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Demonstranten laufen in Dresden durch die Innenstadt. Sie folgten einem Aufruf der Initiative "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (PEGIDA). Foto: Matthias Hiekel/Archiv

Zentralrat der Juden nimmt Muslime gegen "Pegida" in Schutz

Berlin (dpa) - Angesichts islamfeindlicher Proteste der umstrittenen "Pegida"-Bewegung nimmt der Zentralrat der Juden die Muslime in Deutschland in Schutz.

Die Angst vor islamistischem Terror werde instrumentalisiert, um eine ganze Religion zu verunglimpfen, sagte der Zentralratsvorsitzende Josef Schuster. "Das ist absolut inakzeptabel." Die Vorstellung, Deutschland drohe ein islamischer Staat zu werden, sei "absurd".

Seit Wochen folgen Tausende Menschen in Dresden Demonstrationsaufrufen einer islamfeindlichen Bewegung namens "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" - kurz "Pegida". Sie protestieren gegen eine angebliche Islamisierung des Abendlandes und fordern eine schärfere Asylpolitik. "Pegida" hat mittlerweile Ableger in mehreren Städten.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland rief dazu auf, sich intensiver mit den "Pegida"-Anhängern auseinanderzusetzen. "Die Ängste, die sie umtreiben, ist die Schere zwischen arm und reich, die größer wird", sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek am Samstag im rbb-Inforadio. Die Muslime in Deutschland verurteilten selbst seit Jahren die radikalen Auswüchse des Islam, fügte Mazyek hinzu: "Wir brauchen keine "Pegida", um gegen diese Formen zu protestieren. Die Muslime selber demonstrieren dagegen."

Der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover warnte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag) vor einer Polarisierung der Gesellschaft". Man dürfe die "Pegida"-Demonstrationen nicht grundsätzlich unter den Vorwurf des Rechtsradikalismus stellen. Vielmehr müssten ihre Sorgen und Ängste ernst genommen werden.

SPD-Bundesvize Ralf Stegner ging die "Pegida"-Demonstranten dagegen scharf an. Zwar wolle er keinesfalls Tausende Demonstranten als Nazis bezeichnen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Aber arglose Bürger, die nicht wissen, was dort geschieht, sind das nicht. Das müssten solche sein, die Augen, Ohren und Nase zuhalten. Das stinkt nämlich, das ist inhaltlich rechts, und das kann man hören und sehen."

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) plädierte für eine differenzierte Betrachtung. "Wenn in Dresden 15 000 Menschen auf die Straße gehen, wäre es abwegig, so zu tun, als seien das alles Faschisten", sagte Albig der dpa. "Da ist auch viel verängstigtes Bürgertum dabei."

Der bayerische Ministerpräsident argumentiert ähnlich: "Das sind weiß Gott nicht alles Nazis", sagte Horst Seehofer (CSU) der "Passauer Neuen Presse" (Samstag). Allerdings müsse sich die Politik um das, was "diese Menschen an Ängsten im Herzen tragen, kümmern". Dazu zählten etwa "eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge auf die europäischen Länder", ein besserer Schutz der EU-Außengrenzen und die Rückführung von Flüchtlingen aus sicheren Balkanstaaten.

FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki forderte in diesem Zusammenhang mehr Stellen für Sicherheitskräfte. Er halte Flüchtlinge nicht für kriminell, stellte der Kieler Fraktionschef klar. "Wenn aber mehr Menschen zu uns kommen, müssen wir ausreichend Polizei in der Nähe haben, um Flüchtlinge im Fall der Fälle zu schützen", sagte er der dpa.

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