+
Die Angeklagte Beate Zschäpe betritt den Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München. Foto: Peter Kneffel/Archiv

NSU-Prozess: Verlesen von Listen statt Zschäpe-Aussage

München (dpa) - Mit viel Prozess-Routine ist das Münchner NSU-Verfahren nach drei Wochen Weihnachtspause fortgesetzt worden. Die Richter verlasen mehrere Listen mit Beweismitteln, um sie als Beweis in das Verfahren einzubringen.

Außerdem verkündeten sie Entscheidungen zu zahlreichen Beweisanträgen. Zur erwarteten Befragung der Hauptangeklagten Beate Zschäpe oder des Mitangeklagten Ralf Wohlleben kam es dagegen nicht.

Zschäpes Verteidiger Mathias Grasel hatte die mutmaßliche Rechtsterroristin am Vortag in der Untersuchungshaft besucht. Anschließend teilte er mit, Zschäpe und er seien auf die Beantwortung von Fragen vorbereitet. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl betonte jedoch am Dienstag in der Verhandlung, es bleibe "bei dieser Abfolge: Wohlleben, dann Zschäpe voraussichtlich erst nächste Woche". 

Das Gericht gewährte Wohlleben jedoch einen Tag Aufschub, bis Mittwoch. Einer seiner Verteidiger habe "Besprechungsbedarf" mit seinem Mandanten geltend gemacht. Wohllebens Befragung hatte bereits im Dezember begonnen, allerdings nur zu seinen Lebensumständen.

Zschäpe und Wohlleben hatten im Dezember nach jahrelangem Schweigen erstmals ausgesagt. Beide hatten bestritten, an der Serie der zehn Mordanschläge des NSU beteiligt gewesen zu sein. Wohlleben hat nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft die Mordwaffe vom Typ "Ceska" beschafft, mit der neun der zehn NSU-Mordopfer getötet worden sein sollen. Zschäpe ist die einzige Überlebende des NSU-Trios und muss sich als mutmaßliche Mittäterin für alle Verbrechen der Terroristen verantworten.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

US-Republikaner scheitern mit Entwurf zu Krankenversicherung
Mit aller Macht wollen die Republikaner endlich etwas an der ihnen so verhassten Krankenversicherung "Obamacare" ändern. Bis in die frühen Morgenstunden ringen sie um …
US-Republikaner scheitern mit Entwurf zu Krankenversicherung
Linke: Nicht alle Cannabis-Patienten bekommen ihre Medizin
Vor allem Schmerzpatienten haben Hoffnung in das Gesetz "Cannabis als Medizin" gesetzt. Jetzt ist es da. Doch offensichtlich gibt es Engpässe. Und auch die Kassen sollen …
Linke: Nicht alle Cannabis-Patienten bekommen ihre Medizin
Israel beschränkt erneut Zutritt zum Tempelberg für Muslime
Trotz des Einlenkens von Israel in der Tempelberg-Krise kommt es weiter zu Unruhen in Jerusalem. Die Polizei wappnet sich gegen neue Konfrontationen bei den …
Israel beschränkt erneut Zutritt zum Tempelberg für Muslime
Pakistans Ministerpräsident Sharif des Amtes enthoben
Islamabad (dpa) - Der Oberste Gerichtshof Pakistans hat Ministerpräsident Nawaz Sharif seines Amtes enthoben. Das meldeten pakistanische Medien.
Pakistans Ministerpräsident Sharif des Amtes enthoben

Kommentare