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Zehn Jahre Rechtschreibreform: Spaghetti künftig nur noch ohne "h"?

München - Vor zehn Jahren trat die neue Rechtschreibung an deutschen Schulen in Kraft. Seitdem wurde die umstrittene Reform mehrfach korrigiert. Wir sprachen mit Hans Zehetmair, Vorsitzender des Rechtschreibrates, über weitere Änderungen, sein schwierigstes Amt und den Unterschied zwischen "pleitegehen" und "Pleite machen".

-Zum zehnjährigen Jubiläum präsentiert die reformkritische Forschungsgruppe Deutsche Sprache unangenehme Zahlen. Danach hat sich die Fehlerquote bei Schülern drastisch erhöht. Hat die Reform ihr Ziel verfehlt?

Ich kann nicht beurteilen, inwieweit diese Zahlen zutreffen. Die Untersuchungen, die ich kenne, belegen, dass es an den Schulen keine Probleme gibt. Grundsätzlich gilt aber: Wenn so weitreichende Änderungen wie bei der Rechtschreibreform vorgenommen werden, dauert es natürlich einige Zeit, bis man sich daran gewöhnt hat.

-Die Rechtschreibreform ­ Fluch oder Segen?

Insgesamt ist die Rechtschreibreform sicher nicht verfehlt. Wenn, dann kann man die Frage stellen, ob die Reform überhaupt hätte gemacht werden sollen. Das ist aber Schnee von gestern. Ich habe die Verantwortung zu einem Zeitpunkt übernehmen müssen, als die Reform ziemlich unbefriedigende Ergebnisse aufwies. Es ist dann gelungen, einen Konsens herbeizuführen und vieles in die alte Regelung zurückzuführen. Für die Aufregung heute gibt es daher keinen Grund.

-Auf Druck des Rates für deutsche Rechtschreibung wurden einige umstrittene Schreibweisen wieder korrigiert. Sind weitere Änderungen zu erwarten?

Im Mittelpunkt stehen seit zwei Jahren nicht mehr Korrekturen, sondern die Beobachtung der deutschen Sprache. Zum Beispiel schauen wir, ob sich bei den Fremdwörtern gewisse Eindeutschungen durchsetzen. Ich denke da etwa an die "Spaghetti" ohne "h".

-Korrekturen sind aber nicht ausgeschlossen?

Änderungen sind möglich. Wir werden uns mit den Wörterbuchverlagen unterhalten, ob sie in der nächsten Ausgabe einzelne Änderungen übernehmen. Das ist ein ganz normaler Prozess.

-Die Schweizer Buch- und Zeitungsverlage gehen offenbar einen Schritt weiter. Sie denken über weitreichende Korrekturen nach.

Das mag sein. Ich selbst werde daran nicht mehr beteiligt sein. Sie können mir glauben: Noch einmal nehme ich diese Qual nicht auf mich.

-War der Vorsitz des Rechtschreibrates eine der schwierigsten politischen Aufgaben, die Sie bisher übernommen haben?

Wenn ich es nüchtern betrachte, war es wohl die verantwortungsvollste Aufgabe. Schließlich war der gesamte deutsche Sprachraum betroffen. Außerdem war die Situation, als ich 2004 das Amt übernahm, sehr verfahren.

-Werden Sie persönlich wegen der Reform noch angefeindet?

Nein. Natürlich gibt es noch Kritiker. Im Prinzip herrscht aber Zufriedenheit, dass wir wieder Ruhe haben.

-Können Sie mir kurz erklären: Warum schreibt man "pleitegehen" zusammen und "Pleite machen" auseinander?

Bei "Pleite machen" beinhaltet das "machen" die Frage: Was machen? Dagegen lautet die Frage bei "pleitegehen": Wie geht man? Das ist ein adjektivisches Verhältnis.

-Das klingt sehr kompliziert.

Es hat aber eine Logik. Das können Sie mir glauben.

-Schreiben Sie selbst nach der neuen oder alten Rechtschreibung?

Ich schreibe nach der neuen Rechtschreibung.

-Wie lange hat es gedauert?

Da ich an vorderster Front mit dem Thema befasst war, ging es relativ schnell.

-Wie lange bleiben Sie noch Vorsitzender des Rechtschreibrates?

Zunächst hat man mir bis 2010 die Bürde auferlegt. So lange muss ich auch noch am Steuer bleiben.

Das Interview führte Steffen Habit

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