+
Die G36-Gewehre von Heckler & Koch. Foto: Patrick Seeger/Archiv

Zeitung: Ministerium versuchte, Waffenbericht zu schönen

Berlin (dpa) - Im Verteidigungsministerium hat es offensichtlich den Versuch gegeben, Einfluss auf einen Expertenbericht zu Mängeln beim Gewehr G36 zu nehmen.

Ein Beamter habe darin im Sommer Formulierungen unterbringen wollen, denen zufolge es keine Präzisionsprobleme gebe, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf vorliegende Dokumente. Seit langem wird in der Bundeswehr mangelnde Treffsicherheit der heißgeschossenen Waffe beklagt.

Das Ministerium bezeichnete es auf Anfrage als "ganz normal, dass sich die verschiedenen Ebenen innerhalb der Bundeswehr in solchen Dingen abstimmen". Ein Sprecher sagte: "Die Vertuschungsvorwürfe sind absurd."

Die Wehrtechnische Dienststelle für Waffen und Munition (WTD 91), die die Waffe untersucht hatte, sollte der Zeitung zufolge auf Wunsch der Rüstungsabteilung in ihren Bericht den Zusatz aufnehmen: "Das System Waffe und Munition zeigt hinsichtlich des Treffverhaltens keine besonderen Auffälligkeiten." Und außerdem den Hinweis, bestimmte Effekte beruhten "auf physikalischen Gesetzmäßigkeiten" und seien "nicht nur G36 spezifisch". Der zuständige WTD-Beamte habe dies aber mit der Begründung abgelehnt, es handele sich um "Änderungen von Kernaussagen bzw. sinnentstellende Änderungen", schrieb das Blatt.

Die Verteidigungsexpertin der Grünen-Fraktion, Agnieszka Brugger, verlangte in der "SZ" "Aufklärung, ob die Berichte geschönt und Mängel systematisch kleingeredet wurden". Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) habe Transparenz versprochen. Doch es habe sich "trotz der großspurigen Ankündigungen nichts geändert".

Der Ministeriumssprecher verwies demgegenüber auf eine erneute Untersuchung: "Um Transparenz herzustellen, ging die Initiative vom Verteidigungsministerium aus, gemeinsam mit dem Rechnungshof das Präzisionsverhalten zu überprüfen." Ein Zwischenbericht dazu werde Anfang kommenden Jahres erwartet.

Artikel bei "sueddeutsche.de"

Wehrtechnische Dienststelle für Waffen und Munition

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wusste Comey, dass Clinton-Infos falsch waren?
Washington - Der frühere FBI-Direktor James Comey soll gewusst haben, dass Informationen zur E-Mail-Affäre von Hillary Clinton erfunden worden waren - vom russischen …
Wusste Comey, dass Clinton-Infos falsch waren?
Merkel: „Sherpas werden heute Nacht noch hart arbeiten müssen“
Die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen tagen an diesem Wochenende in Italien. Wir begleiten den G7-Gipfel 2017 im Ticker. 
Merkel: „Sherpas werden heute Nacht noch hart arbeiten müssen“
Ariana Grande wird Benefizkonzert in Manchester geben
Schon wieder hat ein Selbstmordanschlag die Welt erschüttert: Am Montag riss ein Attentäter 22 Menschen in den Tod, darunter viele Kinder. Die Polizei meldet Erfolge. …
Ariana Grande wird Benefizkonzert in Manchester geben
Sie werden nicht glauben, was Melania Trumps Jacke kostet
Der G7-Gipfel ist nicht nur Politik. Beim Partnerprogramm dürfen die Gäste auch genießen. Die US-First Lady fiel dabei mit einer teuren Jacke auf. Und einer war mal …
Sie werden nicht glauben, was Melania Trumps Jacke kostet

Kommentare