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Der größte Bahnhof von Budapest wird weiterhin von hunderten Flüchtlingen täglich angesteuert Foto: Zoltan Balogh/Archiv

Ungarn erwägt Ausrufung des Krisenfalls

Die Flüchtlingskrise in Ungarn spitzt sich zu. Von nächster Woche an wird illegaler Grenzübertritt mit Haft bestraft. Die Grenze zu Serbien soll besser abgeriegelt werden. Und die Regierung erwägt weitere Schritte. Die Menschen drängen in die Züge gen Westen.

Budapest/Wien (dpa) - Ungarn erwägt, wegen des Andrangs von Flüchtlingen den Krisenfall auszurufen und die Grenze zu Serbien effizenter abzusperren. Österreich stellte den Zugverkehr mit Ungarn wegen Überlastung bis auf weiteres ein.

Trotzdem drängten am Budapester Ostbahnhof Hunderte weitere Flüchtlinge in die Züge Richtung Westgrenze.

Am kommenden Dienstag wolle die Regierung in Budapest über die Ausrufung des Krisenfalls entscheiden, sagte Janos Lazar, Kanzleichef des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban. Am selben Tag tritt auch ein neues Gesetz in Kraft, wonach illegaler Grenzübertritt in Ungarn als Straftat gibt. Bislang ist er nur eine Ordnungswidrigkeit.

Zudem soll auch die Eisenbahn-Zufahrt aus dem Nachbarland Serbien gesperrt werden, wie Lazar ankündigte. Diese Stelle am Grenzübergang Röszke ist der einzige Ort, der noch von keinem Grenzzaun versperrt wird. Sie wird seit Tagen von vielen Flüchtlingen als Durchgang genutzt.

Die österreichische Bahn stellte am Donnerstag den Zugverkehr zwischen Österreich und Ungarn angesichts des Andrangs von Flüchtlingen vorübergehend ein. Eine Prognose, wann Züge wieder fahren könnten, sei schwierig, hieß es. Der Schritt habe vor allem technische Gründe, viele schon am Wochenende stark von Flüchtlingen genutzte Züge müssten gewartet werden, betonte die ÖBB.

Das Sicherheitsrisiko sei derzeit zu groß, sagte ÖBB-Sprecher Michael Braun. "Die aus Ungarn kommenden Züge sind so dermaßen überfüllt, dass wir sie auf keinen Fall weiterfahren lassen können. In Österreich dürfte so ein Zug den Bahnhof gar nicht verlassen." Sollten noch mehr Menschen aus Ungarn auf den Bahnhöfen ankommen, könne die ohnehin angespannte Situation kippen.

Mindestens 1000 Menschen passierten nach Polizeiangaben am Donnerstag zu Fuß die ungarisch-österreichische Grenze. In der Nähe des Wiener Westbahnhofs wurde unter anderem ein Aufnahmelager mit rund 600 Betten eingerichtet. Weitere Flüchtlingsquartiere werden geprüft, unter anderem in Zelten und in Kasernen.

Trotz der Einstellung des Zugverkehrs zwischen Österreich und Ungarn hofften mehrere hundert geflüchtete Menschen im Budapester Ostbahnhof auf eine Ausreisemöglichkeit. Familien mit kleinen Kindern drängten sich vor den Bahnsteigen, zumeist Kriegsflüchtlinge aus Syrien, beobachteten dpa-Reporter vor Ort. Andere lagen erschöpft auf dem Boden. Freiwillige Helfer versorgten die Wartenden mit Lebensmitteln und Kleidung.

Über ein Megafon erklärte ein Flüchtling auf Arabisch die neue Lage. Er sagte, die Menschen sollten sich eine Fahrkarte bis zum nordungarischen Grenzbahnhof Hegyeshalom kaufen. Von dort aus könnten sie in Gruppen die Grenze nach Österreich überqueren.

Mitteilung der ÖBB

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