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Beate Zschäpe sagt selbst nichts vor Gericht. Nun sollen ihre Mutter und ihre Nachbarin als Zeugen gehört werden.

NSU-Prozess

Zschäpes Mutter soll vor Gericht aussagen

München – Im NSU-Prozess sollen zwei umstrittene Zeuginnen aussagen. Eine davon ist die Mutter der Hauptangeklagten Beate Zschäpe. Die andere ist in einem kritischen Zustand.

Das Gericht hat für November die Mutter der Hauptangeklagten Beate Zschäpe geladen – ihr steht allerdings ein Aussageverweigerungsrecht zu. Beate Zschäpes Verteidiger wollen zudem nicht auf die Vernehmung einer Zeugin verzichten, deren Gesundheitszustand fraglich ist. Anwalt Wolfgang Heer beantragte gestern, die 91-jährige Charlotte E. aus Zwickau möglichst schnell zu vernehmen: „Es steht zu befürchten, dass die Zeugin verstirbt“, erklärte er. Notfalls solle man sogar die Verhandlung an ihrem Wohnort durchführen. Bei der Zeugin handelt es sich um eine ehemalige Bewohnerin des Hauses an der Zwickauer Frühlingsstraße, in dem auch das mutmaßliche Terror-Trio gewohnt hat. Die alte Dame lebte direkt neben der Wohnung, die Zschäpe am 4. November 2011 nach der Enttarnung des NSU angezündet haben soll.

Die Anklage wirft ihr deshalb unter anderem versuchten Mord an Charlotte E. vor, weil Zschäpe gewusst haben soll, dass die damals 89-Jährige daheim und gefährdet war. Verwandte hatten die Seniorin nach der Explosion der Nachbarwohnung gerettet. Sie erklärten vor einigen Wochen, die alte Frau sei schon damals schlecht zu Fuß und schwerhörig gewesen. Heute sei sie gar nicht mehr reisefähig.

Fast zwei Jahre nach dem Brand ist E. nun teilweise dement sowie schwer herz- und nierenkrank, sie lebt in einem Pflegeheim. Dennoch könnte ihre Aussage für die Verteidigung Zschäpes wichtig sein. In der Anklage heißt es, dass es nach der Explosion an der Tür von Charlotte E. geklingelt habe. Kann es Beate Zschäpe gewesen sein, die versuchte, ihre Nachbarin zu warnen? Um derartige Fragen zu klären, sei es unerlässlich, die Zeugin bald zu hören, argumentierte Heer – insbesondere weil ihre „Aussagefähigkeit bereits in kurzer Zeit und endgültig nicht mehr gegeben“ sein könne.

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Während ein Nebenklageanwalt Kritik äußerte, hält Anwältin Doris Dierbach das Anliegen der Verteidigung für nachvollziehbar. Das Gericht müsse einen Weg finden, die Zeugin zu vernehmen, möglicherweise per Video. Auch der Vorsitzende Richter Manfred Götzl erklärte, er würde die 91-Jährige gerne vor Gericht hören.

Ann-Kathrin Gerke

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