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Damals noch Gesundheitsminister: Markus Söder besucht im Jahr 2011 das Münchner Rotkreuzklinikum.

Grüne schlagen Alarm

Bayerische Pflege-Studiengänge auf der Kippe

  • Sebastian Horsch
    VonSebastian Horsch
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2020 soll an neuen bayerischen Hochschulen ein Pflege-Studium möglich sein. Doch aus Sicht der Grünen reichen  die Finanzmittel im Haushalt dafür nicht aus. Die Staatsregierung lasse  die Hochschulen „im Regen stehen"

Ab Januar soll es an neun bayerischen Hochschulen erstmals möglich sein, das Fach Pflegewissenschaften zu studieren – unter anderem in München und Rosenheim. Doch weil die Staatsregierung zu wenige Mittel dafür in den Nachtragshaushalt eingestellt habe, könne es passieren, dass die Studiengänge nicht starten können, mahnen die Landtags-Grünen.

Für deren Pflege-Sprecher Andreas Krahl wäre das „der Super-Gau“. Denn Bayern könne es sich angesichts des extremen Fachkräftemangels, der die Pflege-Branche quält, schlicht nicht leisten, „500 bis 800 Studierende zu verlieren“. Diese würden dann nämlich gezwungen, das Bundesland zu verlassen – zum Beispiel nach Rheinland-Pfalz, wo die Hochschule Vallendar das gewünschte Pflege-Studium anbietet.

Nötig seien 25 Millionen Euro Anschub-Finanzierung  

Finanzminister Albert Füracker (CSU) nannte den Nachtragshaushalt gestern hingegen ein „Zukunftsprogramm erster Güte“. Um Investitionsspielräume zu generieren, reduziert die Staatsregierung den Schuldenabbau in den kommenden zwei Jahren um 900 Millionen Euro. Für 2020 sieht der Haushalt ein Volumen von 60,3 Milliarden Euro vor. Grundsätzlich geknausert wird also nicht. Und das Wissenschaftsministerium betont auf Anfrage unserer Zeitung, es seien auch Stellen für den Start der neuen Studiengänge eingeplant.

„Schön und gut“, sagt Krahl. Doch die reichten nicht aus, um die Studiengänge ins Rollen zu bringen. Nötig sei eine Anschub-Finanzierung von zusätzlich 25 Millionen Euro. Krahl hat auch einen Vorschlag, wo dieses Geld herkommen könnte. Der Grünen-Politiker fordert, das im Wahlkampf aufgelegte 400 Millionen Euro teure Landespflegegeld wieder einzustellen. Denn: „Es löst nicht ein einziges Problem in der Pflege.“

Grüne: Söder spielt in der Pflege mit Versorgungssicherheit

Derzeit sehe es aber so aus, „als würden die Hochschulen im Regen stehen gelassen.“ Das Grundproblem sei, dass die Staatsregierung bei ihren Milliardeninvestitionen in die Forschung die sozialen Berufe vernachlässige. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) spiele so „zugunsten der High-Tech-Industrie mit der Versorgungssicherheit in der Pflege“. Und das, obwohl Finanzminister Füracker gesagt habe, er wolle die besten Köpfe in den Freistaat holen. „Warum wollen wir sonst in Bayern immer die Nummer eins sein und lassen uns in der Pflege die Butter vom Brot nehmen?“, fragt Grünen-Politiker Krahl.

 Tatsächlich leidet auch Bayern bereits unter dem enormen Pflegefachkräfte-Mangel, der ganz Deutschland hart trifft. Im Rahmen ihrer Konzertierten Aktion Pflege habe die Bundesregierung deshalb auch eine Akademikerquote in der Pflege von 10 Prozent als Ziel formuliert. „In Bayern sind es derzeit aber nur 0,4 Prozent“,sagt Krahl. Gleichzeitig würden Akademiker in der Pflege jedoch immer wichtiger, weil komplizierte Krankheitsbilder und Multimorbidität die Anforderungen an den Beruf immer weiter erhöhen.

Auch die Pflegeforschung gewinne dabei zunehmend an Bedeutung, und die Möglichkeit des Studiums erhöhe obendrein die Attraktivität des Berufs. Dazu komme: „Viele angehende Medizinstudenten machen in ihrer Wartezeit eine Pflegeausbildung und finden dabei Gefallen an dem Beruf“, sagt Krahl. Doch obwohl Bayern diese Leute dringend brauche, spare der Freistaat nun am Angebot, sie ihr Studium in einer pflegerischen Richtung fortsetzen zu lassen. 

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