Härteres Vorgehen der bayerische Behörden

Zahl der Abschiebungen fast verdreifacht

München - Die Zahl der Flüchtlinge steigt - und auch die Zahl der Abschiebungen. Die Behörden gehen inzwischen härter gegen abgelehnte Asylbewerber vor.

Die bayerischen Behörden schieben seit Jahresbeginn sehr viel mehr abgelehnte Asylbewerber ab als zuvor. Von Anfang Januar bis 28. Mai wurden 1216 Ausländer in ihre Heimat zurückgeschickt, wie das Innenministerium in München auf Anfrage mitteilte. Das waren bereits mehr als im ganzen Jahr 2014, als 1007 Menschen von den Behörden zwangsweise in ihre Heimatländer ausgeflogen worden waren.

Die Hauptherkunftsländer der abgeschobenen Asylbewerber waren und sind sämtlich europäische Staaten. An erster Stelle liegt derzeit unverändert Serbien, gefolgt von Kosovo, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und dem EU-Mitgliedsland Rumänien. Nimmt man die ersten vier Monate des Jahres als Vergleichsmaßstab, hat sich die Zahl der Abschiebungen binnen Jahresfrist fast verdreifacht: Von Anfang Januar bis Ende April 2014 hatte es 268 Abschiebungen gegeben, im gleichen Zeitraum dieses Jahres dagegen 780.

Das erhöhte Abschiebungstempo ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Zahl der Asylbewerber vom Westbalkan sehr stark gestiegen ist - was bei einer Anerkennungsquote von nahezu null quasi automatisch zu mehr Abschiebungen führt.

Darüber hinaus hatte der Bund im September 2014 Serbien, Bosnien und Mazedonien zu „sicheren Drittstaaten“ erklärt - mit dem ausdrücklichen Ziel, Asylbewerber aus diesen Länder schneller ihre Heimat „rückführen“ zu können. Abgelehnte Asylbewerber aus den Westbalkanstaaten werden nicht einzeln zurückgeschickt, sondern in größeren Gruppen per „Sammelabschiebung“.

Die Abschiebung ist indes nicht der Regelfall. Sehr viel mehr abgelehnte Asylbewerber verlassen Bayern mehr oder minder freiwillig, zumindest ohne Zwangsmaßnahmen. 2014 reisten laut Innenministerium 4346 Ausländer freiwillig aus, davon ein knappes Drittel mit finanziellem Zuschuss.

Einen Einfluss auf den rasanten Anstieg der Asylbewerberzahlen hatte das härtere Vorgehen der Behörden zumindest bis Ende April nicht. Bis Ende April gab es nach den Zahlen des Sozialministeriums bereits über 16 000 neue Asylanträge in Bayern, davon knapp die Hälfte aus dem Kosovo und Albanien. Flüchtlinge aus den unter Bürgerkrieg und islamistischem Terror leidenden Kriegs- und Krisengebieten in Syrien, Nigeria und Afghanistan waren in der Minderheit - sie stellten ein knappes Viertel der Asylanträge.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Asylstreit: Merkel sucht unter Hochdruck europäische Lösung
Der Streit in der Union über Zurückweisungen an den Grenzen ist nur vertagt. Kanzlerin Merkel hat jetzt zwei Wochen Zeit, um in der EU bilaterale Asylabkommen zu …
Asylstreit: Merkel sucht unter Hochdruck europäische Lösung
Tunesier in Köln soll deutlich größere Menge an Gift-Samen gelagert haben
Laut einem Medienbericht soll der Tunesier, der in Köln hochgiftiges Rizin hergestellt haben soll, deutlich mehr giftige Samen besessen haben, als bisher bekannt …
Tunesier in Köln soll deutlich größere Menge an Gift-Samen gelagert haben
Merkel spricht auf Berliner Klimaschutz-Konferenz
2010 hatte Merkel den "Petersberger Klimadialog" selbst ins Leben gerufen, um den Kampf gegen den Klimawandel zu forcieren. Nun hinkt Deutschland beim CO2-Sparen …
Merkel spricht auf Berliner Klimaschutz-Konferenz
Asylstreit mit Merkel: Kanzlerin zeigt Seehofer die Grenzen auf - der stichelt weiter
Die Asyl-Krise zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer spitzt sich zu. Zwei Wochen hat die Kanzlerin nun Zeit, um einen Bruch abzuwenden. Alle Entwicklungen rund um …
Asylstreit mit Merkel: Kanzlerin zeigt Seehofer die Grenzen auf - der stichelt weiter

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.