfektur Akita geboren. Seine Eltern waren Erdbeer-Farmer und er wuchs mit drei Geschwistern auf. Der Politiker besuchte die Yuzawa Highschool und wohnte im Winter in einem Internat nahe seiner Schule, da er aufgrund der Schneemassen nicht nach Hause reisen konnte. Nach seinem Schulabschluss zog er nach Tokyo. Dort studierte er abends Jura an der Hosei Universität, während er tagsüber in einer Pappkarton-Fabrik in Tokyo arbeitete, um sich die Studiengebühren leisten zu können. Er habe sich für diese Hochschule entschieden, weil sie die billigste war. 1973 schloss er sein Studium erfolgreich ab.

Nach seinem Universitätsabschluss entschloss Suga sich gegen eine Rückkehr in die ländliche Heimat und begann stattdessen, bei einer privaten Firma zu arbeiten. Immer klarer wurde dabei seine Idee, in die Politik zu gehen. Sodann ließ er durch seine Hochschule einen Kontakt zum Abgeordneten und späteren Wirtschaftsminister Hikosaburō Okonogi herstellen, der ihn 1975 als Sekretär einstellte.

Yoshihide Suga: Politische Anfänge und Werdegang

Nachdem Yoshihide Suga seinen ersten politischen Kontakt hergestellt hatte, kam seine Karriere immer mehr ins Rollen. Elf Jahre lang arbeitete er als Sekretär für Hikosaburō Okonogi, bevor er die Stelle im Oktober 1986 aufgab, um sich auf seine eigenen politischen Ambitionen zu konzentrieren. Mit Erfolg: 1987 wurde er zum Stadtrat von Yokohama gewählt. Für seinen Wahlkampf besuchte er rund 30.000 Häuser und lief dabei sechs Paar Schuhe durch. 

1996 konnte Suga einen weiteren großen Erfolg verbuchen: Er wurde als Kandidat der Liberaldemokratischen Partei (LDP) in das japanische Unterhaus gewählt und repräsentierte dort den 2. Wahlkreis Kanagawa. Seitdem wurde er achtmal wiedergewählt. Drei Jahre später sorgte der Politiker bei der Wahl des LDP-Parteichefs für Aufsehen, als er seine Unterstützung nicht etwa seinem Faktions-Vorsitzenden Keizo Obuchi aussprach, sondern dem Veteranen Seiroku Kajiyama – ein ungewöhnlicher Schritt für einen jungen Abgeordneten. Nachdem Kajiyama bei der Wahl verlor, trat Suga stattdessen dem Kōchikai bei, einer der größten und ältesten LDP-Faktionen.

Im November 2005 wurde der Politiker zum Vizeminister im Ministerium für Innere Angelegenheiten und Kommunikation. Ein Jahr später bekam er vom neuen Premierminister Shinzō Abe den Ministerposten und kümmerte sich fortan auch um die Privatisierung der Post sowie die Reform der Beziehungen zwischen der Zentralregierung und den Gebietskörperschaften. 2007 wurde Suga zum Vorsitzenden der LDP-Wahlstrategiekommission. Seinen rebellischen Charakter bewahrte er sich jedoch und stimmte 2007 für den Ikōkai- statt Kōchikai-Spitzenkandidaten als LDP-Vorsitzenden. Als sein Favorit erneut als Verlierer aus dem Rennen hervorging, musste Suga die Konsequenzen tragen und seinen Posten als Vorsitzender der Wahlstrategiekommission räumen.

Yoshihide Suga: Seine Karriere als Chefkabinettssekretär

Ab den späten 2000ern baute Yoshihide Suga ein freundschaftliches Verhältnis zu Shinzō Abe auf, der im Dezember 2012 zum japanischen Premierminister wiedergewählt wurde. Daraufhin berief er Suga als Chefkabinettssekretär in seine Regierung. Mit dieser Position sollte der Politiker einen Rekord aufstellen: Mit 2.820 Tagen im Amt ist er mit Abstand der japanische Chefkabinettssekretär mit der längsten Amtszeit. In dieser Rolle war er ein enger Berater Abes und übernahm eine aktive Manager-Rolle in der Regierung. Außerdem half er mit dem neugegründeten Kabinettsbüro für Personalangelegenheiten dabei, Beamten- und Ministerposten zu vergeben und glättete Wogen innerhalb des Kabinetts. Er leistete einen großen Beitrag dazu, internationale Touristen wie Arbeiter nach Japan zu locken und setzte trotz Widerstands in seiner Partei durch, dass auch ungelernte internationale Arbeiter nach Japan kommen konnten. Außerdem führte er eine Reduzierung der Telefonfunk-Gebühren ein.

Internationale Berühmtheit erlangte Suga, als er am 1. April 2019 den Namen der neuen Ära verkündete, Reiwa, die mit der Thronbesteigung von Kaiser Naruhito begann. Während er davor ein eher unauffälliges Mitglied der Regierung war, brachte ihm die Ehre viel öffentliche Aufmerksamkeit und den Namen ‚Onkel Reiwa‘ ein. Auch innerhalb der LDP wurde er plötzlich als möglicher Kandidat für das Amt des Parteichefs betrachtet. Im Mai 2019 reiste Suga für ein Treffen mit dem US-Vizepräsidenten Mike Pence in die USA und unterstütze damit Spekulationen, wonach er Abes Nachfolger werden könnte.

Yoshihide Suga: Aufstieg zum Premierminister von Japan

Im August 2020 gab Shinzō Abe aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt als Premierminister Japans bekannt. Als Favorit auf sein Amt galt Yoshihide Suga, der ihm jahrelang treu zur Seite gestanden hatte. Dabei sicherte sich der Politiker auch die Unterstützung des Vizepräsidenten Tarō Asō sowie des LDP-Vorsitzenden Toshihiro Nikai. Auch die zwei größten Faktionen der LDP und Abe selbst standen hinter Suga. Seine Haupt-Konkurrenten waren Shigeru Ishiba, der ein Gegner Abes war, und der ehemalige Außenminister Fumio Kishida. Am Ende gewann Suga die Wahl mit überwältigenden 70 Prozent und 377 von 534 Stimmen. Am 16. September 2020 wurde er im Amt des Premierministers vereidigt.

Als politischen Schwerpunkt nannte Suga unter anderem die Eindämmung der Coronavirus-Pandemie und einer weiteren Lockerung der Vorschriften, um die Wirtschaft zu stärken. Außerdem wolle er die Wirtschafspolitik seines Vorgängers fortsetzen, die auch als ‚Abenomics‘ bekannt ist. Auch eine Stärkung regionaler Banken und eine Senkung von Mobilfunkgebühren gehören zu Sugas politischen Zielen als Premierminister.

Rund einen Monat nach seiner Wahl gab der Regierungschef das Ziel Japans bekannt, bis 2050 klimaneutral zu sein. Davor hatte das Land lange davon abgesehen, einen konkreten Termin für sein Klimaziel zu nennen. Damit folgt Japan der EU, die ebenfalls bis 2050 CO2-neutral sein will. Dies könnte eine Herausforderung für die Wirtschaftsmacht darstellen, ist sie doch der fünftgrößte Produzent von Kohlenstoffdioxid.

Yoshihide Suga: Die Außenpolitik des neuen Premierministers

Im Oktober 2020 trat Yoshihide Suga seine erste offizielle Dienstreise im Amt an und besuchte Vietnam und Indonesien. Dies entspricht seiner Intention, die japanischen Beziehungen mit Südostasien zu stärken. Berichten zufolge soll er einen Vertrag absegnen, wonach Japan Vietnam fortan mit Waffen beliefert. Mit dieser Strategie soll verhindert werden, dass China zu viel Macht in Asien gewinnt. Sein Vorgänger Abe hatte 2014 das Waffen-Export-Verbot aufgehoben, das davor jahrzehntelang in Kraft war und den pazifistischen Charakter Japans unterstrich. Allerdings tat sich das Land bisher schwer damit, einen Abnehmer für seine Exporte zu finden.

Obwohl China Japans wichtigster Handelspartner ist, sind die Beziehungen zwischen den Ländern geschichtsbedingt angespannt. In Japan wird die zunehmende Dominanz Chinas mit viel Sorge betrachtet – umso vielversprechender ist ein Bündnis mit anderen südostasiatischen Nachbarn. Damit führt Yoshihide Suga die Vision seines Vorgängers Shinzō Abe fort, einen „freien und offenen Indopazifik“ zu gestalten.

Yoshihide Suga: Familie und Privatleben

Yoshihide Suga hat zusammen mit seiner Frau Mariko drei Söhne. Das Paar lernte sich kennen, als der Premierminister als Sekretär im Büro von Hikosaburo Okonogi arbeitete. Mariko ist die Schwester eines ehemaligen Arbeitskollegen Sugas. Japans First Lady besitzt eine zurückhaltende Natur und soll anfangs wenig begeistert auf die politischen Aspirationen ihres Mannes reagiert haben, Vorsitzender der LDP zu werden.

Suga verfolgt eine Fitnessroutine, die aus 100 Sit-ups und 40 Minuten zügigem Spazierengehen morgens und 100 Sit-ups abends besteht. Damit begann er, nachdem ein Arzt ihm dazu riet, Gewicht zu verlieren. Innerhalb von vier Monaten trainierte er 14 Kilo herunter. Außerdem liest Suga jeden Morgen alle großen Zeitungen des Landes, um informiert zu bleiben. Von Alkohol hält sich der Politiker komplett fern. Allerdings ist er eine bekennende Naschkatze und gönnt sich drei- bis viermal pro Woche eine süße Leckerei. Sein Lieblingsgericht ist Pfannkuchen. 2008 stand Suga zusammen mit seiner Frau in der Schlange zum australischen Bills-Restaurant an, das gerade neu in Japan aufgemacht hatte, um Ricotta-Pfannkuchen zu essen.

Für seine Zeit nach seinem politischen Amt hat sich Suga vorgenommen, in die Philippinen zu reisen, um dort drei Monaten einen Englisch-Sprachkurs zu machen. Danach würde er gerne eine ein- bis zweijährige Weltreise machen. 

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