10. Juli 2019: Beim Empfang des finnischen Präsidenten kämpft Merkel vergeblich gegen ihr Zittern an.
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10. Juli 2019: Beim Empfang des finnischen Präsidenten kämpft Merkel vergeblich gegen ihr Zittern an.

Anfälle sorgten für Aufsehen

Merkels Zittern: Juncker lüftet das Geheimnis   

Kanzlerin Angela Merkel zittert am ganzen Leib vor laufender Kamera - dreimal kämpft sie 2019 öffentlich dagegen an. Nun offenbart Ex-EU-Ratschef Juncker das Geheimnis um die Zitter-Anfälle.

München - Es waren Bilder, die im Sommer 2019 viele Deutsche beunruhigten: Als Angela Merkel*, die sonst so Unerschütterliche, am 18. Juni 2019 mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die Ehrenformation der Bundeswehr abschritt, befiel sie plötzlich ein lang anhaltendes Zittern der Arme und Beine.

Merkels Zittern: Juncker lüftet Geheimnis

Nach zwei weiteren Zitter-Anfällen vor laufenden Kameras meldeten sich Mediziner und Psychologen mit Fern-Diagnosen: Hat die Kanzlerin eine rätselhafte Nerven-Krankheit? War es der Stress? Eine offizielle Ursache wird nie genannt. Nun hat Ex-EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker das Rätsel um Merkels Zitter-Attacken gelüftet: Schuld waren nicht „psychische, mentale Gründe, sondern eine latente Übermüdung“, sagte Juncker in einer RTL-Doku über Angela Merkel. Er habe sich das damals auch schon so gedacht. Juncker ergänzte: „Diese Frau hat ja 17, 18 Stunden am Tag gearbeitet. Das halten auch gestandene Männer nicht aus.“

Kanzlerin Merkel schweigt zu Zitter-Attacken

Öffentlich hatte sich Merkel nie klar zu den Zitter-Attacken geäußert: Sie versicherte damals, dass sie um die Verantwortung ihres Amtes wisse und dementsprechend handele - auch was ihre Gesundheit anbelange. „Und zweitens dürfen Sie davon ausgehen, dass ich auch als Mensch ein großes persönliches Interesse daran habe, dass ich gesund bin und auf meine Gesundheit achte“, sagte Merkel damals.

18. Juni 2019: Merkels erste Zitter-Attacke beim Empfang des ukrainischen Präsidenten Selenskyj.

Über die Kanzlerin ist bekannt, dass sie mit wenig Schlaf auskommt - und deshalb in nächtlichen Verhandlungen weniger resistente Kollegen zu Kompromissen zwingen kann. Merkel selbst erzählte, dass sie auf Vorrat schlafen könne, wie ein Kamel auf Vorrat Wasser aufnehmen kann. „Ich habe sie in vielen nächtlichen Sitzungen erlebt, da war sie putzmunter“, erinnert sich Juncker. Das müsse man in der internationalen Politik beherrschen, kurz schlafen, immer wieder ein kleines Nickerchen machen, so das EU-Urgestein weiter. Allerdings zeigte die Kanzlerin auch im Sommer 2021 klare Anzeichen von Müdigkeit*.

Merkel: „Ich habe jetzt Angst, dass das immer wieder passiert.“

Nach ihrem zweiten Zitter-Anfall bei der Verabschiedung von Katarina Barley (SPD) als Bundesjustizministerin im Schloss Bellevue gestand Merkel gegenüber Juncker: „Ich habe jetzt Angst, dass das immer wieder passiert.“ Damals versuchte sie, ihr Zittern hinter verschränkten Armen zu verbergen.

11. Juli 2019: Staatsempfang im Sitzen: Aus Solidarität setzt sich auch Dänemarks Mette Frederiksen.

Nach Zitter-Anfall - Merkel ändert Protokoll bei Staatsempfang

Wenig später gab es sogar einen dritten öffentlichen Zitter-Anfall - beim Empfang des finnischen Ministerpräsidenten Antti Rinne. Danach empfing Merkel eine Zeit lang ihre Staatsgäste nur noch im Sitzen - etwa die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, die aus Solidarität den Nationalhymnen entgegen dem Protokoll ebenfalls im Sitzen lauschte.

Ausländische Staatsgäste im Sitzen empfangen zu müssen habe sie „sehr gestört“, berichtet Juncker aus den Gesprächen mit der Kanzlerin. In ihren 16 Jahren als Kanzlerin betonte Merkel gelegentlich, dass sie zeitweise mit wenig Schlaf auskomme. Sie habe gewisse „kamelartige Fähigkeiten“, witzelte sie 2013 bei Brigitte.*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Nach 16 Jahren an der Spitze der deutschen Regierung neigt sich die Ära von Angela Merkel dem Ende zu.  Wir blicken zurück: 16 Jahre Angela Merkel - das waren die prägendsten Momente ihrer Kanzlerschaft

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