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Vorwürfe gegen Sitcom-Autorin: Zentralrat der Juden stellt ZDF bohrende Fragen - Sender antwortet

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Von: Markus Hofstetter

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Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland
Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, kritisiert in Briefen an den ZDF und den WDR den Umgang der Sender mit Antisemitismus  © Malte Ossowski/SVEN SIMON/imago

Der Präsident des Zentralrats der Juden zeigt sich besorgt über den Umgang des ZDF und des WDR mit Antisemitismus. Die Sender verteidigen sich.

Berlin - Kurz nachdem der WDR die Journalistin Nemi El-Hassan nach Antisemitismus-Vorwürfen vorläufig aus dem Programm verbannt hat, droht einem anderen öffentlich-rechtlichen Sender Ungemach. Wie die Bild berichtet, kritisiert Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, in einen Brief an den ZDF-Intendanten Thomas Bellut den Umgang des Hauses mit Antisemitismus.

In dem Schreiben vom 13. Oktober wirft Schuster dem Sender vor, eine Journalistin zu beschäftigen, die „sich durch das Verbreiten antisemitischer und israelfeindlicher Ressentiments hervorgetan“ habe. „Menschen, die Antisemitismus verbreiten, dürfen keinen Platz beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben“, heißt es weiter. Ihn interessiere, wie Bellut gedenke, in diesem Fall zu verfahren und wie er generell mit vergleichbaren Fällen beim ZDF umgehe.

Zentralrat der Juden kritisiert ZDF: Intendant verteidigt Autorin

Im Mittelpunkt der Kritik steht Yasmin Ayhan, eine Autorin der ZDF-Sitcom „Barrys Barbershop“. Mehren Medien, darunter die Bild und die Berliner Zeitung, berichteten, dass Ayhan regelmäßig antisemitische Inhalte im Internet verbreitet und in diesem Jahr an einer anti-israelischen Demonstration teilgenommen hat.

In einem Antwortschreiben an Schuster verteidigt Bellut Ayhan. Sie habe erklärt, sie „kämpfe öffentlich gegen Antisemitismus seit Jahren“, zitiert die Bild. Die Autorin habe sich daher klar von antisemitischen Positionen distanziert. Der ZDF-Intendant erklärte weiter: „Wer eindeutig und öffentlich das Existenzrecht des Staates Israel in Zweifel zieht oder sich antisemitisch äußert – und dies nicht glaubhaft revidiert, kann nicht für das ZDF oder für Produktionen des ZDF arbeiten“.

Zentralrat der Juden warnt WDR: Anschuldigungen gegen El-Hassan nicht fallen lassen

Auch WDR-Intendant Tom Buhrow erhielt ein Schreiben von Schuster, in dem er laut Bild davor warnt, die Anschuldigungen gegen El-Hassan fallen zu lassen. Die Journalistin soll unter anderem vor mehreren Jahren an einer Al-Kuds-Demo in Berlin teilgenommen haben. Der Sender die Zusammenarbeit mit der Moderatorin vorerst ausgesetzt.

Schuster weist in seinem Brief darauf hin, dass die Verteidigung El-Hassans durch Israels Ex-Botschafter Avi Primor und Historiker Moshe Zimmermann nicht „als repräsentativ für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland gewertet werden könne“. Bei den Positionen von Primor und Zimmermann handele es sich um eine Minderheitenmeinung, die von der großen Mehrheit der Jüdinnen und Juden nicht geteilt werde. (mhof)

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