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Beate Zschäpe.

NSU-Prozess

Die Zeugin, die nie nachfragte

München - NSU-Prozess: Beate Zschäpe nutzte im Untergrund die Krankenkassenkarte von Silvia S. (33), die beteuert, von nichts gewusst zu haben.

Silvia S. (33) ist offenbar eine Frau, die keine Fragen stellt. Nicht über die politischen Ansichten ihrer Bekannten („Politik interessiert mich nicht“), nicht über die Neonazi-Vergangenheit ihres Mannes („Warum auch?“). Und auch nicht über das seltsame Angebot, das ihr Bekannter Holger G. ihr im Jahr 2005 machte: 300 Euro bot er der Frisörin für ihre Krankenkassenkarte. Sie willigte ein – und will nicht mal nachgefragt haben, was Holger G. damit wollte. „Ich habe mir da keinen Kopf gemacht“, sagt sie. Kann ein Mensch so naiv sein? Fest steht jedenfalls: Die Frau, die fortan die Personalien von Silvia S. benutzte, heißt Beate Zschäpe und ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Deshalb ist die Frisörin aus Hannover nun in das derzeit größte Strafverfahren Deutschlands verwickelt. Und macht vor Gericht ganz und gar keine gute Figur.

Die Sache mit der Krankenkassenkarte sei eine spontane Aktion gewesen, schildert sie dem Gericht. Gemeinsam mit ihrem Mann, durch den sie auch Holger G. kennenlernte, sei man bei ebendiesem daheim gewesen. „Eine lustige Runde“, es sei auch Alkohol getrunken worden. Irgendwann habe Holger G. dann gefragt, ob „jemand“ eine Krankenkassenkarte hätte. Er bot 300 Euro dafür. „Ich habe in dem Moment nur das Geld gesehen, ich bin eine arme Frisörin“, sagt Silvia S. Deshalb habe sie das Angebot angenommen. Ob sie denn gefragt habe, wofür Holger G. die Karte brauche, die er als Mann ja gar nicht benutzen könne, will der Vorsitzende Richter Manfred Götzl wissen. „Nein, ich habe das nie hinterfragt.“ Und warum nicht? „Weil mich das nicht interessiert hat.“ Was habe sie sich denn vorgestellt, was mit der Karte passiert? „Gar nichts.“ Warum nicht? „Weiß ich nicht.“ Irgendeine Vorstellung müsse sie doch gehabt haben? „Nein.“

Es sind zähe Dialoge wie dieser, die den Verhandlungstag prägen. Immer wieder bohren die Richter, die Bundesanwälte und die Nebenklage-Vertreter nach. Sie wollen wissen, was Silvia S. wusste. Ihre Sätze befeuern das Misstrauen weiter: Sie habe „Beate“ gar nicht gekannt, sagt sie an einer Stelle. Ob sie denn fremde Frauen immer mit dem Vornamen anrede, will einer der Bundesanwälte daraufhin wissen. „Nein. Das habe ich jetzt so vor mich hin geredet.“ Sie will von dem Trio aus Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt, das heute als Zwickauer Terrorzelle bekannt ist, gar nichts gewusst haben. „Wenn ich gewusst hätte, was mit der Karte passiert, hätte ich sie doch niemals hergegeben.“ Sie habe die Karte ein bis zwei Wochen später dann auch sperren und sich eine neue schicken lassen. Warum, kann sie allerdings nicht erklären.

Weder mit ihrem Mann noch mit Holger G. will Silvia S. nochmals darüber gesprochen haben, was mit der Karte war – bis der Anruf von der Polizei kam, die Silvia S. zur Vernehmung lud. „Da waren wir beide geschockt“, sagt sie. Was denn ihr Mann dazu gesagt habe, fragt der Richter. Auch darüber, beteuert Silvia S., habe man nicht gesprochen. „Das ist wirklich meine Wahrheit, die ich hier erzähle.“ Ob es aber auch die tatsächliche Wahrheit ist, bleibt an diesem Verhandlungstag zweifelhaft.

Ann-Kathrin Gerke

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