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Der ehemalige pakistanische Premierminister Nawaz Sharif ist zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Ins Rollen gekommen war die Affäre im vergangenen Jahr, nachdem Oppositionspolitiker Sharif und einige seiner Verwandten beschuldigt hatten, Staatsgelder veruntreut und gewaschen zu haben. Foto: Anjum Naveed/AP/Archiv

Panama-Papers-Enthüllungen

Zehn Jahre Haft für Pakistans Ex-Premier Nawaz Sharif

Dreimal war er Ministerpräsident. Er ist immer noch einer der mächtigsten Politiker Pakistans - nun soll Nawaz Sharif wegen Korruption hinter Gitter. Das kann auch aus Auswirkungen haben auf den Ausgang einer wichtigen Wahl in nur drei Wochen.

Islamabad (dpa) – Ein pakistanisches Gericht hat Ex-Premier Nawaz Sharif wegen Korruption zu zehn Jahren Haft verurteilt. Sharifs Tochter Maryam bekam eine Haftstrafe von sieben Jahren, wie ein Ankläger der Nationalen Rechenschafts-Behörde (NAB), Sardar Muzaffar Abbasi, bestätigte.

Zudem müsse Nawaz Sharif acht Millionen britische Pfund (rund neun Millionen Euro) Strafe zahlen. Seine Tochter Maryam soll zwei Millionen Pfund zahlen. Beide sind zurzeit in London, wo Sharifs krebskranke Frau behandelt wird. Seine Partei PML-N ließ aber am Nachmittag verlauten, Sharif werde unverzüglich zurückkehren und sich den Behörden stellen.

Ins Rollen gekommen war die Affäre im vergangenen Jahr, nachdem Oppositionspolitiker Sharif und einige seiner Verwandten beschuldigt hatten, Staatsgelder veruntreut und gewaschen zu haben. Es ging vor allem um die Finanzierung teurer Wohnungen in London. Die Oppositionspolitiker stützten ihre Vorwürfe auch auf Dokumente, die 2016 im Zuge der Panama-Papers-Enthüllungen über mutmaßlichen Steuerbetrug aufgetaucht waren. Dokumente zu Offshore-Firmen zeigten die Namen von Kindern von Sharif, nicht aber seinen eigenen.

Nawaz Sharif, der dreimal Ministerpräsident war und weiterhin als einer der mächtigsten Politiker des Landes gilt, wurde daraufhin im Juli 2017 vom Obersten Gerichtshof des Amtes enthoben. Im April 2018 verbannte das Gericht Sharif dann auf Lebenszeit auch aus dem Parlament. Die Entscheidung vom Freitag traf nun ein sogenanntes Rechenschaftsgericht, das den Korruptionsvorwürfen näher nachgehen sollte. Die Entscheidungen in zwei weiteren Fällen gegen Sharif und seine Familie stehen noch aus.

Sharif-Anhänger nennen die Gerichtsverfahren eine "politische Verschwörung". Das Urteil könnte Auswirkungen haben auf die Chancen von Sharifs Partei bei der Parlamentswahl am 25. Juli. Zudem hatten Gerichte in den vergangenen Wochen auch Außenminister Khawaja Asif von der PML-N seines Amtes enthoben und den ehemaligen PML-N-Minister Daniyal Aziz aus der Politik verbannt. Verfahren gegen zwei weitere PLM-N-Politiker laufen.

In Pakistan ist die Ansicht verbreitet, dass das mächtige Militär bei den Verfahren seine Hände im Spiel hat. Sharif und das Militär liegen in Fragen der Unabhängigkeit der Zivilregierung und bei außenpolitischen Themen - vor allem zum Umgang mit Erzfeind Indien - überkreuz. Sharifs politisches Ende gebe dem Militär mehr Einfluss, um das Land aus dem Hintergrund zu kontrollieren, sagen Analysten.

Das Urteil erging unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Rund 4000 Polizisten und mehrere Hundert Angehörige paramilitärischer Gruppen sicherten die pakistanische Hauptstadt aus Sorge vor gewalttätigen Protesten, wie ein örtlicher Beamter, Mohammed Naeem, sagte.

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