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Afghanistan-Zapfenstreich erhitzt Gemüter - Politiker reagieren teils empört: „Was soll Ritual aus NS-Zeit?“

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Von: Fabian Müller

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Großer Zapfenstreich
Großer Zapfenstreich zum Ende des Afghanistan-Einsatzes. © Christophe Gateau/dpa

Der Große Zapfenstreich sorgt in den sozialen Medien für Aufruhr. Politiker reagieren teils entsetzt und betonten, es gebe angesichts der vielen Toten in Afghanistan nichts zu feiern.

Berlin - Die Bilder von Soldaten mit Fackeln vor dem Reichstagsgebäude haben im Internet eine Welle des Protests ausgelöst. Der Große Zapfenstreich zur Würdigung des Bundeswehreinsatzes sollte eigentlich eine festliche Veranstaltung sein. Doch eine Reihe von Politikerinnen und Politikern aber auch öffentlichen Personen fühlten sich durch die Szenen an dunkle Kapitel der deutschen Geschichte erinnert.

Hans-Christian Ströbele, langjähriges Mitglied des Bundestages für die Grünen, schrieb beispielsweise: „Was soll das militaristische Ritual aus Preußen und NS-Zeit.“ In dem Krieg seien über 175.000 Menschen verstorben, meist Zivilisten. „Nichts ist gut in Afghanistan. Was gibts da zu feiern?“

Debatte um Großen Zapfenstreich: Kritik an Ritual ist groß

Auch die Linke-Außenpolitikerin Sevim Dagdelen verwies auf die zivilen Opfer des Afghanistan-Krieges und die 59 Bundeswehr-Soldaten, die in Afghanistan ihr Leben ließen. „Was gibt es da zu feiern mit diesem militaristischen Mummenschanz?“, fragte sie ebenfalls auf Twitter. Moderator Jan Böhmermann schrieb: „Die Bundeswehr drückt der dummen „Gesellschaft“ jetzt so lange mit Gewalt richtig geile Reichstagsfackelmärsche in die Synapsen, bis ihr Verhältnis zur demokratischen Republik nicht mehr ~irgendwie seltsam~ ist!“

Mehrere Verteidigungspolitiker reagierten irritiert. „Zeremoniell war in Form, Würde & am einzig richtigen Ort (Parlamentsarmee vor Parlament) absolut angemessen“, kommentierte die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. „Manchmal verstehe ich Twitter echt nicht mehr“, schrieb der Grünen-Politiker Tobias Lindner. Der Hashtag „#Zapfenstreich“ lag zeitweise am Donnerstagmorgen auf Platz zwei der Twitter-Trends für Deutschland.

Großer Zapfenstreich vor dem Reichstag: Verteidigungsministerium reagiert ernüchtert

Das Bundesverteidigungsministerium hat mit Ernüchterung auf die Kritik am Zapfenstreich reagiert. „Debatte ist notwendig und wichtig. Vergleiche mit dem dunkelsten Kapitel Deutschlands enttäuschen uns“, schrieb das Ministerium am Donnerstag auf Twitter. Die Bundeswehr sei eine Parlamentsarmee. „Als diese hat sie ihren Platz inmitten der Gesellschaft - bei besonderen Anlässen auch vor dem Reichstagsgebäude.“

Bundestag und Bundesregierung hatten den etwa 90.000 in Afghanistan eingesetzten Männern und Frauen der Bundeswehr am Mittwoch für ihren schwierigen Einsatz gedankt. Auf einen Abschlussappell vor dem Verteidigungsministerium folgte vor dem Reichstagsgebäude ein Großer Zapfenstreich, das höchste militärische Zeremoniell der deutschen Streitkräfte. Anwesend waren am Mittwoch Vertreter der fünf Verfassungsorgane, darunter auch Kanzlerin Angela Merkel.

Video: Großer Zapfenstreich vor dem Reichstagsgebäude zu Afghanistan-Einsatz

Die Ursprünge des Zapfenstreichs gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Mit dem Brauch werden heute etwa Bundespräsidenten und Bundeskanzler sowie Verteidigungsminister bei ihrer Verabschiedung geehrt. Das Zeremoniell findet immer abends statt, besteht aus einem Aufmarsch, mehreren Musikstücken - darunter die Nationalhymne - und dem Ausmarsch. Zum Großen Zapfenstreich gehören immer auch Fackelträger. Vor dem Reichstagsgebäude gab es einen Großen Zapfenstreich etwa 2015 zum 60-jährigen Bestehen der Bundeswehr. (dpa/fmü)

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