Ein Landwirt erntet Bio-Möhren auf einem Feld im Landkreis Hildesheim. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
+
Ein Landwirt erntet Bio-Möhren auf einem Feld im Landkreis Hildesheim. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Breiter Konsens gesucht

Zukunft der Landwirtschaft - Kommission startet

Die einen machen Front gegen "Agrarfabriken", die anderen wehren sich gegen "grüne Träumer": Über die Landwirtschaft in Deutschland gibt es heftige Auseinandersetzungen. Gelingt jetzt ein gemeinsamer Dialog?

Berlin (dpa) - Zum Start einer Regierungskommission zur Zukunft der Landwirtschaft sehen Bauernvertreter Bereitschaft zum Wandel - fordern aber auch gerechte Bezahlung.

"Ich nehme aber wahr, dass große Veränderungsbereitschaft unter uns Bäuerinnen und Bauern ist", sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Elisabeth Fresen vor dem Kanzleramt in Berlin.

Das gelte auch für andere landwirtschaftliche Verbände. Es müsse aber bezahlt werden. "Denn wir können klimaschonende Landwirtschaft machen, wir können eine artgerechte Tierhaltung gewährleisten, all das können wir - aber nicht umsonst."

Die "Zukunftskommission Landwirtschaft" soll nach langem Streit über die Ausrichtung der Landwirtschaft in Deutschland einen breiten Konsens suchen. Vertreten sind Landwirte und Industrie, Natur- und Tierschützer, Handel und Wissenschaft. Im Herbst soll es einen Zwischenbericht geben, im Frühsommer einen Abschlussbericht.

Es geht unter anderem um Umwelt- und Tierschutz, aber auch um das Einkommen der Landwirte und die Verteilung von Subventionen. Zum Auftakt am Montag demonstrierten Umwelt- und Tierschutzaktivisten vor dem Kanzleramt, unter anderem mit einem aufblasbaren Schwein mit der Aufschrift "Stoppt das Billigfleisch-System!".

Das "Wertvolle" an dieser Runde sei, dass sie ein breites Spektrum abbilde, sagte Fresen. Wenn eine Einigung erzielt werde, dann werde diese auch breit getragen. "Aber zum anderen ist es eben auch ein Risiko, weil die Interessenslage so breitgefächert ist", fügte sie hinzu.

Die Entscheidungen der Verbraucher seien "ein Baustein" beim Wandel der Landwirtschaft. Wichtig seien auch die Milliarden-Subventionen der EU für die Landwirte, die bestimmten, was auf den Höfen passiere. "So gesehen wird schon indirekt über die Steuergelder die Landwirtschaft gesteuert, aber eben nicht im Sinne der Gesellschaft", sagte Fresen. "Und das ist ein Skandal".

© dpa-infocom, dpa:200907-99-456552/4

Pressemitteilung mit Mitgliedern der Kommission

Auch interessant

Kommentare