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Wie viel Geld gibt es im Alter? Als Rentner in Deutschland muss man schon gut haushalten.

Probleme wegen demografischem Wandel

Düstere Zukunftsaussichten: Wie wird sich das Rentenniveau entwickeln? 

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Steht das deutsche Rentensystem vor einem Wandel? Eine Kommission soll Wege aus der Misere der aktuellen Regelung aufzeigen. Denn die Aussichten sind wahrlich düster.

München - Wie geht’s weiter mit der gesetzlichen Rente? Die große Mehrheit der Deutschen geht davon aus, dass sie im Ruhestand den Gürtel deutlich enger schnallen muss. 80 (!) Prozent rechnen damit, dass sie mit ihrer Rente „gar nicht“ (45%) oder nur „gerade so“ (39%) zurechtkommen werden. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Besonders ausgeprägt sind die Sorgen bei Frauen mittleren Alters, bei Minijobbern, Teilzeit-Beschäftigten und bei Menschen mit unsicheren Beschäftigungsperspektiven.

Die Ängste sind berechtigt: Die aktuelle Vereinbarung der Großen Koalition zum Thema Rente sieht zwar vor, dass das Rentenniveau - das derzeit bei 48.3 Prozent liegt - in den nächsten Jahren gehalten werden soll. Und zwar mindestens bis zum Jahr 2025. Aber was passiert danach? Sinkt das Niveau weiter? Oder muss das Renteneintrittsalter noch weiter angehoben werden? Wird man 2050 bis 70 arbeiten müssen, um überhaupt ein Ruhegeld zu bekommen?

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Rentenkommission soll Vorschläge für System nach 2025 erarbeiten

Mit dieser Frage wird sich ab diesen Mittwoch die Rentenkommission der Bundesregierung beschäftigen. Sie soll bis 2020 Vorschläge machen, wie das Rentensystem in der Zeit nach 2025 gesichert werden kann. Geht’s nach Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), sollen die erarbeiteten Lösungen noch in dieser Legislaturperiode Gesetz werden.

Die Herausforderungen sind groß. Aktuell versorgen rechnerisch noch 2,8 Personen im Erwerbsalter eine Person im Rentenalter. Aufgrund des demografischen Wandels rechnen Experten aber damit, dass es bereits in 20 Jahren nur noch 1,8 Personen sein werden. Damit die Verschiebung zwischen Beitragszahlern und Leistungsbeziehern der gesetzlichen Rentenversicherung nicht zu einer Überlastung der arbeitenden Bevölkerung führt, wurde mit der Rentenreform der Jahrtausendwende festgelegt, dass die Renten langsamer wachsen als die Löhne. Dadurch wird der Anstieg der Rentenversicherungsbeiträge gebremst. Aktuell liegen sie bei 18,7 Prozent. Und daran soll sich laut Koalitionsvertrag auch bis 2025 nichts ändern.

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Bei Finanzierungslücke steigen die Steuern

Kommt es zu einer Finanzierungslücke, muss der Steuerzahler einspringen. Bis zum Jahr 2025 sei dies kein Probleme, heißt es dazu in einer Studie des Prognos-Instituts für die deutsche Versicherungswirtschaft. Dank der guten Konjunktur und Arbeitsmarktlage sei der zusätzliche Finanzierungsbedarf verschmerzbar. Das ändere sich in den Jahren danach aber dramatisch. Blieben Rentenniveau und Beitragssatz fixiert, entstünde allein im Jahr 2040 eine Mehrbelastung von 100 Milliarden Euro.

Die deutsche Versicherungswirtschaft (GdV) plädiert deshalb für eine Anhebung des Renteneintrittsalters. Eine Erhöhung auf 68 oder 69 Jahre ab 2030 beziehungsweise 2040 dürfe angesichts einer steigenden Lebenserwartung nicht tabu sein. Sie stabilisiere nicht nur die Finanzierung der Rentenversicherung sondern stärke auch noch das Rentenniveau und entlastete den Steuerzahler. In welchem Umfang dies geschieht, kann jeder selbst ausprobieren mit einem Internet-Angebot von GdV und Prognos. In der Rolle des „Rentenministers“ soll jeder die wahrscheinliche Entwicklung der gesetzlichen Rente bei bestimmten Vorgaben prüfen können. Stellschrauben dabei sind der Beitragssatz, das Rentenniveau, die Lebensarbeitszeit und der Steuerzuschuss.

Der Sozialverband VdK wünscht sich keine Rentenspielchen. Er fordert eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung und eine Anhebung des Rentenniveaus - mittelfristig wieder auf 50 Prozent. Nur so könne das Vertrauen in die gesetzliche Rente wiederhergestellt werden, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Beispiel 1: Erst mit 69 in die Rente

Diese Beispielrechnung zeigt, dass es sinnvoll sein könnte, erst mit 69 in Rente zu gehen. Dann bliebe der Satz für die Rentenbeiträge auch über das Jahr 2040 hinaus relativ stabil und trotz des demografischen Wandels könnte auch das (niedrige) Rentenniveau gehalten werden. Genauso wichtig ist aber eine Zahl, die die Grafik nicht zeigt: Denn auch die Steuerzuschüsse aus dem Bundeshaushalt blieben bei diesem Beispiel mit so stabil wie bei der aktuellen Rechtslage.

Beispiel 2: Mit 65 in den Ruhestand bei über 50 Prozent Rentenniveau

Mit 65 in Rente und das bei einem Rentenniveau, das deutlich über dem derzeitigen liegt - wer würde nicht darüber jubeln! Allerdings hat diese Rechnung ihren Preis. Der Beitragssatz müsste deutlich angehoben werden und es wäre zur Deckung der Finanzierungslücke in der Rentenkasse noch ein satter Zuschuss aus dem Bundeshaushalt fällig. Der läge im Jahr 2040 bei über 184 Milliarden. Aktuell fließen 90 Milliarden Steuern jährlich in die Rente - mehr als jeder vierte Euro, den der Bund ausgibt.

WdP

Keine guten Aussichten:

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