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Schreibtisch in einer Behörde: Dem öffentlichen Dienst fehlen immer mehr Mitarbeiter, offene Stellen sind nicht zu besetzen. Foto: Patrick Pleul

Arbeitgeber Bund

Zahl unbesetzter Stellen im öffentlichen Dienst steigt

Kitas dicht, Mülltonnen voll und der Bus kommt nicht - Warnstreiks im öffentlichen Dienst bekommt fast jeder zu spüren. Nun bekommen die Gewerkschaften neue Munition: Immer mehr Stellen im Bund sind nicht besetzt.

Berlin (dpa) - Die Zahl der unbesetzten Stellen im öffentlichen Dienst des Bundes ist weiter gestiegen. Mehr als 34.700 Stellen waren 2017 nicht besetzt, wie die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag mitteilte. Das waren rund 2000 mehr als 2016 und knapp 3500 mehr als 2015.

In mehreren Bundesländern gab es in den vergangenen Tagen Warnstreiks. Die Gewerkschaften fordern für die 2,3 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in Bund und Kommunen sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat. Die Arbeitgeber lehnen den geforderten Mindestbetrag ab.

Bundesweit haben sich nach Angaben der Gewerkschaft Verdi rund 70.000 Beschäftigte an den Arbeitskampfmaßnahmen beteiligt. Über Ostern ist eine Streikpause geplant, danach plant Verdi bundesweit Ausstände in allen Bereichen des öffentlichen Dienstes.

"Der Bund ist als Arbeitgeber offenbar immer weniger gefragt", sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Sabine Zimmermann, der Deutschen Presse-Agentur. Das hänge auch mit der Vergütung zusammen. Zudem vergrößerten unbesetzte Stellen die Arbeitslast der übrigen Beschäftigten und den Stress. "Man muss deshalb auch einmal anerkennen, was die Beschäftigten jeden Tag leisten", sagte Zimmermann.

Die Arbeitgeberseite sei "dringend gefordert, den öffentlichen Dienst auf der Bundesebene attraktiver zu gestalten", sagte auch der Vorsitzende des Beamtenbunds dbb, Ulrich Silberbach, der dpa. Zwar sei der Bereich führend bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber "weit hintenan" im Wettbewerb um Fachkräfte mit der freien Wirtschaft. Er forderte ein Einkommensplus und eine Reduzierung der Arbeitszeit. Arbeitskräfte fehlten "über die gesamte Palette des Bundesdienstes".

Zu den unbesetzten Stellen in den Ländern und Kommunen kann der Bund keine Angaben machen. Nach Einschätzung des dbb fehlen dort aber besonders viele Arbeitskräfte, vor allem im Bereich Bildung und Erziehung. Demnach wurden Anfang des Jahres allein 130.000 zusätzliche Erzieher benötigt und 32.000 Beschäftigte an Schulen.

"Wer gute Fachkräfte braucht, muss sie auch anständig bezahlen. Das gilt ganz besonders für den Bildungsbereich", sagte Zimmermann. Die Pläne der großen Koalition, Investitionen des Bundes in die Bildungsinfrastruktur der Kommunen zu erlauben, griffen zu kurz.

Warnstreiks gab es in den vergangenen Tagen unter anderem im öffentlichen Nahverkehr, in Jobcentern, Sparkassen, Kindertagesstätten, Stadtverwaltungen und Entsorgungsbetrieben. Außer den sechs Prozent mehr Geld fordern die Gewerkschaften, dass die Ausbildungsvergütungen und Praktikantenentgelte um 100 Euro pro Monat steigen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für Mitte April anberaumt. In dem Tarifkonflikt geht es um die Beschäftigten beim Bund und bei den Kommunen, nicht bei den Bundesländern.

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