„Nachtwölfe“ am sowjetischen Ehrenmal

Zehntausende erinnern an Ende des Zweiten Weltkriegs

Berlin - Vor 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Tausende erinnern daran in Berlin, unter ihnen auch die dem Kreml nahestehenden „Nachtwölfe“. Andere gingen gegen eine rechte Kundgebung auf die Straße.

Gedenken an das Ende des Weltkriegs in Europa und mahnende Worte gegen Rechts: In Berlin haben am Samstag Zehntausende Menschen an die Kapitulation Hitler-Deutschlands vor 70 Jahren erinnert. Vor den Sowjetischen Ehrenmalen in Treptow und in der Nähe des Brandenburger Tors legten Tausende Blumen und Kränze nieder. Am Kanzleramt demonstrierten Parteien und Initiativen gegen einen Aufzug rechtsgerichteter Gruppen vor dem Hauptbahnhof.

Die meisten Menschen zog es zum größten Ehrenmal in der Hauptstadt in Treptow. Dorthin kamen nach Schätzungen der Polizei rund 10.000 Menschen, darunter waren viele Russen. Botschafter verschiedener Länder legten rote Nelken nieder - in Gedenken an die Gefallenen. Unter ihnen war der russischen Botschafter in Deutschland, Wladimir Grinin. Er sagte, es sei wichtig an das Kriegsende zu erinnern - „für uns und für alle“.

Viele Menschen schwenkten russische Fahnen. Einige trugen Bilder von Gefallenen. Vor den Gedenktafeln lagen bergeweise Blumen. Anwesend waren auch Mitglieder und Sympathisanten des kremlnahen russischen Motorradclubs „Nachtwölfe“. Die Rocker wollten an diesem Samstag ihre umstrittene Tour von Moskau nach Berlin offiziell beenden.

Platzeck: Sowjetische Opfer sollen genauso Platz in der Erinnerung finden wie die Opfer des Holocausts

Mit Blick auf die Spannungen zwischen dem Westen und Russland wegen der Krise in der Ostukraine sagte der Leiter des Deutsch-Russischen Forums, Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Rande des Gedenkens, „wir sind sehr gut beraten, Dinge voneinander zu trennen“. Russland habe im Zweiten Weltkrieg den höchsten Blutzoll zu verzeichnen gehabt. Er wünsche sich, dass die sowjetischen Opfer genauso Platz in der Erinnerung finden wie die Opfer des Holocausts, erklärte Platzeck.

In Russland und den meisten Nachfolgestaaten der Sowjetunion wird am 9. Mai an die Kapitulation Hitler-Deutschlands erinnert. Der Beginn des Waffenstillstands am Ende des Zweiten Weltkriegs war nach der Unterzeichnung der Kapitulation vor den Westalliierten auf den 8. Mai 1945 um 23.00 Uhr MEZ festgelegt worden. Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel als Befehlshaber der Wehrmacht unterzeichnete die Kapitulation vor den Sowjets erst am 9. Mai - kurz nach Mitternacht.

Ohne größere Zwischenfälle verlief am Samstag zunächst eine Kundgebung von Rechtspopulisten und Neonazis im Regierungsviertel. 1000 Demonstranten waren angemeldet, laut Polizei erschienen 300 Personen. Bei den Gegendemonstranten zählte die Polizei 400 Teilnehmer. Die Polizei verhinderte einen Zusammenstoß rechter und linker Demonstranten.

dpa

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